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Full text: Berliner Leben Issue 20.1917

Die Stärkung der Kaufkraft im Kriege hat abgesehen von den glänzenden Ergebnissen der sieben Kriegsanleihen ihren 
sprechendsten Ausdruck in dem sehr guten Umsätze auf dem Kunstmarkte gefunden. Die oft bestrittene Ansicht, daß ein 
jedes gute Bild früher oder später seine Zinsen sicher einbringt, hat eine triumphierende Bestätigung erhalten. Millionen 
sind von privater Seite an den Gemäldeeinkäufen der Friedensjahre verdient worden, und als erfreulichste Erscheinung ist 
die Tendenz zu begrüßen, auf das, was man an die Wand hängt, größeren Wert als bisher zu legen. In Deutschland 
spielte die Unterstützung der Kunst durch weitere Kreise meist eine platonische Rolle. Man besuchte Ausstellungen, 
besah Kunsthandlungen, wagte es aber selten, einen Teil seines Kapitals an die Wand zu hängen. Immer in der törichten 
Einbildung befangen, dadurch eine Vermögenseinbuße au erleiden. Nachdem das nun glücklich anders geworden zu sein 
scheint, kann man ja auch den Hinweis wagen: „Zeige mir was an deiner Wand hängt, und ich will dir sagen, weß 
Geistes Kind du bist.* 4 
Welchen Eindruck macht ein Heim, das mit schönen und teueren Möbeln geschmückt ist, dessen Wände oft kostbar 
bespannt sind und an denen sehr häufig eine trostlose Sammlung von schlechten Fotografien und billigen Stichen etc. hängt. 
Auch dieser Eindruck entscheidet sehr viel im geschäftlichen und gesellschaftlichen Leben. Ein gutes Bild repräsentiert. 
Es gewährt Einblick in den Charakter seines Erstehers und gibt einen sicheren Maßstab für die Kultur des Hauses ab. 
Man soll auch das erzieherische Moment des Bildes nicht unterschätzen, das sich in der Geschmacksbildung der heran - 
wachsenden Jugend bemerkbar macht! 
Wir zeigen oben einen Einblick in die Ölgemäldehandlung J. G. Heinrichs, Wilhelmstr. 46-47. Das Geschäft 
ist eine der ältesten Kunsthandlungen Berlins, im Jahre 1866 gegründet. Es führt besonders Berliner und Münchener 
Künstler. Wir verweisen diesbezüglich auf seine Anzeigen.
        
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