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Full text: Berliner Leben Issue 22.1919

Erna dankte, blitzschnell hoben sich ihre Lider, und 
Eugen begegnete einem der heissen Flammenblicke aus 
den grauen Augen. 
„Ich habe nur zwanzig Schritte bis zu meiner Wohnung. 
Auf Wiedersehen morgen Abend beim Geheimrat 
Burckner.* 
Eugen verbeugte sich, Erna zog ihre Hand aus dem 
Silberfuchsmufi und reichte sie ihm. Schwer und kalt 
lag sie in der des jungen Mannes. Plötzlich aber ver 
spürte er einen leisen, schnellen Druck. Noch einmal 
glühte es in den schillernden Sternen auf, dann schloss 
sich die Tür einer benachbarten Villa hinter der schlanken, 
zierlichen Gestalt. 
Für Sekunden blieb Eugen Seiender wie gebannt auf 
derselben Stelle stehen und starrte die Tür an, hinter der 
Erna Askoldi verschwunden war; dann ging er langsam 
die Strasse hinauf. 
Die ganze Stadt, oder wenigstens der männliche Teil 
der Bewohner, war sich darüber einig, dass ein dämonischer 
Zauber von Erna Askoldi ausging. Gleichviel, ob ihre 
Augen hochmütig und teilnahmslos an einem Manne vor 
überglitten, dabei aber doch für Sekunden messerscharf 
den scheinbar Uebersehenen trafen oder ob ihr voller 
Blick ihn heiss und grell anstrahlte, immer hielt das 
zierliche Persönchen die Anwesenden in ihrem Bann. 
Die ungeschriebene Chronik der Stadt wusste manches 
heikle Kapitel zu berichten. Unerwartete, überstürzte 
Abreisen, Versetzungen, Ehescheidungen, ja selbst ein 
unerklärlicher Selbstmord wurden Erna Askoldi zu 
geschrieben. 
Versengende Funken schienen dem Mann aus dieser 
schlanken, fast zerbrechlichen Figur zu sprühen, wenn 
ihn bei flüchtiger Berührung eines ihrer Feuerhaare be 
rührte, oder wenn ihre Hand, die zuerst kalt, wie leblos 
in der anderen lag, plötzlich in leisem Druck tausend 
Flammen übertrug und in lichterlohen Brand versetzte, 
was zuvor kaum glühte. 
Auch Eugen Solender war wie elektrisiert. Er kannte 
sich kaum selbst mehr, so hatten ihn die letzten Stunden 
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verwandelt. Wie im Traum verging ihm dieser und der 
nächste Tag, und kaum konnte er den Abend erwarten. 
Die Einladung vom Geheimrat war pünktlich mit der 
Frühpost eingetrofien, und als einer der ersten betrat er 
den Salon, wo das geheimrätliche Paar die Gäste empfing. 
Herzlich wurde er willkommen geheissen und den bereits 
Anwesenden vorgestellt. 
Eugen Solender wechselte mit diesen ihm fremden 
Menschen die üblichen Worte, er erhielt und gab Aus 
kunft auf höfliche Fragen, aber recht bei der Sache war 
er nicht. Fast ungeduldig flog sein Blick immer wieder 
zum Eingang hinüber, und seine Nerven waren in höchster 
Spannung, die erst nachliess, als Erna Askoldi am Arme 
eines älteren Herrn, offenbar ihres Gatten, erschien. 
So rasch als er es, ohne aufzufallen, bewerkstelligen 
konnte, machte er sich los. Einen Augenblick später 
reichten sie sich die Hände und trafen sich wieder ihre 
Blicke. Nicht flüchtig diesmal, sondern lang und tief. Das 
Essen wurde Eugen zur Qual, denn er war weit von 
Erna Askoldi entfernt. Dann aber kam der Tanz, den 
man der Jugend trotz des Ernstes der Zeit bewilligt hatte. 
Und nun hielt er die zierliche Gestalt in seinen Armen 
und flog über das Parkett. Es war kein Tanzen, es war 
ein fast wesenloses Schweben und Gleiten in unbekannte 
Fernen. Und es sprangen nicht nur mehr Funken über, 
als sich Ernas Körper erschauernd an den seinen 
schmiegte, sondern ein ganzer Glutstrom schien auf ihn 
überzufliessen. Vor seinen Augen verschwammen der 
lichterglänzende Saal und die Menschen, er sah nur Erna 
Askoldi und ihre heissen Blicke und fühlte ihre Nähe. 
Die Leidenschaft hatte ihn wie ein Orkan erfasst, und 
willenlos beugte er sich dieser Elementargewalt. 
„Wie schade, dass Sie morgen schon abreisen müssen,“ 
klang eine leise, süsse Stimme an sein Ohr, und das Blut 
rauschte und brauste durch seine Adern und dröhnte in 
den Schläfen. 
„Schade? Tut es Ihnen leid?“ fragte er mit vor 
Erregung bebender Stimme. 
Erna Askoldi antwortete nur mit einem ihrer Blicke, 
tief und lang. 
„Vielleicht kann ich meinen Urlaub um ein paar Tage 
verlängern. Es war mein erster seit 18 Monaten. Wo 
treffen wir uns morgen?“ 
„Gegen sechs Uhr im Stadtpark,“ lautete die hin 
gehauchte Antwort. 
Wie ein seliger Rausch überkam es Eugen Solender. 
Keinen Tanz Hess er aus, der Reihe nach holte er die 
jungen Damen, sah aber immer nur Ernas kapriziöses, 
schmales Gesichtchen vor sich. Wie der Abend verging, 
konnte er kaum sagen. Immer neuen Menschen wurde 
er von Frau Reinahrt vorgestellt, die vor seinem Geiste 
auftauchten und wieder wie in einer Versenkung ver 
schwanden. Er lachte und scherzte und wusste wenig 
später nichts mehr davon. Keiner der zahllosen Ein 
drücke blieb haften, spurlos schwanden sie aus seiner 
Erinnerung; doch hatte er sich in sicherer Gewalt, so- 
dass niemand merkte, wo seine Gedanken und wie ferne 
sie dem waren, was er in höflicher Gleichgültigkeit sprach. 
Das erste am nächsten Morgen war ein Telegramm 
an sein Regimentskommando um kurze Verlängerung des 
Urlaubes. Zwei Stunden später wurde ihm die Antwort 
depesche mit abschlägigem Bescheid überreicht. Gerade 
hätte er noch Zeit gehabt, den halb elf Uhr Schnellzug 
zu erreichen, um rechtzeitig einzutreffen. 
Und nun versank um Eugen Solender alles, Ver 
gangenheit und Zukunft, Beruf und Ehre, alles verschwamm 
in nebelumflorten Weiten. Er war nicht mehr Herr 
seiner selbst und Erna Askoldi sein Schicksal geworden. 
Er gab sich keine Rechenschaft über sein Tun und Lassen. 
Willenlos gehorchte er einem geheimnisvollen Impulse 
und — — fuhr nicht ab. 
Als das frühe Dunkel des Winterabends sich leise 
über die Landschaft legte, hielt er, gerade zu der Stunde, 
in der er seinem Oberst die Meldung von seiner Rück 
kehr hätte erstatten sollen, in einem abgelegenen Teile 
des tiefverschneiten, menschenleeren Stadtparkes Erna 
Askoldi in seinen Armen und bedeckte das von der 
Winterkälte gerötete Gesichtchen mit heissen, wilden 
Küssen. 
„Erna, seit dieser Stunde bin ich ein Fahnenflüchtiger. 
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