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Full text: Berliner Leben Issue 22.1919

Automobilvertrieb A. Neumeyer & Co. 
AUSSTELLUNG 
BERLIN - CHARLOTTEN BURG D. 
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Wiener Schloss-Restaurant 
Inh.: Adolf Steinmetz 
langjähriger Küchenmeister des Hotel Esplanade 
Dorotheen-Strasse 77-78 
irgend weichen Essenzen geschickt zusammengebraut hatte. Wir kamen 
schnell in Sylvosterstimmung und übetscbrieen einander. Als es aber 
zwölf schlug, wurde es mänschensti i. Jeder empfand unwillkürlich die 
Feierlichkeit eines Jahreswechsels in solcher Zeit. Unter allgemeinem 
Schweigen erhob sich Papa, blickte starr auf sein Glas und sagte ganz 
leise; „Dem Kaiser!“ Wir waren alle ergtiffen, obwohl wir noch vor 
einer Stunde über die Flucht der Hohenzollern raisonniett halten. Nur 
Sascha Wisocky verzog den Mund und zischelte „ausgerechnet!' 1 Dann 
erhob Onkel Max sein Glas und sagte: „Andächtige Gemeinde! Am 
Sarge des soeben unsanft entschlafenen Jahres erfasst uns alle ein Ge 
fühl der Bewunderung für die Stärke der menschlichen Natur, d'e ein 
solches Jahr lebend zu überwinden vermocht hat. Eine Menschheit, die 
aus solchem Jahre aufrecht hervorgegangen ist, der vermag kein Tod 
und kein Teufel etwas anzuhaben. Deshalb rufe ich der verehrten Trauer 
gemeinde zu; „Das mue Jahr u ag uns bringen was es will, es möge in 
Satans Namen kommen. Das alte hat sich die Zähne an uns ausgebissen, 
dem neuen soll es ebenso ergehen, ln diesem Sinne bringen wir ihm 
ein donnerndes Pereat! -1 
Heut früh erwachte ich von lautem Hörnerklang, der aus dem Hofe 
zu uns heraufscholl. Drei Bläser in feldgrau weihten mit wenig Kunst 
aber viel gutem Willen das neue Jahr durch ein paar Choräle ein. Der 
eine hatte ein Holzbein, ein anderer nur einen Arm. Papa blickte aus 
dem Fenster und murmelte: „Unsere Tapferen als Uettler.** Er ging 
hinunter, unterhielt sich lange mit den Dreien und bat sie zu uns in die 
Wohnung. Dort mussten sie sich mit ihien schmutzigen Stiefeln an 
den Tisch — im Esszimmer, nicht in der Küche! — setzen, bekamen jeder 
eine Flasche Wein und zum Abschied pro Mann 10 Matk. „Für die 
Zeitversäumtiis,“ sagte Papa. Geschmacklos! 
5. Januar. Ich bin ausser mir. Dass mir so etwas passieren 
konnte! Gehe ich beute Vormittag ganz harmlos die Potsdamer Strasse 
hinunter, um für Mama eine Pule and ein paar Leckereien bei van Deinen 
zu kaufen, da g- rate ich an der Lützow Strasse unversehens in einen 
Menschenauflauf hinein. Ein Volksredncr wirft von einem Stuhl aus 
Brandreden in die Menge. Mau sieht solche Agitatoren ja jetzt an jeder 
Slrassenecke. Ich kann weder vorwärts Hoch rückwärts, werde all 
mählich immer näher an den Redner gedrängt und höre; „Nieder mit 
dem Kapital! Tod den Blutsaugern!“ Plötzlich denke ich: Die heisere 
Stimme kennst Du doch? Und wie ich genau hinsehe, wer ist der 
Mann? Niemand anders als der Schuster, der Sohn unsers Portiers und 
frühere Schatz unserer Bertha. Und hinter ihm steht ein Kamerad, der 
das bewusste Maschinengewehr für fünf Mark an der Leine hat wie 
einen jungen Hund. „Nieder mit den Wucherern, die sich bereichert 
haben, während wir im Schützengraben lagen!“ schrie der Schuster. 
„Gemästet hat sich das Pack, während wir unser Blut in Strömen ver 
gossen haben!“ Ich war empört, denn in Wirklichkeit ist der Kerl nie 
über die Etappe hinausgekommen. Und da ich nun bis vor seinen 
Stuhl gedrängt war, schrie ich ihn an: „Wo haben Sie denn geblutet, 
Mensch? Es ist ja alles Schwindel, was Sie sagen?“ Ich konnte beim 
besten Willen nicht an mich hallen. Er antwortete natürlich, und zwar 
grob, ich schrie hinauf, er herunter, bis plötzlich eine Stimme hinter 
mir sagte: „Es ist gut, meine Herrschaften. Die Aufnahme ist glänzend 
gelungen. Ich danke Ihnen, mein Fräulein.“ Ich war starr. Die ganze 
Volksversammlung war nur eine Komödie gewesen; für einen Messtcr- 
Film arrangiert. Und ich bin auf dem Film und werde nächstens in 
den U. T.-Lichtspielen öffentlich heruntergekurbelt! Wenn das Papa 
erfährt! Ich könnte vor Scham in die Erde sinken. 
11. Januar. Ein paar aufregende Tage liegen hinter uns. Die Spartakus- 
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