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Full text: Berliner Leben Issue 21.1918

Die G. D.-Bühne. 
Als Lautenschläger in München 1896 die „Drehbühne“ 
erfunden und damit das lästige Aufbauen und Wiederabreißen 
der Szenenbilder während der Vorstellung beseitigt hatte, 
glaubten die Thealerfachleute das Ziel ihrer kühnsten Träume 
erreicht zu haben und aller szenarischen Schwierigkeiten ent 
hoben zu sein, ln der Praxis stellten sich aber bald erheb 
liche Mängel heraus. Die Szenenbilder wurden klein und 
spitzwinklig, eine breite Fernsicht war nicht oder nur unter 
größten Schwierigkeiten zu ermöglichen, vor allem aber war 
bei der aufgebauten Drehbühne die Benutzung der Maschinerie 
unter dem ßühnenboden mit ihren Versenkungen usw. aus 
geschlossen. Der Erfindungsgeist suchte infolgedessen nach 
einer weiteren Vervollkommnung der Bühnentechnik. Geheim 
rat Brandt erfand die „Schiebebühne“, die manchen Nachteil, 
aber auch manchen Vorteil der Drehbühne nicht hat, Linne- 
bach (Dresden) konstruierte eine versenkbare Bühne, die neue 
Volksbühne am Bülowplatz in Berlin baute eine Drehbühne 
in den Bühnenboden hinein, statt auf ihn hinauf, und ermög 
lichte dadurch Versenkungen usw. Aber von der Vollkommen 
heit waren alle diese Neuerungen noch weit entfernt. 
Jetzt hat der Oberinspektor am Deutschen Opernhaus in 
Charlottenburg, Gustav Dumont, eine neue Theaterbühne 
erfunden, die dazu berufen scheint, eine Umwälzung auf dem 
Gebiete des Bühnenbaues hervorzurufen. Das Charakteristische 
der neuen Buhne ist die Verbindung der Drehbühne mit der 
altbekannten festen Bühne. Die feste Bühne A (vergleiche die 
Zeichnung auf der nächsten Seite) bildet den Kern, um den 
sich die bewegliche Bühne B dreht. Die letztere ist ein 
bandförmiger Ring, auf dem eine Mehrzahl von Bühnenbildern 
aufgebaut ist, die nacheinander in den Bühnenausschnitt C 
(Proszenium) vor die mittlere, feste Bühne gebracht werden. 
Steht bei der Drehung der Ringbühne B eines der Bühnen 
bilder 2, 4, 6, 8 oder 10 vor der Bühnenöffnung C, so ist 
die feststehende Bühne A verdeckt und man hat, wie bisher 
ein Bühnenbild geringer Tiefe. Befindet sich aber eines der 
Bühnenbilder 1, 3, 5, 7 oder 9 vor der Bühnenöffnung C, so 
ergibt sich ein aus diesem Bild und der feststehenden Bühne A 
zusammengesetztes Bühnenbild von großer Breite und weiter 
Fernsicht. Die G. D.-Bühne ermöglicht also Bühnenbilder in 
Bezug auf Raum wie auf Perspektive, wie sie bis jetzt noch 
keine feststehende oder bewegliche Bühne geboten hat. 
Der Boden des Bühnenbandes ist mit Versenkungsklappen 
oder Schiebern ausgestattet, so daß die unter dem Bühnen 
boden eingebauten Versenkungen benutzbar sind. In den fest 
stehenden Bühnenteil können die bekannten großen Rlateau- 
Versenkungen eingebaut werden. 
Die G. D.-Bühne erlaubt den Aufbau eines ganzen Werkes 
vor Beginn der Vorstellung. Da die meisten modernen Bühnen 
werke im Schauspiel sowohl wie in der Oper durchschnittlich 
3 bis 4 Scenenbilder besitzen, so können an Sonn- und Feier 
tagen beide, die Nachmittags- und Abendvorstellung, in Höhe 
von 10 Bildern, eventuell noch mehr, schon Sonnabend nach 
der Abendvorstellung aufgebaut werden. Theater mit täglich 
gleichbleibendem Spielplan, wie das Metropol-Theater in Berlin 
und andere großstädtische Bühnen, brauchen den Aulbau der 
sämtlichen Dekorationen nur einmal vorzunehmen. Es braucht 
phot /mder & Labisch, Beilin (2) 
Kino-Künstlerin Hansi Burg 
im schwarzen Tuchkostüm mit grauer Kräuselstickerei, 
Barett mit Kronenreiher von C. A. Herpich Söhne. 
C. A. Herpich Söhne.
        
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