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Full text: Berliner Leben Issue 21.1918

Da kam das kalte Bewusstsein des 
vollkommenen Sieges über sie. Sie drückte 
rasch die elektrische Klingel. 
Er sprang auf. Mit fahlem Gesicht 
blickte er sie an. 
„Was wollen. Sie tun?“ 
„Sie werden ja sehen,“ erwiderte sie mit 
eisiger Kälte. Die Stewardesse trat ein. 
„Ich möchte dringend den Herrn Kapi 
tän sprechen.“ 
Er lächelte verloren. Sie wollte sich 
selbst darüber hinwegtäuschen, als sie sagte: 
„Ich werde es Ihnen unmöglich machen, 
künftighin eine Dame ohne männlichen 
Schutz zu beleidigen.“ 
Sie überdachte nicht das Mass ihrer 
Schuld. Er übersah besser als sie die Folgen 
ihres Entschlusses. In bebenden Worten 
bat er sie, den Kapitän nicht einzuweihen. 
Es war zu spät Der erste Beamte des 
Schiffes trat ein, hinter ihm schloss die 
schweigende Stewardesse die Türe. 
Sie brauchte nicht viel zu sagen. Der Kapitän, ein 
Weltmann, erriet alles. Auf eine Handbewegung hin 
verliess Dr. Theben die Kabine. Der Kapitän bat sie 
mit höilichen Worten um Entschuldigung, dass dies auf 
der Sidney hatte geschehen können. Er versprach ihr 
volle Genugtuung, verneigte sich und Hess sie allein. 
Im nächsten Hafen, den sie anliefen, wurde Dr. Theben 
ausgeschifft. Er war entlassen. Sie erhielt noch einen 
Brief von ihm. 
,,.... Aber Sie werden nicht triumphieren. Ich 
werde mich rächen. Ich schwöre es Ihnen bei dem ab 
grundtiefen Hass, den ich jetzt für Sie empfinde . . . .“ 
Sie zerriss das Papier in hundert kleine Fetzen und 
Hess sie auf den blauen Wogen des Ozeans tanzen. 
Lächerlich, dachte sie. 
Sie gab sich Mühe, das Ereignis zu vergessen. Es 
gelang ihr nicht. In Kalkutta erzählte man sich, dass er 
sich erschossen hätte. Seitdem verfolgte sie das unheim 
liche Gefühl der Erwartung, bis sie eines Tages 
Im Hotel in Algier war es. Sie ging spät abends 
die Treppe empor. Es war kein Mensch vor ihr, 
Niemand hinter ihr. Aber plötzlich hatte sie das Ge 
fühl, dass Jemand lautlos hinter ihr die Treppe empor 
steige. Sie wagte nicht, sich umzusehen. Da fühlte sie 
einen warmen Atem an ihiem Ohr. Ein Schauer durch 
rieselte sie. Sie hörte ganz deutlich .... Sie werden 
nicht triumphieren . . . .“ 
Mit einem Schrei erreichte sie ihr Zimmer und sank 
in Ohnmacht. Das zweite Mal sah sie ihn deutlich. In 
Luzern. Sie sass vor dem „Schweizer Hof“. Weich 
schmeichelten sich die Klänge der Kapelle in die Sinne. 
Ein paar gute Freunde tranken mit ihr Tee. Ein Stuhl 
stand leer .... 
Plötzlich sass er auf diesem Sessel. Sie sah ihn so 
natürlich, dass von einem Irrtum keine Rede sein konnte. 
Ihr Atem stockte. Er lächelte sie an und nickte. Dann 
stand er langsam auf und ging, neuen Gästen ausweichend, 
durch den Garten. 
Schönheitspuder 
Cremes 
SfViaÄect 
'Jei/cfien 
Wie lange die Erscheinung gedauert, konnte sie nicht 
sagen. Aber noch lange blieben ihr die bestürzten 
Mienen ihrer F'reunde in Erinnerung 
In dieser Nacht war er zum drittenmal gekommen . . . 
„Nun, gnädige Frau — so in Gedanken?“ 
Es war die angenehme Stimme des Barons. Er nahm 
neben ihr Platz. Seine klugen Augen ruhten forschend 
auf ihren Zügen, in denen noch die Schatten der düsteren 
Erinnerungen lagen. Sie konnte sich nicht schnell ge 
nug fassen, auf seine Frage eine landläufige Antwort zu 
finden. Und als er seine Hand auf die ihre legte und 
so begütigend, so ruhig voll Innigkeit auf sie einsprach, 
da erzählte sie ihm — alles. 
rledermans 
! I 14 Unter den Linden 14 
Anni Dotza 
Hans Ellfot — Elvira Largeth 
ErwlnvanRoy — Frl. Farfalla 
W. E. Roesch 
KONZERT; Kapelle Brachfeld 
Täglich Anfang 
7 Uhr 
Und sie wurde wirklich seine Frau. 
Spät am Abend öffnete sie noch die 
Jalousie ihres Zimmers. Sie trat auf den 
Balkon hinaus und blickte in den Park 
hinab. Die strotzenden Kastanien hatten 
ihre glühendsten Liebdskerzen aufgesteckt. 
Ueber ihren Wipfeln summte der Wind. 
Blütendüfte küssten die Wangen der jungen 
Frau. 
Sehnsuchtsvoll und glücklich hob sie 
die Arme zum Himmel empor, der sich in 
wunderbarer Ruhe und Harmonie über dem 
Garten wölbte. 
Leise trat sie ins Zimmer zurück. Der 
Mond zeichnete ein geheimnisvolles Or 
nament auf den Teppich. 
Da ging die Türe. Sie lächelte, ohne 
aufzublicken. Die Lippen zärtlich geöffnet, 
wartete sie. Aber sie hörte keinen Schritt. 
Als sie aufblickte, stand er vor ihr. 
Der Schatten. 
Er kam so nahe an sie heran, dass sie laut aufschrie. 
Er hatte die Arme über der Biust gekreuzt und sah sie 
unbarmherzig mit seinem Totenlächeln an. Aber dies 
mal gab ihr die Nähe des Gatten Sicherheit. Der Hass 
sprang in ihr auf. Ihre Hand suchte die Waffe in dem 
kleinen Empireschreibtisch. Mit einem wilden Lachen 
schlug sie an und drückte los. — — 
Sie wusste nur noch, dass viele Menschen um sie 
herumstanden. Auf dem Teppich lag die Leiche ihres 
Gatten. Und der letzte klare Gedanke, den sie fassen 
konnte, war: Er ist auf meinen Schrei hineingetteten, 
und ich habe ihn getroffen, während der Andere .... 
Doch bei diesem Gedanken verwirrte sich wieder ihr 
Bewusstsein, und sie hat nie mehr ihre klare Besinnung 
wieder erlangt. 
Warum? 
Von Christa Hoch. 
(Nachdruck verboten.) 
Hinter dem Arzt schliesst sich die Tür. Die schlanke 
Frau bricht neben ihrem Stuhl in die Knie. 
„Heilige Mutter Gottes, du willst ihn mir nehmen! 
So mach mich stark, nur noch für diese letzte, kurze 
Zeit!“ LIeftig falten sich ihre Hände, die Lippen be 
wegen sich, ein Laut ist nicht zu hören. 
Da klingt aus dem Nebengemach seine Stimme: 
„Magdalena!“ 
Sie springt auf und stürzt zur Tür. Als sie in das 
Krankenzimmer tritt, haben ihre Augen Glanz; die 
Lippen lächeln.
        
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