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Full text: Berliner Leben Issue 23.1920

Jahrgang 25. 
Juli 1020. 
Nr. r. 
Berliner Leben — Berliner Lehm! 
Von Hans Brennert. 
(P* 
fenn Sic beul auf dem Kreuzberg stehn 
^ Und gütigst ein menig nad) Westen sebn — 
— Jch meine übrigens: den Kreuzberg uon Berlin . , . 
Der Berliner kennt nur den Montmartre, oder bei Wien 
Den Kahlenberg, oder etwa noch den Montblanc — — 
Also da haben Sie (früher) ein Gtablissement . . . 
Die Behmkute —! 
Ja, ich mciss, das Wort klingt in hohem Masse 
Unfein —! Dach Wedding! oder der Merstrasse — 
ünmondain, übel berlinisch, 
Uor - wilhelminisch! 
Crotzdem — 
Reden wir einmal offen uom Behm . . . 
Und der Behmkute —! üom alten „Berliner Beben“. 
Dornbuschhecken blühten staubig mit stachliger Rute 
Und hinter ihnen gähnte ein Boch — der Berliner sagt: Kute! — 
üiereckig, riesig, mit steiler lehmiger Wand. 
.Hber oben am Pappelrand 
üerhiess ein Schild weithin in die Wüstenei, 
Dass hier das Wirtshaus „Zur Behmkute“ sei, 
Wobei noch gleichzeitig wurde uersprochen: 
Bier könnten Familien Kaffee kochen . . . 
Dass Juste jetzt fünf Caler Bohn «erlange, 
Und Minchen sass im Kinderwagen und kaute 
Haute — ! ! ! 
Wie hiess auf berlinisch das ehedem? —: 
„Berliner £e’m im Berliner £ehm . . 1“ 
Die Behmkute! Ja, seit Bunderten wohl uon Jahren, 
Batte Berlin hier seinen herrlichen £ehm gefahren. 
IHit diesem Behm, goldfarben und zäh, 
Baute der Wendenfischer im Cal der Spree, 
Bis zu Schlüter und Schinkel und sonst noch wem — 
Berliner Behm —! 
Jahrhunderte konnten ihn gebrauchen — 
Wooon sollten die Schornsteine rauchen? 
Die Waurer brauchten ihn und die Cöpfer — 
Wanderer, blichst uom Kreuzberg her 
Ueber das Bäusermeer: 
Der Behm war der Schöpfer —! 
Der Kreuzberg steht blühend mit Grotten und sommergrün! 
Wo Behm war, rauscht heut ein Wasserfall 
fünf Weilen und mehr: ringsum Berlin 
Cürme, Brücken und Strassenhall . . . 
Die Sonne schien heiss — hier unten aber im Behm 
Sass es sich herrlich und sass es sich angenehm. 
Die gelben Wände hatten so etwas oom Reiz 
Der fernen berühmten sächsichen Schweiz . . . 
Berr Krause kippte die werte Weisse schon — 
Der Kegeljunge schrie: „Battaljohn — !“ 
Jrau Krause schmähte mit heisser Wange, 
Und ist auch zur Zeit etwas unbeliebt 
Die Stadt, in der es die meisten Behmänner gibt, 
Und wenn auch die neuen wer mülionen 
üorläufig in ihr etwas weit auseinander wohnen, 
Und wenn sie sich seit üersailles auch den Wund uerstauchen — 
Unsre Schornsteine werden schon wieder rauchen: 
Wir schmieren den Zug hinein — wie ehedem! 
Die Behmkute —! Berliner Behm . . .
        
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