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Full text: Berliner Leben Issue 23.1920

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Sommertheater. 
Hermine Slerler 
im „ Winlergewitter“ (Kleines Theater, Sonate). 
Wer geht im Hochsommer ins Theater? 
Der Berliner doch nur, wenn er bös 
artigen Provinzbesuch hat. Und der 
Herr aus Aschersleben oder Schroda ist 
nicht so unbescheiden, als Entgelt für 
wahnwitzige Eintrittspreise und schlechte 
Luft etwa gute Stücke und anständige 
Ausstattung zu verlangen. 
Heimatlich angeweht aber musste er 
sich fühlen, wenn er die drei Einakter im 
„Kleinen Theater“ — „Sonate“ be- 
Hilde Wörner im „Letzten Walzer“. 
trachtete. Diese Ausstattung wäre aus 
Pinne ausgewiesen und nach Neustadt 
bei Pinne verbannt worden. Wenn man 
trotzdem einen Gewinn buchte, so lag das an 
Hermine Sterler. 
So tiefe frauliche Güte, so reine und 
edle Natur war nicht in Berlin, seit Else 
Lehmann jung war. 
Sonst: Nun ja, man quietscht bei 
Pallenberg und der Werbezirk, man 
quietscht so sehr, dass man die Tragik 
dieses grossen Schauspielers zeitweilig ver- 
r>) 
Max Pallenberg und Gisela Werbezirk 
im „Rabenvater“ (Theater des Westens). 
Vera Schwarz, die in Leo Blechs Operette „Die Strohwitwe“ 
einen starken Erfolg errang, lehnte einen äusserst verlockenden Antrag 
ilthealers ab und verbleibt an der Slaalsoper. 
,gisst. Und man freut 
sich im „Letzten 
Walzer“ innigst an 
der bildschönen Hilde 
Wörner, die soviel 
süsser, soviel mädchen 
hafter ist als die 
Massary — aber 
doch noch einiges von 
ihr lernen darf. 
Für Leute mit 
„literarischen“ Nei 
gungen bei vierzig 
Grad Hitze glebts 
„Die Frau und der 
Hampelmann“ mit der 
Orska. Hier sieht 
man sie gern — denn 
das kann sie. Kommt 
sie so noch oft —- 
vielleicht dass wir ihre 
Lady Milford ver 
gessen. 
Sonst — alles Mög 
liche und letzten Endes 
doch unmöglich. Das 
beste Berliner Theater 
im Hochsommer ist 
der Sonnenuntergang 
am Wannsee. v. g. 
Maria Oraka und Geisendörfer 
in „Die Frau und der Hampelmann“ (Deutsches Theater).
        
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