Path:

Full text: Berliner Leben Issue 21.1918

verstanden haben, das haben wir doch begriffen. — Na 
und den schönen Abend halt, an dem ich so viel g’weint 
hab’, ohne g’scholten zu werden, den hab’ ich nie ver 
gessen können, und gar oft hab’ ich an den gnä Herrn 
denkt, und ob er noch lebt und spielen tut. —“ 
,,Setzen Sie sich doch, Frau — ?“ 
„Elisabeth Kuchenreiter heiss’ ich.“ 
„Frau Kuchenreiter. — So hat mich denn das Ga 
leriepublikum, auf dessen Meinung ich immer ein beson 
deres’ Gewicht legte, noch nicht ganz vergessen?“ 
„Aber nein, gnä Herr. Wenn meine Tochter zum 
Besuch aus Wien heimkommt und uns vom Theater er 
zählt, und wie schön’s halt g’wesen is so sag’ ich immer: 
Geh’ Lisi, was woasst denn du? Jetzt g’spielens gar 
nimmmer so schön, als wie der Oswald Heger — pardon, 
aber ich sag’ so, wie’s auf dem Zettel g’standen ist.“ 
„Haben Sie mich auch in einer andern Rolle spielen 
sehen, Frau Kuchenreiter?“ 
„Ja wohl, als Ferdinand in einem Drama von Schüller 
— den Namen hab’ ich vergessen. —“ 
„Kabale und Liebe? 1 ' 
„Ja, so wird’s schon g'heissen haben, und den Wurm 
den elendigen, den hätt ich gleich zertreten mögen, s’war 
so jammerschad’ um das arme junge Liebespaar!; aber 
dann ist die Frau Baronin, bei der ich zehn jahr dient 
hab’, nach Linz zu ihrer Tochter übersiedell, und ich bin 
hamkommen und hab’ mein Mann, den Alois Kuchen 
reiter kennen g’lernt, und im nächsten Fasching haben 
wir g’heirat. — Und so bin ich nimmer nach Wien 
kommen.“ 
„Hm“, sagte Heger gerührt, indem er die Nelken 
in ein Wasserglas steckte, „so haben Sie wohl an den 
langen Winterabenden, an denen ich mich so einsam und 
vergessen fühlte, manchmal von mir gesprochen?“ 
„Na und ob, gnä Herr! Aber jetzt wird’s erst recht 
los gehn! Jetzt wenn meine Tochter hamkommt, nachher 
werd’ ich ihr sagen, wie liab der gnä Herr mit mir 
alten Urschel g’west ist, und dass es halt doch nur einen 
Oswald Heger gibt; — aber jetzunder bitt ich um Ver 
zeihung, dass ich so lang g’stört hab’ — ich küss die 
Hand, gnä Flerr!“ 
Heger reichte der Alten seine schöne, wohlgeflegte 
Greisenhand. Eine Träne schimmerte in seinem Auge. 
Und als sich die Tür hinter dem Rücken des alten 
Bauernweibleins geschlossen hatte, zog er behutsam eine 
der schönen Nelken aus dem Strauss im Wasserglase und 
steckte sie in sein Knopfloch. Ein glückliches Lächeln ver- 
klärte sein Gesicht. 
Der Jargon der 
Bühne. 
Von Oskar Klein. 
(Nachdruck verboten.) 
Wie bei den meisten Berufen, so hat sich auch beim 
Theater ein eignes Jargon herausgebildet, eine Fach 
sprache, die, ihre Ausdrücke aus der Beschäftigung her 
leitend, im Kollegenkreise, mit Vorliebe gebraucht wird. 
Allerdings muss hier einschränkend bemerkt werden, 
dass der Bühnenjargon nie ernsthaft genommen wird 
und bereits im Verschwinden begriffen ist; wo man 
ihn noch verwendet, geschieht dies nur, um damit zu 
kokettieren. 
In der dunkelsten Provinz — da, wo die „Schmiere“ 
oder wohl gar das „Meerschweinchen“ „grassiert“, d. h. 
die Theatergesellschaft (Bande“) unter Führung ihres 
„Häuptlings“, des Direktors, nur mit den denkbar be 
scheidensten Mitteln arbeitet, steht der Bühnenjargon 
noch einigermassen in Blüte. Ist die Bühne sehr gross, 
heisst sie „Reitstall“, ist sie klein, .Nudelbrett“, beides 
Bezeichnungen, die ebenso kurz wie treffend sind. Der 
Vorhang wird ein für allemal „Jammerfetzen“, der 
Souffleur „Flüsterleis“ genannt. Applaudiert das Publi 
kum oft und viel, so „ist es doch ein gutes Volk“; bleibt 
die Stimmung im Zuschauerraum flau, dann „sitzen 
die Kaffem mal wieder auf den Händen“, „Klauenfett“ 
muss ausgeteilt und der „scharfe Spieler“ vorgeschickt 
werden, damit „Publikus“ warm wird. Freilich wird 
der „scharfe Spieler“ in seinem Bestreben, das Publikum 
„warm“ zu bekommen, oft zum „Kulissenreisser“, wie 
anderseits der Komiker, um nur recht zu glänzen, 
„Mätzchen“ macht, womit er „seinem Affen Zucker geben“ 
(soll heissen: recht viel Applaus „schinden“) will. Den 
Bühnenanfängern wird „fleissig Talmudlesen“ — Rollen 
lernen — dringend empfohlen. 
Der Charakterspieler, früher Intrigant geheissen, ist 
der „alte Brunnenvergifter“, der „auf Filzschuhen“ um 
herschleicht. Aus ihnen entwickeln sich, nebenbei be 
merkt, die „denkenden Schauspieler“, die in jede Rolle 
etwas hineindifteln und schliesslich wohl gar die „Ge 
sellschaftsretter“, eine ziemlich gefürchtete Spezies, von 
denen es heisst, dass sie „ihre Waschfrau im Theater 
hätten“, wenn ihnen mehr als anderen applaudiert wird. 
Uebernimmt ein Darsteller mehrfach die Partie eines 
durch Krankheit oder sonstwie verhinderten Kollegen, 
so wird er zum „Leichenhuhn“, das die Rollen „nur 
so frisst*. 
Ein volles Haus ist natürlich „ein Ziel, aufs innigste 
zu wünschen“; ist das Auditorium, der „Musenstall“, 
sTiLf Rudolph Hertzog sl? 
Neuheiten in Damen-KIeidung 
Eigene Werkstätten für 
Jackenkleider und Mäntel. 
für Herbst und Winter 
Eigene Arbeitsstuben für Anfertigung 
von Blusen, Röcken und Kleidern. 
Jackenkleider, Blusenkleider, Mantelkleider, Ueberzieher und Mäntel uncTfalb^. 0 Kleiderröcke, Blusen, Morgenkleider, Unterröcke anLen^stoffTn' 
aus Seide und 
Mäntel mit Pelz gefüttert, Pelz-Jacken und -Mäntel für Damen in verschiedenen Pelzarten und Ausführungen, desgl. Muffen u. Kragen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.