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Full text: Berliner Leben Issue 21.1918

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Novopin-Fichtennadel-Bäder 
enthalten die ne»venstärkeude Kraft der 
jungen Fichiensprossen. ( 
Von hunderten Aerzten bestens empfohlen. 
Grosse goldene Medaille Wien 1913. 
Preis 6 Bäder M. 2,50 12 Bäder M. 4,50 
Erhältlich in allen Apotheken, Drogerien und 
Parfümerien. Wo nicht erhältlich, durch die 
Novopin-Fabrik, Berlin SW. 29. 
Nachahmungen weise man streng zurück. 
Als Karl Waldau sich 
dann empfohlen hatte, 
nachdem man ihn vorher 
zum nächsten Tage zu 
Tische gebeten, da sahen 
Papa und Mama ihre 
Lotte fragend an. 
Die aber sagte kein 
Wort, sondern sie rettete 
sich errötend in ihr 
Zimmer. 
Am anderen Morgen 
brachte ein Bote einen 
grossen Rosenstrauss und 
ein kleines Paketchen 
für Fräulein Lottchen. 
Und ein Kärtchen war 
auch dabei und darauf 
stand: „Meine kleine 
Frau kann stets rauchen, so oft sie auch will!“ — 
Und in dem Paketchen war ein zierlicher silberner 
Aschenbecher. 
Da lächelte das Lottchen. — 
Der gute Rat. 
Von Julius Knopf. 
(Nachdruck verboten) 
Seit zehn Jahren bereits war Manfred Lerchenhain 
Mitglied des kleinen Provinztheaters, ohne dass es ihm 
gelingen wollte, sich auf hervorragende Weise bemerkbar 
zu machen und Direktor, Publikum und Presse von 
seiner schauspielerischen Begabung zu überzeugen. Sein 
Selbstbewusstsein stand im umgekehrten Verhältnis zu 
seinem Talent. Je grösser die Rolle war, die er in den 
Augen der Wirtin, bei der er ein bescheidenes Zimmer 
bewohnte, als verkanntes Genie spielte, um so kleiner 
waren die Rollen, die ihm der Direktor gab. Der 
Leiter des Theaters beschältigte einige beliebte, tüchtige 
und anerkannte Schauspieler, denen er gute Gagen 
zahlen musste und diese Kräfte nutzte er natürlich ent 
sprechend aus. 
So musste sich denn Manfred Lerchenhain jahraus, 
jahrein damit begnügen, belanglose Rollen zu spielen, 
die man schon vergessen hatte, ehe das Stück zu Ende 
war. Sein Ehrgeiz litt empfindlich darunter; er fühlte 
schauspielerische Titanenkräfte in sich, und war ge 
zwungen, sich mit winzigen Aufgaben zu begnügen. 
Aber noch hatte er die Hoffnung nicht aufgegeben, 
endlich doch noch einmal die Anerkennung zu finden, 
die ihm gebührte. Und wenn auch die Hoffnung eine 
Amme ist, die nicht nährt — ihm war sie die Kraft 
spenderin, die ihn elastisch und widerstandsfähig erhielt, 
allen Enttäuschungen gegenüber, an denen sein Leben 
reicher war, als sein Geldbeutel an Kassenscheinen. 
Das ist nun einmal die wohltätige Gabe, die eine gütige 
Fee einem-jeden Schauspieler in die Wiege legt — das 
Selbstbewusstsein und die nie schwindende Hoffnung 
auf Ruhm und Lorbeer. 
Manfred Leichenhain hatte das halbe Jahrhundert 
seines wenig schicksalsreichen Lebens hinter sich. Ein 
unbekannter Fünfziger, von niemand gefeiert. Ein 
Jubilar ohne Jubel. Er hatte es vermieden, von seinem 
Eintritt in das fünfzigste Lebensjahr zu sprechen, denn 
es erfüllte ihn mit Unbehagen, sich schon zur Alters 
klasse der Fünfzigjährigen zählen zu müssen. Es war 
ihm unbequem. Am liebsten dachte er garnicht daran. 
Er fürchtete das Alter und wollte jung bleiben. 
Aber darüber hatte er es doch nicht verhindern 
können, dass seine Haare grau geworden waren. Um 
den Schein der Jugend zu wahren, Hess er sich färben, 
was bei seiner schmalen Gage immerhin eine lästige 
Ausgabe bedeutete. 
So ging er denn zum Direktor, klagte ihm sein Leid 
über die kostspielige Notwendigkeit des Plaarfärbens und 
bat um Zulage. 
^=IIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII^^ 
ÜÜ WEINGROSSHANDLUNG = 
^=llllllllllillllllllllllllilliilllllllliilllllllllllilllllllllllliiilllllilllllllllllllll== 
BERLIN W. • POTSDAMER 5TR. 139 
ECKE L1NKSTR., NAHE PLATZ 
Der Direktor klopfte 
ihm wohlwollend auf die 
Schulter. „LieberFreund, 
was stöhnen Sie! P'reuen 
Sie sich, dass Sie 
als Schauspieler keinen 
Schnurrbart tragen. Be 
denken Sie, wenn Sie 
auch den noch färben 
müssten!“ 
Und mit diesem Trost 
und ohne Zulage Hess 
er ihn stehen. 
So lebte Manfred 
Lerchenhain in schlech 
ten Verhältnissen aber 
in der Hoffnung auf eine 
bessere Zukunft. 
Bis sein Tag wirklich 
kam, der grosse Tag, auf den er so lange gewartet, von 
dem er unablässig geträumt. 
Ein neues Stück war einstudiert worden, doch wenige 
Tage vor der Erstaufführung erkrankte der Darsteller 
einer grossen Rolle. 
ln seiner Verzweiflung dachte der Direktor an seinen 
Manfred Lerchenhain. Er war ja kein Licht, nur mässig 
begabt, aber man konnte es ja mal mit ihm versuchen. 
Er beschied ihn zu sich. .Hören Sie mal, mein Lieber, 
Sie wissen doch, dass ich das Stück jetzt unbedingt 
herausbringen muss. Nicht nur, dass ich sonst Kon 
ventionalstrafe an den Verleger zu zahlen hätte — ich 
verspreche mir von dem Werk sehr viel, es wird un 
bedingt Kasse machen. Ihr Kollege ist krank geworden, 
Sie müssen mir aus der Not helfen. Sie sind der 
einzige unter meinen Künstlern, der es kann. Sie haben 
ein so ausgezeichnetes Gedächtnis, das Sie eigentlich 
eine Lustspielfabrik gründen könnten. Das Lernen der 
Rolle dürfte Ihnen daher keine Schwierigkeiten bieten. 
Also lernen Sie, spielen Sie, so gut Sie’s vermögen. Es 
kann unter Umständen Ihr Glück sein. Die Hauptsache 
ist, dass Sie nicht stecken bleiben. Also lernen — lernen 
— lernen — in drei Tagen ist die Erstaufführung.“ 
Manfred Lerchenhain war glücklich. 
„Endlich!“ frohlockte sein Herz. 
„Hurra!“ jauchzte seine Seele. 
„Machen wir, Herr Direktor!“ sagte sein Mund. 
Und er machte es. Er lernte vom Morgen bis zum 
Abend und vom Abend bis zum Morgen, denn vom 
Souffleur wollte er sich in dieser wichtigen Angelegenheit 
auf keinen Fall abhängig machen. Seine Unkosten 
waren nicht unbeträchtlich, denn er trank viele Tassen 
stärksten Ersatzkaffees, um sich wachzuhalten. Und 
wirklich — er schlief nicht ein, was er weniger dem 
Kaffeersatz als seiner Energie zu verdanken hatte. Mit 
seiner Energie setzte er es auch durch, am Tage vor 
der Erstaufführung hatte er die grosse Rolle bezwungen. 
Er konnte sie ohne Anstoss bersagen, von vorn nach 
WEIN -STUBEN- HUTH
        
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