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Full text: Berliner Leben Issue 20.1917

schönen Armen, ein Paar funkelnden Augen . . 
Ach! 
Sie setzte sich in ihren Lieblingswinkel . . . 
Die Bevorzugte spielen müssen, wenn man die 
Zurückgesetze ist! Das war ihre Aufgabe . . . 
Aber sie wollte ihnen einmal zeigen, was es 
heisst Komödie zu spielen — sie wollte so 
spielen, dass sie in doppelter Beziehung die 
Bevorzugte -war . . . bevorzugt sowohl von dem 
Publikum wie von ihrem Liebhaber! — 
Der Premierenabend kam. 
Das Theater war nur halb voll. 
Und nun geschah das Merkwürdige, dass 
Lisse in den wichtigen Szenen, als die schöne 
aber abgewiesene Freundin matt, ja völlig 
farblos war. Man erkannte an ihrem Spiel 
nicht, dass sie die Verschmähte war, sie sah 
in den Momenten, da sie die Zurücksetzung 
erfuhr, zufrieden, ja fast glücklich aus — man 
hätte meinen können, sie sei die Erwählte. 
Der Direktor schüttelte den Kopf, und das Publikum 
begann zu gähnen. 
Als das Interesse sich jedoch von Lisse abwandte und 
auf die feine Gestalt konzentrierte, die Nelly darzustellen 
hatte wurde man mitgerissen. 
Der Direktor, der im Begriff war, mutlos in sich 
zusammenzusinken, richtete sich auf; ja sein Pincenez 
wurde feucht, so dass er mehrmals gezwungen war, es 
abzunehmen, um es zu reinigen. 
Atemlos verfolgte das Publikum die geradezu geniale 
Leistung. Totenstille herrschte im Theater. Man hatte 
vergessen, dass man aus hundert verschiedenen Heimen 
hier zusammengekommen war, um einer Vorstellung bei 
zuwohnen. Man sah plötzlich einen Menschen vor sich, 
der auf der Bühne sein eigenes Leben lebte und aus den 
Tiefen seiner eigenen Seele schöpfte. Als es endlich klar 
wurde, dass sie die Auscrwählte war und sie nach der 
Spannung in Tränen ausbrach, während seine Arme sie 
umpfingen, waren alle aufs tiefste ergriffen. Und ein 
unaufhaltsamer Beifallssturm brach bei offener Bühne los. 
Von Nellys Lippen flogen wie ein flammender Pfeil 
die Schlussworte: „Und von ihr konntest Du Dich einen 
Augenblick betören lassen!“ 
Der Vorhang fiel, der Beifall wollte kein Ende nehmen. 
Er starb hin, und lebte immer wieder auf. Die Leute 
blieben auf ihren Plätzen stehen und klatschten wie rasend 
, in die Hände, 
Luxus Düfte 
Schönheitspuder 
Cremes 
Kauertest 
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Hip. zajvn^feinßkseridLeua 
O.TSuMs. 1,25^ 
Max Lude wig 6,C9, 
Charloltenburg 
Grolmamalr^ 
TTnö überall • in dem Zuschauerraum, in den Foyers, 
auf den C Gä ” E “ h5tte ^ 
Namen: Nelly Vülerup.^ ^ w waren die Schau 
in 
musste sofort eine 
a die Zeitungen abgehen. Dasselbe_ Stuck 
während der kommenden Abende gespie 
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Sie hatte 
Als der Direktor auf die Bühne trat, 
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Er eilte in sein Kontor. Fs 
Mitteilung an 
sollte auch 
We Am nächsten^ Vormittag f t 
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heute keine Probe. . in7L ,f r i e den mit dem gestrigen 
Ahä 
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Verherrlichung Nellys. hiess es wieder und wieder. 
Merkwürdig, ^"^'STohl vor dem Kulissen- 
gewichen war. Fr sen 
klatsch? ... . . •_ fijp rrrösste Kunst“ heule 
auf der Bühne zwar g eslf ^ ’ - ' , { in Leuchten in 
den^Augen'aller Männe^entzündeje! 3 die ihr begegneten. 
Nelly hatte im V.l.eovmrtel ^ 
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Die Tür zum Esszi^öney slmrd offen. Sre^horte St ^ 
2S 0 V Ä“der S PortiemLhte sie in das anstossende 
W °Da“s"" Nelly in einem lichten Morgentleid, und vor 
i ^ r Sülfdlte" lisse'denselben Weg zurück, den sie ge- 
k ° m Zum Glück hörte sie nichts mehr von der Heiterkeit 
die Nelly bei Alberteen ^^von ih? ‘ olSu 
den Schlusssatz wiederholte. „Unü von _ 
Dich einen Augenblick betören lassen. 
Zu der Vorstellung am Abend war das 
Haus voll. 
Kurz ehe der Vorhang aufging, sagte Lisse 
spitz: 
„Nun werden wir also „die grösste Kunst“ 
sehen!“ 
Und es geschah das Erstaunliche, dass 
Lisse sich wundervoll eingespielt hatte. Ja, das 
erste und vielleicht einzige Mal in ihrem Leben 
spielte sie so dass man es sich kaum voll 
kommener vorstellen konnte. Und das Publi 
kum, das gekommen war, um Nelly Villerup 
zu bewundern, war fast noch entzückter von 
Elisabeth Olsen. 
Denn während Nelly heute abend mit der 
Ruhe auftrat, die ein gewonnener Sieg verleiht, 
spielte Lisse nun als diejenige, die um ihr 
Glück kämpft, und auf deren Lippen jedes 
Wort geboren wird. 
In der Szene, in der sie erkannte, dass ihre 
Freundin ihr vorgezogen wurde, schleuderte sie ihre Vor 
würfe mit einem solchen Aplomb heraus, dass das 
Publikum bei ihrem Abgang in laute Beifallsstürme aus 
brach. Albertsen und Nelly lächelten sich verständnisvoll 
zu, ihr Zusammen- spiel wurde noch inniger. 
Als der Vorhang fiel, stand der Direktor auf der Bühne. 
„Ich brauche den „glücklichen Liebenden“ nicht zu 
gratulieren,“ sagte er. 
„Aber,“ und er küsste Lisses Hand, „von heute abend 
an rücken Sie in das Fach der ersten Liebhaberin ein, 
kleine Olsen! Sie haben charmant gespielt. Das war 
die grösste Kunst!“ 
„Tabak und Reklame“ 
ist der Titel eines von E. E. Hermann Schmidt verfassten und 
im Verlage von „Das Kontor“, Berlin W. 35, herausgegebenen Buches, 
welches in kurzen Zügen die gesamte Reklame in der Tabakbranche 
vor Augen führt. Besonders interessant wird das Buch dadurch, dass 
viele Abbildungen darin enthalten sind, die ein klares Bild darüber 
geben, wie Reklame gemacht oder nicht gemacht werden soll. 
Zweifellos wird dieses Werk von bleibenden Wert für jeden Inte 
ressenten sein. 
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