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Full text: Berliner Leben Issue 20.1917

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als er merkte, dass ich mich für seine Tochter interessierte, 
nahm er jede nur mögliche Gelegenheit wahr, uns zu 
sammen zu bringen. Nun, es gelang ihm bald. 
Nach wenigen Wochen hatte ich mich derartig in 
das schöne Kind verliebt, dass es kein Zurück mehr für 
mich gab. Ich hielt um die Hand des jungen Mädchens 
an. Die Eltern sagten mir ein erfreutes ja, denn ich 
war eine gute Partie, und die Kleine selbst sagte er 
rötend auch ja. Sie zitterte dabei und war auch ver 
legen, aber ich glaubte, dass dies jungfräuliche Scham sei. 
So verlobten wir uns. 
Ich schwelgte in Wonneschauern und wollte die 
Hochzeit beschleunigt haben, was indessen nicht an 
WEIN -STUBEN- HUTH 
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Mllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllis 
BERLIN W. • POTSDAMER STR. 139 
ECKE LINKSTR., NAHE PLATZ 
ging, da erst die Aussteuer fertig gestellt werden 
musste. 
Qualvolle Wochen vergingen für mich. Jeden Tag 
sah ich meine Braut und mit jedem Tag wurde ich ver 
liebter. Schliesslich lief ich umher wie ein Blinder, der 
nur noch Augen für sie hatte. Ich überhäufte sie mit 
Aufmerksamkeiten und Geschenken, die sie alle mit der 
gleichen, leise zurückhaltenden Liebenswürdigkeit auf 
nahm. 
Da eines Tages passierte mir etwas sonderbares. Ich 
war mit einigen Freunden zusammen, die mir und 
meiner Braut zu Ehren ein kleines Fest gaben. Ich war 
heiterer denn je, fast ausgelassen vor Freude und Glück, 
und so trank ich denn mehr, als ich vertragen konnte, 
bis ich auf einmal, ohne dass ich es so recht wusste, 
einen leichten Rausch hatte. Erst als es zu spät war, 
merkte ich es. 
Nun bemühte ich mich, meine Ausgelassenheit zu 
zügeln, aber es gelang mir nicht mehr so recht. 
Plötzlich sah ich das entsetzte Auge meiner Braut 
auf mir ruhen. Sie hatte meinen Zustand erkannt! — 
Und nun gewahrte ich, wie sie einem jungen Ingenieur 
lächelnd zunickte, um ihn auf meinen Zustand aufmerk 
sam zu machen. — Und da — in diesem halben Blick 
von ihr, da las ich etwas wie eine Mischung von Spott 
und Mitleid. 
Das traf mich wie ein Schlag! — Plötzlich war ich 
sehend geworden. — So lange war ich mit blind ver 
liebten Augen herumgelaufen, nun, im Rausch, nun 
lernte ich mit einmal nüchtern sehen! — — -— 
Am nächsten Tage hatte ich mit meiner Braut eine 
lange ernste Unterredung. Ich sprach zu ihr nicht wie 
ein Bräutigam, der sich verraten glaubt, sondern als ein 
guter alter Freund, denn ich wusste ja jetzt, dass das 
Kind mich nie geliebt hatte. Die Kluft des Alters 
unterschiedes stand zwischen uns. 
Unter Schluchzen gestand sie mir denn auch, dass 
sie den jungen Ingenieur schon immer geliebt habe, dass 
aber ihre Eltern dagegen wären, weil er arm sei und 
noch keine genügende Stellung habe, um einen Haus 
stand zu begründen. 
Noch an demselben Tage löste ich unsere Verlobung 
auf und fuhr nach dem Süden. Als ich dann ein Jahr 
später zurückkam, waren die beiden Liebesleute vereint. 
Er hatte eine Anstellung in meinen Eisenwerken be 
kommen — — — Na ja und so blieb ich eben dann 
ledig “ 
Der alte Herr schwieg und sah mit wehmütigem 
Lächeln wie träumend in die Frühlingsnacht. 
ln der Galerie Helbing, Matthäikirchstrasse 18 (bei der 
Potsdamerbrücke) sind weitere Oelgemälde aus dem Nachlass 
des 1915 verstorbenen vorzüglichen Landschaftsmalers Josef Will- 
roider, München ausgestellt, die ausserordentlichen Beifall finden- 
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