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Full text: Berliner Leben Issue 22.1919

Die kleine Ledertasche, die wohl die not 
wendigsten Reiseutensilien barg, hatte sie neben 
sich. 
Als der Zug abging, machte sich die junge 
Dame daran, die Tasche in das Gepäcknetz 
zu legen. 
Galant kam ihr der junge Mann zuvor, 
nahm ihr die Tasche ab und beförderte sie in 
das Netz. 
Die junge Dame dankte. Eine zarte, wohl 
tönende Stimme. 
Hafke stellte sich vor, denn das leicht ent 
zündliche Herz des Zweiundzwanzigjährigen hatte 
Feuer gefangen. 
Auch sie nannte ihren Namen. Baronin 
Hellinghaus. 
Hafke war entzückt. Sich mit einer richtigen 
Baronin zu unterhalten, war ihm noch nie be- 
schieden gewesen, so etwas hatte er in den 
Berliner Bars nicht kennen gelernt. 
Mau kam ins Gespräch, und die Baronin 
erzählte, dass sie zum Besuch der in Cöln 
wohnenden Schwester ihres verstorbenen Mannes 
fahre. 
Des jungen Mannes Herz hüpfte vor Freude, 
xklso eine junge Witwe! Das machte die Be 
kanntschaft ja noch viel interessanter. 
Er legte sich stark ins Zeug und entwickelte 
seine ganze, nicht unbeträchtliche Unterhaltungs 
gabe und Liebenswürdigkeit, sodass die Baronin 
aus ihrer Zurückhaltung immer mehr herausging. 
Und so geschah es, dass sie um die zwölfte Stunde ihr 
Mittagsmahl gemeinsam im Speisewagen einnahmen, 
wobei es die junge Frau ihrem Kavalier huldvollst 
erlaubte, ihr ein Glas Sekt zu kredenzen. Ja, sie nahm 
es nicht übel auf, als er diese Aufmerksamkeit öfter 
wiederholte, sodass aus dem einen Glase schliesslich ein 
halbes Dutzend wurden. Uebrigens schien sie an den 
edlen Wein aus der Chamgagne gewöhnt zu sein, denn 
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die sechs Glas Sekt übten nicht den geringsten alkoholi 
schen Einfluss auf sie aus. Ihre zarten Wangen wurden 
nicht röter, ihre schönen, dunkelblauen Augen leuchteten 
nicht feuriger. 
Walter Hafke wunderte sich nicht weiter darüber. 
»Je nun,“ sagte er sich, „eine Baronin, und eine so reiche, 
wie es nach ihrer gewählten Kleidung und ihrem noblen 
Auftreten anzunehmen ist, — solch eine verwöhnte Dame 
trinkt eben Champagner, wie andere Leute Wasser.“ 
Ohne Verspätung lief der Zug in Cöln ein. Noch 
einige Minuten und die interessante Fahrt und mit ihr 
die angenehme Bekanntschaft hatte ihr Ende erreicht. 
Es war eigentlich ein Jammer, dass er sich von der 
schönen Frau, mit der es sich so gut plaudern Hess, 
sang- und klanglos trennen sollte. Sie fesselte ihn un- 
gemein und war am Ende nicht so ganz unzugänglich. 
Vielleicht, dass ihm doch noch ein kleines Abenteuer blühte. 
Es war noch früh am Tage, und es kam ja nicht darauf 
an, dass er den Agenten des Vaters eine Stunde später 
besuchte, um ihm den Brillantring zu übergeben, der an 
seinem Finger so verführerisch leuchtete, ohne dass er 
die Beachtung seiner Reisegefährtin gefunden hätte. 
Brillanten schienen ihr nicht zu imponieren, wahrscheinlich 
besass sie selbst genug davon. 
Unternehmend strich er seinen kleinen Schnurrbart. 
.Gnädige Frau, ich möchte mir erlauben, Ihnen einen 
Vorschlag zu machen.“ 
„Bitte!“ Es klang sehr kühl, aber ihre 
kosenden Augen straften ihren Ton Lügen. 
Daraufhin fühlte er einen grossen Mut in 
sich aufsteigen. „Nämlich, gnädige Frau, ich 
möchte Ihnen den Vorschlag machen, ehe unsere 
Wege sich trennen, bei einem Glase edlen 
Drachenbluts auf eine freundliche Zukunft, viel 
leicht auf ein fröhliches Wiedersehen anzustossen.“ 
Prüfend, wenn auch nicht überrascht, sah sie 
ihn an. „Es ist recht ungewöhnlich, mein Herr, 
was Sie mir Vorschlägen. Was werden Sie von 
mir denken, wenn ich Ihr Anerbieten annehme!“ 
Walter Hafke beeilte sich zu versichern, 
dass er selbstverständlich nur das Beste von ihr 
dächte und auch stets denken würde. 
Diese Versicherung schien die Baronin zu 
beruhigen. „Nun wohl, Herr Hafke, ich bin 
einverstanden. 
sowieso erst mit dem Abendzuge 
W alter Hafke empfand eine ungemessene 
Freude. Er war stolz auf seine Ueberredungs- 
kunst und auf den blendenden Elindruck, den 
er auf die Baronin unleugbar gemacht haben 
musste. Denn sonst würde eine Dame ihres 
Standes sich kaum bereit finden lassen, mit ihm 
allein ein Gasthaus zu besuchen. 
Walter war in Cöln nicht unbekannt. Er 
winkte ein Auto heran und nannte die Adresse 
einer stillen, gemütlichen Weinstube. 
Zehn Minuten später sassen sie in einem 
kleinen, behaglichen Einzelzimmer und tranken 
programmgemäss Drachenblut. Angeregt plauderten sie, 
doch so oft Walter einen Anlauf nahm, dem Gespräch 
eine zärtlichere Wendung zu geben — stets wusste die 
Baronin geschickt auszuweichen. „Eine tadellose Frau! 
Aristokratin blauesten Blutes!“ stellte Walter fest, ohne 
die Hoffnung aufzugeben, es wenigstens zu einem Kusse 
zu bringen, und wenn es schliesslich auch nur ein Hand 
kuss war. 
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