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Full text: Berliner Leben Issue 20.1917

Sie machte ein schelmisches Gesicht. 
„Ich habe mir auch schon so meine Ge 
danken darüber gemacht.“ 
„O, darf ich erfahren?“ rief er be 
geistert. 
„Nun, wenn ein Mann eine Stunde lang 
vergeblich auf eine Dame wartet und nicht 
ungeduldig wird, dann gibt es doch eigent 
lich nur zwei Möglichkeiten.“ 
„Und die wären?“ Immer lebhafter 
wurde er. 
„Entweder der Herr liebt die Dame 
oder — — er möchte sie ihres Geldes 
wegen heiraten.“ 
Mit rotem Kopf sass er da. 
„Und wenn nun beide Möglichkeiten 
hier zusammenträfen?“ fragte er schnell. 
„Hm, das wäre ein bischen viel. So 
etwas gibt es wohl heute nicht mehr,“ 
meinte sie mit schalkhaftem Gesicht. 
„0, denken Sie so schlecht von den 
Männern ?“ 
„Sie wollen mich mit meinen eigenen 
Waffen schlagen, wie?“ 
Blitzenden Auges sah sie ihn fröh 
lich an. 
Und er, angesteckt durch ihre gute 
Laune, geriet mehr und mehr in Ekstase. 
Voll offener Bewunderung sah er sie an, 
und seine Blicke sagten ihr, dass er bereits 
Feuer gefangen hatte. 
Da schlug die Uhr vier. 
Wie aut Kommando blickten sie sich an. 
„Eine ganze Stunde vergebens!“ sagte 
sie lächelnd. 
Stumm nickte er. Nachdenklich sah er 
sich um. Noch immer niemand in Sicht. Nun würden 
sie auch wohl bestimmt nicht mehr kommen. Unerhört 
war das, ihn so aufsitzen zu lassen! Und schon wollte 
er wieder wütend werden, aber da sah er in das 
schelmische Gesicht der hübschen Dame und da nahm 
Der Russische Hof, Hotel Friedrichsbahnhof 
Direktion Wilhelm Krause, Georgenstr. 21-22 
Vorhalle 
des Hotels 
vollständig neu hergerichtet, dem Ausgange des Bahnhof Friedrichstrasse gegenüber. Das 
vornehme behagliche Restaurant ist eine Sehenswürdigkeit Berlins. Treffpunkt der vornehmen 
Welt. Der Eingang ist durch die Hotel-Vorhalle. Der jetzigen Zeit entsprechend ist alles 
aufgeboten worden, den Gästen durch vorzügliche Küche bei mässigen Preisen, gut gepflegte 
Weine, den Aufenthalt in diesen Räumen möglichst angenehm zu gestalten. 
WEIN'RES TEUREN T 
er sich vor, sich hier vor allem keine Blösse 
zu geben. 
,,Da kann ich mir eben auch nicht 
helfen,“ sagte er dann leichthin. 
„Trösten Sie sich so leicht darüber?“ 
„Ach ja, wenigstens versuche ich es?“ 
„Hm. Sollte ich mich in meiner An 
nahme vorhin wirklich getäuscht haben?“ 
Heiter sah sie ihn an. 
„Das beweist Ihnen doch schon meine 
gute Laune.“ 
„Pah! In solchen Dingen sind die 
Männer immer Komödianten!“ 
„Das haben Sie nur von den Frauen 
gelernt.“ 
„Sonderbar. Wenn Sie so wenig von 
den Frauen halten, weshalb heiraten Sie 
dann?“ 
„Weil man doch endlich mal in ge 
ordnete Verhältnisse kommen muss.“ 
„Aha! Ich hatte also doch recht! Es 
handelte sich hier um eine Geldheirat!“ 
„Wenn Sie wollen, ich darf jetzt wohl 
nicht mehr so uhgalant sein zu streiten!“ 
Bewundernd sah er sie an; wie schön, 
wie bezaubernd schön war sie doch! 
Sie aber sprach ruhig weiter: „Und 
wenn die Dame nun nicht will?“ 
„O, sie wird schon wollen!“ 
„Weshalb hat man Sie dann aber hier 
heute umsonst warten lassen? 
„Weiss Gott, was dazwischen gekommen 
ist! Jedenfalls nichts, was meine Chancen 
vermindern könnte. Man wird sich ent 
schuldigen und dann ist alles gut!“ 
„Sie scheinen in der Tat ja ihrer Sache 
schon ziemlich sicher zu sein.“ 
Er lächelte mit weltmännischer Ueberlegenheit und 
erwiderte leichthin: „So oder so. Ist es nicht diese, dann 
wird es eben eine andere sein.“ 
Sie nickte und sah stumm vor sich nieder. 
Wer 
Kriegsanleihe 
zeichnet, 
fördert den Frieden. 
Abends nac h der Karle 
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