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Full text: Berliner Leben Issue 20.1917

dass ich ja den ganzen Effekt verderben würde, wenn ich 
die Korridortüre aufschlösse. Mein Erscheinen musste 
doch vor allem überraschend wirken. Ich ging also auf 
den Hof — ob dort nicht ein Fenster offen stünde. Richtig, 
im Badezimmer, — etwas klein zwar aber was macht das 
im Traume aus! Ein Salto, — und durch war ich. 
„Gerade hörte ich meine Frau aus dem Wohnzimmer 
rufen; Minna, bringen sie nur den Tee, der Herr kommt 
vermutlich später! und die liebe Schwiegermamama eine 
ihrer gewohnten zarten Bemerkungen daran knüpfen. 
Mich auf den Kleiderschrank im dunklen Korridor hinauf 
schwingen war eins. Da kam auch Minna schon mit dem 
Teebrett. 
„Sowie sie die Wohnzimmertür öffnete flog ich hinter 
drein und pflanzte mich mitten über dem Esstisch, um 
den die beiden Frauen schon sassen, in die freie Luft. 
Die Wirkung war überwältigend. 
„Minna stiess einen Schrei aus und Hess das ganze 
Teebrett meiner Schwiegermutter aufs Kleid fallen. Die 
quitschte nicht schlecht auf — sie war total verbrüht und 
das Kleid hin. Meine Frau zeterte über die „Rücksichts 
losigkeit“ und was das für ein dummer Scherz sei. 
„Das ist kein Scherz, was Du hier siehst, — das ist der 
Astraleib Deines seligen Gatten“ sprach ich in kühler 
Ueberlegenheit. Völlig entgeistert starrte, sie mich an. 
„Jawohl, selig, weil er, endlich von Euch beiden erlöst, 
nun in reineren Sphären glücklich ist! Du, liebe Eugenie, 
brauchst Dich jetzt nicht mehr zu ärgern, weil ich nicht 
alle Deine Launen befriedigen kann. Willst Du mir einen 
letzten Wunsch erfüllen, so lasse mich,;bitte, verbrennen, — 
ich hänge im grossen Spiegelschrank im Schlafzimmer!“ 
„Diese Rücksichtslosigkeit, — mitten unter meinen 
besten Kleidern“ fuhr sie auf. 
„Ja, das musst Du mir schon zugute halten,“ fuhr ich 
fort, „Du hast Dir ja die besten Haken für Dich reserviert. 
Was Sie aber betrifft, verehrte Schwiegermutter, die Sie 
mir jeden Tag Vorwürfe machten, ich käme erst Mitternacht 
nachhause und würfe die Korridortüre zu laut ins Schloss, 
— die Korridortüre werden Sie von nun ab nicht mehr 
hören, dafür werde ich jede Nacht in ihrem Schlafzimmer 
erscheinen und Sie wachschütteln und“ — — — 
Schwiegermutter war in Weinkrampf verfallen. „Ich 
reise noch heute ab, — Minna, meine Koffer“ zeterte sie, 
und rannte aus dem [Zimmer. Schon wollte ich meine 
Kriegs-Lebensversicherung 
ohne ärztliche Untersuchung. 
Jeder Kriegsteilnehmer, auch der schon an der Front stehende, findet Auf 
nahme. Im Todesfälle sofortige Auszahlung d. voll. Versicherungssumme. 
Nach Beendigung des Krieges Umwandlung in normale Lebensver 
sicherung unter Anrechnung eines Teils der gezahlten Prämie. 
Deutscher Anker 
Pensions- und Lebensversicherungs-Akt.-Ges. 
Berlin W 9, Eichhornstrasse 9. 
Frau, die sich immer noch nicht über die mutmasslich 
zerdrückten Kleider beruhigt hatte, aufklären und mit dem 
Bericht über die glänzende Veränderung unserer Verhält 
nisse beschwichtigen, als von fernher eine fremde und doch 
bekannte Stimme rief: 
„Du schnarchst mal wieder entsetzlich, Robert! Gleich 
zeitig rasselte die Weckuhr — und ich lag wach im Bett. 
Aus wars mit dem Fliegen, aus mit den 5000 M. und 
Schwiegermama empfing mich am Kaffeetisch mit den 
Worten: „Müssen Sie denn immer Nachts die Korridor 
türe zuschlagen, Schwiegersohn! Wahrhaftig, wenn ich nicht 
Eugenie zuliebe hier bliebe, ich wäre schon lange abgereist! “ 
„Es ist doch jammerschade, dass ich nicht wirklich 
fliegen kann! Aber schön war’s doch! Leider, leider — 
Es ist nur ein Traum! Es ist nur ein Traum!“ 
Der Luftfahrerdank, Charlottenburg, hat seinen gemein 
nützigen Bestrebungen eine Abteilung „Kunstgewerbliche 
Kriegshilfe-Werkstätten“ angegliedert. 
Diese Kriegshilfe-Werkstätten wollen Offizierswitwen und 
Waisen der im Kriege gefallenen Offiziere Gelegenheit bieten, 
ihren Fähigkeiten entsprechend ausgebildet und lohnend be 
schäftigt zu werden. Unter berufener künstlericher Leitung, 
ohne Lehrgeld oder Unkosten für Materialersatz erhalten die 
einen Erwerb suchenden Damen nach kurzer technischer Aus 
bildung dauernde Beschäftigung und sofortigen angemessenen 
Verdienst, wobei ihnen als den Erwerbsungewohnten das 
demütigende Suchen nach Arbeit erspart bleibt. 
Offizierswitwen und Waisen, die eine kunstgewerbliche 
Ausbildung und Beschäftigung wünschen, wollen sich an die 
Kriegshilfe-Werkstätten, Berlin, Steglitzerstr. 68, wenden. 
Den Verkauf der in den Kriegshilfe-Werkstätten bergt 
stellten Gegenstände hat u. a. liebenswürdigerweise die chemische 
Reinigungsanstalt Albert Herz mit ihren 40 Filialen über 
nommen, ebenso haben sich andere namhafte Firmen bereit 
erklärt, durch Ausstellung und Verkauf den Vertrieb dieser 
Arbeiten zu übernehmen. Es ist selbstverständlich, dass die 
in den Werkstätten hergestellten Arbeiten derart ausgeführt 
sind, dass sie nicht nur des guten Zweckes wegen sondern 
auch wegen der eigenen künstlerischen Note, sowie ihrer 
praktischen Verwendbarkeit wegen begehrt sein werden. 
G. Schlechten 
Gegründet 1853 
Ho! - Pianoforte - Fabrikant 
BERLIN SW. 68 
nur: Kochstr. 62
        
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