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Full text: Berliner Leben Issue 22.1919

Heimat und Beruf habe ich verloren. Alles das musst 
Du mir ersetzen. Lass uns flüchten, weit, weit fort von 
hier, ein neues Leben und das Glück warten auf uns. 
Triff deine Vorbereitungen in aller Eile und Heimlichkeit, 
und folge mir.“ 
Bei den ersten Worten schillerte es eigenartig, froh 
lockend und triumphierend in Ernas Augen auf. Die 
letzten Worte aber Hessen dieses Aufglühen in jähem 
Schrecken erlöschen. Hastig löste sie sich aus seiner 
Umarmung und sprach ausweichend: „Nicht heute, Eugen, 
bitte, es ist so schnell gekommen, morgen wollen wir 
das überdenken. Ich muss wieder zurück, hier sind wir 
nicht sicher. Es könnte jemand kommen.“ 
„Was schadet das? Das Schicksal hat uns zusammen 
geführt, nichts kann uns mehr trennen. Wir gehören 
einander, und die Zukunft gehört uns.“ 
Wieder erschauerte Erna Askoldi. Es lag etwas 
Hartes, Entschiedenes in Eugen Solenders Stimme, das 
ihr Furcht, fast Grauen einflösste. 
Mit der Ahnung, dass sie diesesmal zu weit gegangen 
sei, und mit dem sehnlichsten Wunsche, diese Episode 
aus ihrem Leben möglichst rasch und unauffällig zu tilgen, 
verabredete sie mit Eugen für den anderen Tag eine 
Schlittenfahrt. Er sollte sie vor der Stadt in der Nähe 
des Brauhauses erwarten. Dann glitt sie lautlos durch den 
Park dahin. Einen Augenblick noch sah Eugen das mit 
Schneekristallen überdeckte Silberiuchsbarett, dann war 
Erna in der Nacht verschwunden. 
Eugen Solender hatte einen zweisitzigen Schlitten 
gemietet, mit zwei feurigen Rappen bespannt, und wartete 
an der bezeichneten Stelle. Seine Ungeduld schien sich 
den Tieren mitgeteilt zu haben, denn kaum konnte er sie 
zügeln. Da erschien eilig eine Gestalt, und Eugen atmete 
auf. Er hatte den Silberfuchs erkannt. Erna sah freilich 
nicht so frisch aus wie sonst, doch er sah das nicht. Sie 
nahm neben ihm Platz, sorgsam hüllte er sie in warme 
Decken ein, und dann stoben die Rappen dahin. 
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Kurze Zeit überlie'ssen sich beide dem Genüsse dieser 
Fahrt. Von der Landstrasse bog Eugen gegen den Wald 
hin ab, und bald fuhren sie hart am Ufer eines zugefrorenen, 
stillen und einsamen Waldsees. 
„Erna“, sprach Eugen endlich, „es ist höchste Zeit. 
Heute Nacht noch müssen wir fort. Ich habe alles überlegt. 
Ich warte mit dem Schlitten an derselben Stelle auf Dich. 
Gegen zehn Uhr musst du kommen, in einer Stunde sind 
wir in M . , wo wir den D-Zug erreichen, und morgen 
gegen Abend sind wir schon auf hoher See.“ 
Er hatte mit den Pferden zu tun, so sah er nicht, wie 
sich Ernas Züge in tötlichem Schrecken verfärbten. 
„Aber Liebster,“ bat sie, „so schnell, ich bin ganz 
wirr im Kopfe.“ 
„Erna, ich habe um Deinetwillen alle Brücken hinter 
mir abgebrochen, wir wollen, wir müssen einen neuen 
Weg Zusammengehen!“ 
„Eugen, so ins Ungewisse willst du mich führen? 
Plab’ Erbarmen, ich fürchte mich!“ 
Er wandte ihr den Blick zu, und nun sah er in ihren 
Augen keinen Funken von Liebe und freudiger Gewährung, 
nur feige, erbärmliche Angst. Ein furchtbare Ahnung 
dämmerte ihm auf. War mit seinen heiligsten Gefühlen 
ein Spiel getrieben worden? Hatte das Weib seine dämo 
nische Gewalt missbraucht? Jetzt erst wurde ihm klar, 
was er getan. Wofür hatte er sein Leben und seine 
Ehre geopfert? 
Eine leise, erschreckte Stimme neben ihm bat: „Eugen, 
kehren wir um!“ 
„Ja, kehren wir um!“ rief er mit unheimlicher, fast 
greller Stimme. Auf dem schmalen Wege wollte er 
wenden, da krachte in kurzer Entfernung im Walde ein 
Schuss. Eine Sekunde stutzten die Rappen, dann bäumten 
sie sich wild auf, und bevor sie Eugen zurückzureissen 
vermochte, stürmten sie den kleinen Abhang hinunter 
und rasten auf der Eisfläsche des Sees dahin. Einen 
wahnsinnigen Schrei hatte Erna ausgestossen, dann ver 
gingen ihr die Sinne. 
Eugen Solender bekam die Pferde nicht mehr in 
seine Gewalt. Plötzlich ein Brechen, Splittern und 
Krachen; das Eis trug diese Last nicht. Mit letzter 
Kraft suchte Eugen die Rappen zurückzureissen — es 
war zu spät. Die schwache Decke ringsum war geborsten, 
und in den Wassern des stillen, dunklen Waldsees, der 
mit gierigen Armen nach seinen Opfern langte, versanken 
die beiden Menschen mit Ross und Schlitten. Zwei furcht 
bare Schreie klangen durch den Wald, die Todesschreie 
der Pferde, dann wurde es totenstill. Als zwei Minuten 
später Jäger zum Ufer eilten, sahen sie nur mehr die 
zersplitterte, gähnende Oeffnung, gleich einem dunklen 
Grabe auf dem Eise .... Wolfgang Kemter. 
Der Zettelkönig. 
Ein beinahe wahres Märchen. 
Es war einmal ein König, der hatte viele Feinde rund um sein Land 
herum. Die Herrscher der Nachbarländer glaubten nämlich, er sei 
kriegerisch und beabsichtige einen Einfall in ihr Gebiet. Er war aber 
— Die grosse Kanone : 
Guflav Bemmchen 
Rubins, Thea Barnow, Willi Fernau, 
Irene Schachmeister, Alexandroff Perrotti 
— Ada Sorel 
Am Flügel: Willy Rösch 
Konzert-Kapelle Brachfeld 
Erstklassige Küche und Weine. 
Eröffnung 
7 Uhr 
* 
m.
        
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