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Full text: Berliner Leben Issue 21.1918

Kräfte verdoppelt und verdreifacht? Welch’ ein Glück 
ist die Arbeit, die uns ganz gelangen nimmt, in der 
wir ganz aufgehen, weil wir unsern Beruf darin fühlen. 
Es ist sicher, dass sich Waldemar Schütze mit der 
artigen Dingen nicht beschäftigte; er hatte bis zum Mittag 
noch zu viel zu tun, um seine Gedanken herumschweifen 
zu lassen. Aber als er sich dann vom Schreibtisch erhob, 
war er ganz begeistert davon, mit seinen Angehörigen 
ins Freie hinauszukommen, die frische Waldluft geniessen 
und sich an dem frohen Treiben seiner Kinder erfreuen 
zu können. 
Man war den ganzen Nachmittag im Walde umher 
gewandert; die Kinder hatten Gesellschaft gefunden, jagten 
sich und spielten Ball, und als schliesslich der Abend kam, 
wandte man sich ermüdet dem Heimweg zu. 
Es war doch schon ziemlich spät geworden. Frau 
Bertha machte den Kindern die Milch zurecht, welche sie 
jeden Abend vor dem Schlafengehen tranken, und brachte 
sie dann zu Bett. Da gab es dann noch des Langen und 
Breiten zu erzählen. Das kleine Aennchen schnatterte 
wie die Enten, die man am Teiche gefüttert hatte, und 
wackelte hin und her, um zu zeigen, wie es die Tierchen 
gemacht hatten, als sie ans Ufer kamen, um die hinge- 
geworfenen Semmelstücken zu verzehren. Gretchen aber 
erstattete noch einmal einen vollständigen Bericht über 
alle Erlebnisse des Tages mit breiter Ausführlichkeit. 
„Nun aber schlaft recht schön!“ sagte die Mama, gab 
jedem der Mädels noch einen herzhaften Kuss und löschte 
das Licht. Sie setzte sich mit einer Handarbeit ins Wohn 
zimmer zu ihrem Gatten, der die Zeitung las. 
Dann fiel es Flerrn Schütze ein, dass er noch einen 
wichtigen Brief zu schreiben habe. Er legte die Zeitung 
hin und ging in sein Arbeitszimmer. Es war ganz still 
im Zimmer, er war mit seinen Gedanken ganz allein. 
Und als er den Brief beendet hatte, legte er die Feder 
hin und träumte. In solchen stillen Stunden reihen sich 
die Gedanken und Erinnerungen wie eine lange endlose 
Kette aneinander. Unwillkürlich schreitet der Geist Tage, 
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Wochen, Monde, Jahre zurück; man sieht sich wieder als 
Kind, man prüft und kritisiert den eigenen Entwicklungs 
gang; dann verfolgt man die Kette der Erlebnisse wieder 
zurück bis zum letzten Tage. — 
Die Gedankenkette des Flerrn Waldemar Schütze wurde 
mitten entzwei gerissen. Seine* Frau hatte mit einer 
gewissen Heftigkeit die Tür geöffnet. 
»Was ist denn los?“ 
»Jetzt habe ich aber einmal die Grete ordentlich ver 
hauen “ 
»Was — warum denn — was hat sie denn getan?“ 
»Fortwährend schreit sie »Mama — Mama.“ First 
wollte sie Wasser, und ich gab ihr zu trinken. Aber kaum 
hatte ich mich wieder niedergesetzt, so geht es schon 
wieder los. »Mama — Mama.“ Ich fragte sie: »Was 
gibt es denn?“ — Mama ich kann gar nicht schlafen.“ — 
„Aber weshalb denn nicht?“ — Ich muss immer an den 
toten Maikäfer denken.“ — Da riss mir die Geduld — 
ich habe ihr ein paar tüchtige Ohrfeigen gegeben.“ 
Jetzt drang das laute Schluchzen des Kindes aus dem 
Schlafzimmer herüber. 
„Das hast du getan? — Das ist ja schändlich!“ 
„Schändlich? — Ein Kind muss schlafen, wenn es zu 
Bett kommt.“ 
„Oh, schäme Dich — strafe das Kind, wenn es Strafe 
verdient. Das Mitgefühl mit den Tieren zeugt von einem 
guten, weichen Herzen, das gepflegt und gehegt sein will.“ 
„Aber bei Nacht muss das Kind schlafen.“ 
„Ja das muss es — wenn es kann. Befehlen lässt 
sich der Schlaf nicht. •— Oh —■ wenn du das noch ein 
mal tust —“ 
Einen Moment stand er seiner Frau zornig, am ganzen 
Körper zitternd, gegenüber; dann rannte er zu dem 
weinenden Kinde, und redete ihm gütig zu. Er küsste 
es aut die Stirn und sagte: »Schlafe jetzt, mein Kind: 
denke nicht an den garstigen Käfer, sondern an die lustigen 
Mücken, welche draussen im Walde tanzen; denke an 
den schönen, stillen Wald, an die Vögel, welche fröhlich 
singen. Hörst du, wie sie singen? Ganz leise singen sie 
Schlummerlieder — Schlum — mer — lieder — 
Er blieb am Bett sitzen und behielt das Händchen 
des Kindes in seiner Hand. Noch einige schwere Seufzer 
aus der kindlichen Brust — dann schlief Gretchen ein. 
Waldemar ging in das Wohnzimmer zurück. Er 
beugte sich über seine Frau, der die Tränen in den Augen 
standen, und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Und dann 
sprach er ganz sanft und versöhnlich: 
„Du bist doch immer noch eine kleine dumme F'rau.“ 
Im Kurort unter falschem 
Namen. 
Humoreske von Magda Trott. 
(Nachdruck verboten.) 
Hans Nygrin, der vom Publikum vergötterte jugend 
liche Liebhaber des Hoftheaters, hatte beschlossen, die 
Sommerferien in einem Kurort zu verbringen und sich, 
um nicht immer von schwärmenden Backfischen be 
lästigt zu werden, einen anderen Namen zu geben. 
Er wollte mal vom Theater und dergleichen einige 
Wochen nichts hören, wollte sechs Wochen ganz frei 
sein, und so mietete er denn in Baden-Baden im Hotel 
als Kaufmann Hans Müller ein Zimmer. Gottlob, nun 
würde er seine Ruhe haben, niemand würde sich, wenn 
er im Walde lag, nach ihm umdrehen, ihn unaufhörlich 
anstarren, vermutete doch sicher in dem einfachen 
Kaufmann Müller kein Mensch den „göttlichen“ Schau 
spieler Nygrin. 
Und wirklich. Fiel auch seine grosse, schlanke, 
elegante Erscheinung auf, so blieb er doch unbelästigt, 
fing hie und dort einen kleinen Flirt an, wenn aber das 
Gespräch auf das Theater kam. dann stellte er sich stets 
sehr unwissend, behauptete, seit Jahren kein Theater ge 
sehen zu haben, dass seine Begleiterinnen bald dieses 
Thema abbrachen. Seine einzige Sorge war nur immer 
die, dass er vielleicht hier im Hotel ganz plötzlich mit 
irgend welchen Bekannten zusammenstossen würde, die 
dann doch sicher ihm die Maske vom Gesicht rissen. 
Aber er hatte trotzdem beschlossen, bis aufs äusserste 
zu gehen und den Schauspieler Nygrin einfach zu ver 
leugnen. 
Aber bei der Table d’hote begann doch das Ver 
hängnis. Eine neu angekommene junge Dame tuschelte 
es ihrem Tischherrn zu, jener braunlockige Herr sei 
Nygrin, sie kenne ihn ganz genau. 
Das Hotelpersonal verneinte zwar, der Herr hiesse 
Müller und sei Kaufmann, aber Lotte Knorr glaubte das 
nicht. »Ich weiss, was ich weiss. Und so dauerte es 
garnicht lange, da wusste es das ganze Hotel, dass 
Müller mit Nygrin identisch sei. 
Eines Tages nahm sich dann auch ein älterer Herr 
im Foyer das Herz und redete Herrn Müller einfach mit 
„Nygrin“ an. Hans tat, als höre er nicht. Erst als ihm 
iener direkt die Hand hinhielt, blickte er erstaunt auf. 
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