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Full text: Berliner Leben Issue 22.1919

Klaffke: Wo kann das nur sein? Kitte kommen Sie zurück in das 
Esszimmer. Mir scheint beinahe ... O weh, o weh, mein herrlicher 
Korassan! Der brennt ja! Der hat ja schon ein grosses Loch! Ich 
habe es doch gleich gesagt. Ihre verdammte Cigarre!! (stürzt sich auf 
den qualmenden Teppich und sucht das Feuer zu ersticken). 
Der Besucher: Bitte tausendmal um Verzeihung, Herr Klaffke. Ich 
bin trostlos. Natürlich ersetze ich Ihnen den Schaden. 
Klaffke: Zwanzigtausend Mark! Und noch nicht einmal versichert! 
Der Besucher: (Kniet gleichfalls nieder, um zu löschen). Wie ge 
sagt, ich etsetze . . . Aber das ist doch unmöglich ein Korassan, Herr 
Klaffke. Das ist doch ein gewöhnliches deutsches Fabrikat, Das scheint 
mir ein sogenannter Axminster zu sein .... 
Klaffke: Warten Sie, wo habe ich nur meinen Zettel? Wo steckt 
er denn nur? Ach hier. Richtig, das ist ja der Axminster! Gott sei 
Dank! Der ist ganz billig. Der mag meinetwegen brennen, an dem 
liegt mir nichts. (Bewundernd); Aber was Sie für ein Kenner sind! 
Wie Sie gleich gesehen haben, dass das kein Perser ist. Mit blossem 
Auge! Fabelhaft! 
„Frau Minna.“ 
Der Hotelgast: Herr Häberle, ich reise ab und möchte mich von 
Ihnen verabschieden. Ich habe mich in Ihrem Hotel vier Wochen lang 
sehr wohl gefühlt und glaube mich verpflichtet, Ihnen das zu sagen. 
Herr Häberle: Sehr erfreut, Herr Baron, sehr erfreut. Hab’ die Ehr’l 
Der Gast: Sagen Sie mir noch eins, Herr Häberle — wie haben 
Sie dieses Riesenhotel so schnell in die Höhe gebracht? Wenn man 
bedenkt: 500 Belten und wochenlang kein einziges frei .... 
Herr Häberle: Schaun’s, Herr Baron, das war riesig einfach. Vor 
sechs oder sieben Jahren hatte ich eine Fremdenpension, ganz da 
draussen, wo die Füchs’ sich Gutenacht sagen. Genannt „Zum Loisl.“ 
Ich heisse nämlich Alois mit Vornamen. 
Der Gast: So, so, eine kleine Fremdenpension. 
Herr Häberle: Zu dienen, Herr Baron, eine ganz eine kleine, nur für 
12 Personen. Da, eines Tages, denken’s, wird meine Frau krank. 
Grippe war's wohl nicht. Das gab’s damals noch nicht, gell? Aber halt 
so was Aehnlicbes. Sie konnte nicht mehr in die Küche und kochen. 
Eine ganz verflixte G'schicht’. Denn wissen’s, meine Fran kochte gut. 
Der Gast: So, so, Ihre Frau Gemahlin kochte selbst? 
Herr Häberle: Zu dienen. Euer Gnaden. Zum Glück bekam ich 
eine Köchin, eine Wittib. Die kochte . . . Sie können sich garnicht 
vorstellen. Herr Baron, wie die kochte. Nach vierzehn Tagen war ihr 
Topfenstrudel berühmt auf 10 Meilen rundum. 
Der Gast: Was Sie sagen! 
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Herr Häberle: Na und dann, Herr Baron, ging die Sachel ganz 
von selbst. Zuerst taufte ich halt meine Pension um. „Zum Loisl“ 
klingt ein bissei ordinär, gelt? Also ich nannte sie „Frau Minna“. Die 
Köchin hiess nämlich Minna. Nach vier Wochen speisten seine Hoheit 
der Prinz Friedrich Leopold bei mir, und kurze Zeit darauf der Gross- 
herzog von Mecklenburg. Dort oben, sehen Sie, Herr Baron? Dort 
oben hängt ein Handschreiben seiner Hoheit: „In Anerkennung des 
vorzüglichen Topfenstrudels in der „Frau Minna.“ 
Der Gast: Schau, schau! 
Herr Häberle; Ja und dann machte ich das kleine Hotel nebenan 
auf, mit 80 Betten. Das nannte ich auch „Frau Minna“. Ans Anhäng 
lichkeit für die kleine Pension, wissen’s, die mir das viele Gold ein 
gebracht hatte. 
Der Gast; Gewissermassen aus Dankbarkeit? 
Herr Häberle: Zu dienen, Elerr Baron, aus Dankbarkeit. Aber das 
Hotel war immer besetzt, Herr Baron, immer überfüllt. Und so baute 
ich halt vor zwei Jahren dieses Etablissement. Natürlich nannte ich es 
wieder „Frau Minna“. 
Der Gast: Noch immer aus Dankbarkeit? 
Herr Häberle: Aber gewiss, Euer Gnaden, gewiss. Aus Anhäng 
lichkeit und Dankbarkeit. 
Der Gast: Wirklich sehr interessant, Herr Häberle. Jetzt weiss ich 
doch, weshalb es mir bei Ihnen immer so gut geschmeckt hat. Ich 
werde aber auch nicht verfehlen, mich von der braven Frau Minna 
noch persönlich zu verabschieden. 
Herr Häberle; Von Frau Minna? Aber was glauben denn Euer 
Gnaden? Was denken der Herr Baron denn von meinem Etablissement? 
ich habe doch jetzt einen französischen Koch! Aber selbstverständlich] 
Mit 80 000 Mark JahresgageI 
Der Gast: Und Frau Minna? 
Herr Häberle: Aber schaun’s, Euer Gnaden, die Minna habe ich 
doch längst nicht mehr! Glauben’s, ich weiss nicht, was ich meinen 
Gäsien schuldig bin? Die habe ich doch natürlich gekündigt, als ich 
die kleine Fremdenpension aufgab. Aber das versteht sich doch von 
selbst, Herr Baron, das versieht sich doch ganz von selbst! 
Der dumme Kerl. 
Der Arbeiter (zur Wirtin eines „Hotel garni“ in der Friedrichslrasse); 
Ich möchte Herrn Rentier Meermann sprechen. 
Die Wirtin (mustert ihn misstrauisch von oben bis unten): Was 
wollen Sie von Herrn Meermann? 
Der Arbeiter: Eigentlich geht Sie das nichts an, Madame. Aber 
ich kann es Ihnen auch sagen. Es handelt sich um eine Welte. 
Die Wirtin: Eine Wette? 
Der Arbeiter: Ja, oder so was ähnliches. Eine ulkige Geschichte. 
Die Wirtin: Sie machen einen ja neugierig. 
Der Arbeiter: Ja, sehen Sie, Madame, die Sache ist nämlich die : 
Ich war vor fünf Jahren Dreher bei Herrn Meermann, als er noch seine 
Fabrik hatte. Ich verdiente da ein schönes Stück Geld. Aber ich 
brachte alles durch. Am Mittwoch hatte ich regelmässig keinen Pfennig 
mehr in der Tasche. Und jeden Donnerstag kam ich zu Herrn Meermaun 
und verlangte Vorschuss. 
Die Wirtin; Was hat denn das mit der Wette zu tun? 
Der Arbeiter: Warten Sie es doch ab, es kommt gleich. Also 
jeden Donnerstag zahlte mir Herr Meermann meinen Vorschuss aus 
und sagte: „Rabe“, sagte er — ich heisse nämlich Rabe — „Sie sind 
ein dummer Kerl! Sie sterben sicher noch mal Hungers mit Ihrem 
Leichtsinn! Denken Sie doch um des Himmels willen daran, dass auch 
schlechte Zeiten kommen, Arbeitslosigkeit, Krankheit und dergleichen. 
Spare in der Zeit, so hast Du in der Not.“ 
Die Wirtin: Da hatte Herr Meermann ganz recht. 
Der Arbeiter: Gewiss doch, Madame! Aber wer kann für seine 
Natur? Ich kriege es einfach uicht fertig, zu sparen. Eines Tages 
teilt uns nun also Herr Meermann mit, dass er seine Fabrik aufgeben 
und privatisieren wolle. Und mir schlägt er auf die Schulter und sagt: 
„Rabe“, sagt er — ich heisse nämlich Rabe — „ich wette mit Ihnen, 
dass Sie bald auf dem Stroh endigen, Sie dummer Keil “ Topp! rufe 
ich, die Wette gilt; um was wetten wir? Da sagt Herr Meermann: 
„Wir wetten folgendermasscn: Sie kommen alle Vierteljahr zu mii 
und beweisen mir dadurch, dass Sie noch leben. Ich zahle Ihnen dann 
jedesmal 10 Mark. Wenn Sie noch lange leben, habe ich die Wette 
verloren, dann muss ich Ihnen das Geld Jahrzehnte lang zahlen. Sterben 
Sie bald, dann habe ich die Wette gewonnen und spare mein Geld.“ 
Die Wirtin: Das war für Sie eine sehr vorteilhafte Wette! 
Der Arbeiter: Und ob! Na, so bin ich denn alle Vierteljahr zu 
Herrn Meermann gekommen und habe mir mein Geld geholt. Erst
        
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