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Full text: Berliner Leben Issue 20.1917

zwei kräftige Züge, — die Zigaretten brannten sämtlich 
glühendrot! All das hatte sich im Laufe von Sekunden ab 
gespielt. Jetzt hiess es handeln, alles hing von der Ge 
schwindigkeit ab: Die erste brennende Zigarette warf Peter 
auf das trockene Strohdach der Scheune, in deren Schatten 
er stand. Dann stürzte er weiter, an einem kleinen Garten 
vorbei, über eine Hecke, zum nächsten Hause, das totenstill 
lag, ohne dass ein Mensch zu sehen gewesen wäre. Die 
zweite glimmende Zigarette flog im Bogen auf das Strohdach 
dieses Hauses. Jetzt sah sich Peter um: Das Dach der 
Scheune begann gerade lichterloh zu brennen! Alles Blut 
strömte Peter zum Herzen: Ha, sein Plan schien zu gelingen! 
Doch er musste weiter. Jeden Schatten ausnutzend, sprang 
er katzengleich von Haus zu Haus, noch acht bis zehn Dächer 
mit seinen Brandern bewerfend. Ueberall wo er gewesen war, 
züngelten alsbald rotgelbe Flammen zum Himmel empor. Von 
vorn, von der Kämpferseite her, erscholl immer stärker werden 
des Geschrei, was Peter ein grimmiges Lächeln entlockte. 
Er kehrte sich aber nicht daran, sondern nahm die letzte 
brennende Zigarette und warf sie auf einen zwischen zwei 
Häusern, auf einer Wiese stehenden, riesigen Heuschober. 
Dann stürzte er den Weg zurück, den er gekommen war. 
Einige Franzosen kamen von der Gefechtsseite her über den 
Weg gelaufen, der eine keuchend, fortwährend Blut verlierend. 
Peter achtete ihrer nicht, wurde auch nicht bemerkt. Er 
lief nicht, nein er raste! Der Atem drohte ihm auszugehen, 
seine Brust rasselte bei jedem hastigen, anstrengenden Atemzug, 
seine Augen waren aus den Höhlen getreten, aber seine 
Glieder zitterten nicht, erlahmten nicht! Seine Beine bewegten 
sich wie im Maschinenkolben aus Stahl. Er fühlte nicht mehr, 
wie er sich bewegte; jeder Satz, jeder Sprung, den er tat, 
war mechanisch. Als er aus dem Bereiche des Dorfes kam, 
lag dieses als ein einziges Flammenmeer hinter ihm. Nunmehr 
waren die Feinde grell beleuchtet, während die Deutschen 
plötzlich ins Dunkel getaucht waren. Auf deutscher Seite hatte 
man die günstige Situation sofort erfasst. Peter hörte durch 
die Luft undeutlich markige Kommandorufe. Dann setzte der 
Angriff der Deutschen aufs neue ein, diesmal mit der Gewiss 
heit des Erfolges, da den Franzosen die Deckung genommen 
war. — — Hinter der deutschen Linie sank Peter Johansen 
bewusstlos nieder. Als er wieder zu sich kam, lag er im er 
oberten Dorfe auf sauberer Bahre, und ein Sanitäter wusch 
und verband ihm die Schusswunde im linken Arm, die heftig 
blutete und nicht unbedenklich, wenn auch nicht lebensgefähr 
lich war. Peter lag wie verklärt. Volles Bewusstsein und 
Erinnerung kehrten allmählich wieder, und so erzählte er, lang 
sam und stockend, seinem vor ihm stehenden Hauptmann, was 
geschehen war. Der Hauptmann drückte ihm die Rechte. 
Die Kameraden hatten stumm gelauscht und blickten voll Stolz 
auf den blassen, schmächtigen Mann vor ihnen, der so Grosses 
vollbracht hatte, der ein Held war. Peter hatte noch einen 
Wunsch, bevor er vor Ermattung wieder einschlief: in seiner 
Tasche steckte noch der zerfetzte Rest der goldbesternten 
Zigarettenschachtel. Den liess er sich reichen und presste ihn 
an sich, ein unvergessliches Erinnerungszeichen. Dann schlief 
er ein, der Genesung entgegen. — Und wenige Tage später 
bekam er das „Eiserne Erster“. 
Der schwarze Hirsch. 
Skizze von Wolfgang Kemter, 
(Nachdruck verboten.) 
„Der schwarze Hirsch ist wieder da.“ 
Mit diesen Worten trat der gräflich Kernhausische 
Förster, der eben vom Walde kam, in das Wohnzimmer 
des Forsthauses, in dem seine Frau mit einer Handarbeit 
beschäftigt am Fenster sass. 
„Der schwarze Hirsch?“ fragte diese erschreckt von 
der Arbeit aulsehend. 
„Kein anderer,“ antwortete der Förster; „im Langen 
steinwald spukt der unheimliche Gast. Es ging mir schon 
durch Mark und Bein, als ich sein Föhren hörte, denn 
ich erkannte die Stimme sofort und richtig— — bald 
darauf habe ich ihn dann beim Steinsee eräugt. Ein 
Zweifel ist ausgeschlossen.“ 
„Um Gotteswillen, dann gibt es sicher wieder ein 
Unglück. Der Hirsch scheint der böse Geist der Kern 
haus zu sein. Schon zweien brachte er den Tod, wenn 
auch nicht direkt, so indirekt,“ sprach die Försterin 
bekümmert. „Gottfried melde nichts auf dem Schlosse, 
der junge Herr ist heute Morgen unerwartet auf Besuch 
gekommen. Vielleicht wechselt der Hirsch in wenigen 
Tagen auf anderes Gebiet und zieht wieder weiter.“ 
„Hast leicht reden,“ brummte ihr Mann, „aber es geht 
nicht, die Verantwortung übernehme ich nicht, du kennst 
den strikten Befehl des Herrn Grafen, sofort Meldung zu 
erstatten, wenn je einmal der schwarze Hirsch wieder 
auflauchen sollte. Begreife übrigens, dass es einen echten 
Waidmann reizen muss, diesen alten, schlauen Burschen 
zur Strecke zu bringen. Ich habe dem Herrn Oberförster 
Bericht gemacht, und das weitere geht mich nichts mehr an.“ 
„Unheil nimm deinen Lauf,“ sprach die Försterin. 
„Herr von Ecken ist ein Freigeist, der glaubt nicht an 
solche Märchen, wie er sagt, und du wirst sehen, morgen 
schon geht es los auf den schwarzen Hirsch und einem 
Kernhaus kostet es das Leben.“ 
„Oder endlich einmal dem schwarzen Teufel,“ meinte 
der Förster begütigend. „Der Krug geht solang zum 
Brunnen, bis er bricht, und wenn das Unglückstier zur 
Strecke gebracht sein wird, dann ist auch sein böser 
Zauber zu Ende.“ 
„Gott gebe es,“ seufzte die Försterin, aber ihre Stimme 
klang nicht recht überzeugt. 
Fast im gleichen Augenblicke hörten die Förstersleute 
Tritte auf dem Flur und laute Stimmen, dann klopfte es 
an die Tür und auf das „Herein“ betraten zwei Herren 
das Zimmer. Der erste, eine schlanke, geschmeidige 
Gestalt, war Graf Oskar von Kernhaus, der zweite, ein 
blonder Hüne, der Oberförster Hans von Ecken, ein ehe 
maliger Offizier, der einer Liebe seine Laufbahn opferte 
und dann 'beim Grafen Kernhaus, mit dessen ältestem 
RUDOLPH HERTZOG 
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Breite Strasse 
Brüderstrasse 
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Herbst u. Winter 
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Eigene Werkstätten für Jackenkleider und Mäntel 
Eigene Arbeitstuben für Blusen, Röcke u. Kleider- 
Anf ertigung. 
Schwarze Ueberzieher und Mäntel 
Farbige Ueberzieher und Mäntel 
Regenmäntel * Mantelkleider * Mäntel und Ueberzieher 
Jackenkleider * Blusenkleider * Kleiderröcke * Morgenröcke 
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