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Full text: Berliner Leben Issue 21.1918

sträubende Liebesabenteuer aus seiner Vergangenheit 
und zwickte dabei in regelmässigen Interwallen der 
Nandl in die Arme. 
Nach dem lünften Kruge erklärte er sich aut mein 
Drängen hin bereit, ein Volkslied zu singen. Er nahm 
die heisere Klampfn von der Wand, griff mit seinen 
steifen Fingern in die Saiten und begann gefühlvoll: 
„Uen dör Nocht, wönn dü Lübö örwocht !“ 
Dabei zwinkerte er vielverheissend das „Deandl“ an. 
Das Lied schien mir allerdings eigentümlich bekannt 
zu sein, aber immerhin, schon in der Art des Vortrages 
lag eine herrliche Urwüchsigkeit! — 
Nach dem achten Kruge schlug mir der Wastl auf 
die Schulter und schrie: „Nack, sauf ma Brüderschaft!“ 
Ich willigte selig ein! Stolz war ich geradezu, dieses 
treue, reine Herz erobert zu haben. 
Er umarmte mich gerührt und drückte mir einen 
schmatzenden Kuss auf die Lippen, bei welcher Proze 
dur mich seine Bartstoppeln lebhaft an ein Reibeisen 
erinnerten. 
So erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. — 
Als es dunkelte, forderte mich mein Freund, der 
Wastl auf, mit ihm nach Steg abzusteigen. 
Ich erklärte mich dazu bereit. 
Nun hiess es von der Nandl Abschied nehmen, was 
mich in Anbetracht der „besseren Sorte“ 60 Kronen und 
einen Händedruck kostete. 
Dann brachen wir auf. 
Der Wastl hatte sein Gewehr und eine erlegte Gemse 
hervorgeholt, die er früh geschossen hatte. 
Da aber der Gute an seinem Rausche schon schwer 
genug zu tragen schien, bot ich mich freundschaftlichst 
an, ihm die Gemse und das Schiessrohr abzunehmen. 
Dann stiegen wir talwärts. — 
Plötzlich — ich ging gerade voraus — trat mir aus 
dem Dunkel eine Gestalt entgegen und eine tiefe Stimme 
liess sich vernehmen: „Halt!!“ 
Ich blieb stehen. 
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7 Uhr 
_ 
Die Stimme ertönte wieder: „Endli hab’ i dich, du 
vermaledeiter Haderlump, du!“ 
„Na, erlauben Sie, was soll denn das heissen?“ fragte 
ich erstaunt und drehte mich unschlüssig nach Wastl 
um; der aber war zu meinem nicht geringen Schrecken 
spurlos verschwunden. 
Der Fremde war mit einem Satze auf mich los 
gesprungen, packte mich beim Kragen und erklärte mich 
zu meiner Verwunderung für verhaftet. 
Mein Sträuben nützte nichts. 
Der Mann — es war ein Förster — behauptete fest 
und steil, ich sei ein eingefleischter Wilddieb, der schon 
seit Wochen in diesem Reviere sein Unwesen treibe. 
Ich wehrte mich gegen diese Anschuldigungen, er 
klärte ihm, ich sei ein harmloser Mensch und hätte in 
meinem ganzen Leben ausser einigen Purzelbäumen noch 
nie etwas geschossen — es half alles nichts, die Gemse 
und das Gewehr sprachen zu sehr gegen mich und der 
verdammte Wastl war und blieb verschollen. 
So wanderte ich also ins Gefängnis. 
Es gelang mir allerdings alsbald mich glänzend rein 
zuwaschen. aber ich habe seither eine gewisse Abneigung 
gegen die sogenannte Volksseele — hauptsächlich gegen 
„dem Wastl seine Volkssöhl’“! 
Pfui Teufel! — 
Der befle Schufj gegen V er lüfte 
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Die verlöschte Lampe. 
Skizze von J. Kälnoki. 
(Nachdruck verboten.) 
Der Hauptmann schüttelte unwillig den Kopf. „Lasset 
mich doch schon einmal in Ruhe. Ich erzähle euch 
keine Kriegsgeschichten; was gäbe es auch zu erzählen? 
— Das Leben in den Schützengräben, im Schnee und 
Morast, hat nichts Dekoratives an sich, ist nichts für eure 
Neugierde. Wenigstens ein Lustrum lang rede ich nichts 
von meinen Kriegserlebnissen!“ 
Wir hatten also schon der Hoffnung entsagt, den 
Hauptmann erzählen zu hören, als er hinzulügte: „Es 
wäre denn, dass euch die Geschichte des Oberleutnants 
Kerekes interessierte.“ 
Natürlich interessierten wir uns alle für den Ober 
leutnant, und der Llauptmann begann; 
„Das 30. Regiment hatte damals einen sehr schlechten 
Posten. Kaum hundert Schritte vor uns befand sich die 
russische Linie, die sich rechts von uns einen Berg 
hinanzog, von dem aus man uns gut in die Flanke 
treffen konnte. Eine solche Stellung bedingt grosse Ver 
luste, und da die Etappe uns hier nicht gut erreichen 
konnte, blieb unsere Mannschaft oft hungrig und dies 
war noch das Schlimmste. — Eines Tages liess uns der 
Oberst zu sich rufen und sagte: „Das kann so nicht 
bleiben, meine Herren. Entweder wir müssen uns um 
zwei Kilometer zurückziehen, oder wir müssen den Berg 
in unsern Besitz bringen.“ ,;Wir werden also den Berg 
erstürmen!“’sagten wir alle wie aus einem Munde. „Ich 
danke Ihnen, meine Herren,“ erwiderte der Oberst, „ich 
habe es von Ihnen nicht anders erwartet, denn wenn 
wir ein Ziel erreichen wollen, müssen wir stets vorwärts 
streben und niemals zurückweichen. Also morgen früh 
werden wir stürmen!“ 
Die Rollen wurden verteilt und die schwerste erhielt, 
wie immer, Oberleutnant Kerekes, weil jeder wusste, 
dass er kugelfest sei. und dass ihn, trotz seiner expo 
nierten Stellung, noch nie ein Granatsplitter getroffen 
hatte. Er selbst sagte uns oft, dass er gegen jede Ver 
wundung gefeit sei, und dass er, trotzdem er nicht in 
Drachenblut gebadet, jeden Augenblick bereit wäre, sich 
dem ärgsten Kugelregen auszusetzen, weil er sich für 
unverletzbar halte. 
„So sage uns denn wenigstens, welches Arkanum 
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