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Full text: Berliner Leben Issue 22.1919

Der Raubmord im Hotel Adlon. 
Kaschemmen-Fritze und Knacker-Louis begegnen sich in der 
Gormannstrasse. 
Fritze; .Tag Louis! Schlechte Zeiten, was?“ 
Louis: .Aber woso denn? Kann ick nich finden.“ 
Fritze: .Na die Konkurrenz! Wohin dass de siehst, lauter Sparta 
kusse. Nehmen alles mit offene Jewalt. Und wenn denn unser eener 
kommt, is es zu spät. Aliens lange ausjeraubt. Janz jemeiner unlauter 
Wettbeweib! Wat een ehrlicher Einbrecher is, kann heute betteln jehn.“ 
Louis: „Sei doch nich komisch, Fritze! Een kesser Junge fiudt noch 
immer sein Auskommen. Nur helle musste sind. Jehts nich mit die 
alte Methode, denn musste nach die neue arbeeten. üralernen musste! 
So wie ick dat mache. Ick studiere jelz.“ 
Fritze: .Du studierst? Junge, Junge! Wat studierst de denn?“ 
Louis: „Neue Methoden studiere ick. Is ja so einfach! Dat janze 
Studium dauert eene knappe Stunde und kost’ 60 Fennig.“ 
Fritze; „Quetsch dir deutlich aus. Am Ende können wir beede in 
phot, Berl. Illustr. Ges. Berlin 
Emilie Unda 
(früher Lessing-Theater, Berlin) 
als Marie Antoinette in „Madame Legros“. 
Kompanie studieren?“ 
Louis: „Abernatierluh. Siehste Fritze, hier s ; nd meine Lehrbücher: 
6 Zeitungen ä een Jr oschen. Del is allens. Del hast doch von den 
Raubmord bei Adlon jelesen?“ 
Fritze: „Wo eener den Jeldbriefträger Lange jemurksl hat?“ 
Louis: „Stimmt. Det hat den Mann über B0000 Märker injebracht. 
Hochintellijente Sache. 
Fritze: „Un ob. In'n „jelben Kater“ haben wir uns jestern die 
halbe Nacht den Kopp zerbrochen, wie der Mann det Ding jedreht hat.“ 
Louis; „Schafsneesen Ihr! Den Kopp zerbrochenI Wissenschaftlich 
muss so wat betrieben werden. Setzt euch uf de Hoseu und studiert 
So habe ick det jemacht. Jelz bin ick fertig mit meeu Kursus und 
phot. Zander & Labisch, Berlin 
Pia von Moosburg 
in „Die Geisha“. Wallner-Theater. 
kann die Sache aus dem ff.“ 
Fritze: „Un alles aus de Zeitungen?“ 
Louis: „Aber natierlich! Lehrbücher sind det — wundervoll! 
Allens kannste dadraus lernen. Wie man so’n Postonkel sicher macht, 
wie man den Jrafen markiert, den Tatort ausbaldowert, die Sache vor 
bereitet und denn det Ding fingert — allens kannste lernen uff die 
Hochschule. Ick habe in die letzten zwee Stunden mehr profitiert wie 
in meene janze frieherc Laufbahn. Die Presse soll leben!“ 
Fritze: „Du, also abjekartet, wir machen in Kompanie." 
Louis: „Aber erst jefälligst studieren! Hier haste de Lehrbücher. 
Heute Abend in’n „jelben Kater“ wer ick dir puffen. Haste nn noch 
Angst vor die Konkurrenz von die Spartakisten?“ 
Fritze: „Ne, Louis. So lange de Presse vor uns sorjt . . Det heesst, 
eenen schlimmen Feind haste verjessen.“ 
Louis: „Wen denn?“ 
Fritz: „Den Papiermangel. Wie denn, wenn det „Tageblatt* nich 
mehr dreimal zwee Spalten for so’n Fall übrig hat? Denn sind wir 
uffgeschmissen . . . .“ 
Louis: „Vaflucht und zujenähtl“ 
Rosa Sucher als „Walküre“. 
Die Künstlerin, die z. Zt. auf dem „Weissen Hirsch“ 
bei Dresden lebt, wird am 23. Februar 70 Jahre alt.
        
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