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Full text: Berliner Leben Issue 20.1917

Leichner 
Die besten Schönheitspuder. 
Mit der Anwendung von Leichner-Puder übt die elegante Dame anerkannt die 
denkbar modernste Schönheitspflege aus. Der stumpfe interessante Teint der 
vornehmen Welt. Leichner-Puder sind äußerst feine, völlig unsichtbare, ent 
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Einkauf von Luxus-Düften, Puder, Cremes usw. ausdrücklich Leichnei 
„Wie? wen?" Erstaunt sah er von seinem Teller. 
„Ach so — Sie sprachen von dem Bachmann, — 
pardon! — Na, es geht, ein ganz netter Mensch, 
bloss ein bisschen sehr von sich eingenommen,“ — 
und schnell nahm er die unterbrochene Mahlzeit 
wieder aut. 
„Das kann ich durchaus nicht sagen, im Gegenteil, 
ich linde, dass er einem Frauenherzen recht gut ge 
fährlich werden kann. — Aber darf ich Ihnen 
nicht noch ein wenig Braten anbieten?" 
„Na ja! Geben Sie mir noch ein Stückchen, es 
schmeckt gar zu vortrefflich!" rief er strahlend. 
Und als er wieder ass, sagte sie heiter: Also 
nehmen Sie sich in acht, es ist Gefahr im Verzüge.“ 
Er aber verneinte nur lächelnd und kaute un 
besorgt weiter, bis der Nachtisch serviert wurde. 
Nach dem Diner nahm man den Kaffee und als 
er sich behaglich eine Zigarre anbrannte, sagte sie, 
die im Schaukelstuhle lag: „Nun kann ich Ihnen 
übrigens auch gleich eine endgiltige Antwort geben, 
mein Freund.“ 
Fragend sah er sie an. 
Und lächelnd meinte sie: „Ich habe Tisch die 
genaue Beobachtung gemacht, dass Sie sich schon 
sehr stark in dem bewussten dritten Abschnitt befinden 
und deshalb bedaure ich ausserordentlich, Ihren Antrag 
ablehnen zu müssen.“ 
„Scherzen Sie doch nicht immerzu darüber.“ 
„O nein, diesmal ist es mir ernst.“ 
„Aber warum denn jetzt auf einmal der schnelle 
Entschluss?“ fragte er beängstigt. 
„Weil Sie für einen Liebhaber einen zu guten Appetit 
haben, lieber Freund, ich sprach Ihnen von einem Neben 
buhler, Sie aber dachten nur an Ihren Magen; —• wenn 
das schon vor der Ehe geschieht, was erst soll dann noch 
später kommen?“ 
Er wollte noch zu seinem Besten reden, um sich 
wenigstens einen ehrenvollen Abgang zu schaffen, aber 
auch das misslang, denn er redete sich immer tiefer 
hinein, bis es zuletzt nur die eine Möglichkeit gab, schnell 
zu verschwinden. 
Als er fort war, eilte sie an den Schreibtisch, lud den 
Rechtsanwalt Bachmann ein, sie heute abend zum Tee 
zu besuchen und Hess den Brief sofort besorgen. 
Jetzt wollte sie an dem zweiten Freier ihren Trick 
probieren, wie ein Kind freute sie sich darauf! 
Pünktlich um sieben Uhr erschien der Rechtsanwalt, 
ein eleganter, schneidiger Herr. 
„Meine Gnädige, Ihre Einladung hat mich riesig ge 
freut!“ — Mit ritterlicher Eleganz begrüsste er sie und 
küsste ihr die Hand. 
Sie lächelte nur fein und hiess ihn willkommen. 
Als sie fünf Minuten später am Kamin sassen und auf 
dem Esstisch der Teekessel summte, leitete er das Gespräch 
von den alltäglichen Neuigkeiten geschickt zu seinen 
eigenen Interessen über, in dem er — genau wie der 
Doktor — fragte: „Wissen Sie übrigens schon, dass sich 
Landgerichtsrat Weber verlobt hat?“ 
Frau Melanie lächelte, nickte und sagte; „Doktor 
Müller erzählte es mir.“ 
Plötzlich fragte er: „Warum, meine gnädigste Frau, 
heiraten auch Sie nicht wieder?,, 
„Meinen Sie, dass, ich mich beeilen müsste, um den 
rechten Augenblick nicht zu verfehlen?“ Heiter sah sie 
ihn an. 
Auch er wurde lustig. „Wenn ich das auch nicht so 
wörtlich meine, wie Sie es da sagen, so denke ich doch, 
dass diese Frage immerhin so viel Wichtigkeit für Sie 
hat, dass wir sie ernsthaft diskutieren können.“ 
Einen Augenblick sah sie ihn an. Sie ärgerte sich, 
dass er ihr — wenn auch mit heiterem Gesicht — diese 
Lektion geben konnte, dann aber fand sie ihre Ruhe 
wieder und sagte mit ganz leiser Ironie: „Sie vergessen, 
lieber Freund, dass ich kein junges Mädchen mehr bin; 
vor sechs Jahren, als ich heiratete, dachte ich ähnlich so 
wie Sie, — jetzt, nun ich die Ehe und das Leben kenne, 
jetzt denke ich anders darüber. Ich halte die Ehe für ein 
Lotteriespiel, — der Vergleich mag alt sein, aber er ist 
treffend, — einmal bin ich in diesem Spiel mit 
keinem grossen Gewinn herausgekommen, — wes 
halb sollte ich also einen zweiten Versuch machen?“ 
„Weil man dem Glück die Hand bieten muss, — 
um bei Ihrem Gleichnis zu bleiben,“ sagte er, noch 
immer lächelnd. 
„Auch der Begriff von Glück ist sehr ver 
schieden, — ich zum Beispiel lebe ganz glücklich, 
so wie ich mir mein Leben jetzt eingerichtet habe.“ 
„Mit anderen Worten, Sie denken nicht wieder 
an eine Heirat, nicht wahr?“ 
„Das will ich denn doch noch nicht so bestimmt 
gesagt haben,“ entgegnete sie zögernd und schaute 
in die Kaminglut, „wenn der Rechte kommt, dann 
bin ich vielleicht doch nicht abgeneigt, über seinen 
Antrag nachzudenken.“ 
Er räusperte sich ein wenig, holte tief Atem und 
begann: „Nun, Frau Melanie, könnten Sie in mir 
nicht den Rechten sehen?“ 
Noch immer blickte sie in die Kaminglut und 
antwortete nichts. 
„Sie müssen es doch längst gemerkt haben, dass 
ich Ihnen mehr als blosse Freundschaft entgegen 
bringe, Frau Melanie.“ 
Jetzt sah sie ihn an und nickte. „Ich weiss, dass Sie 
sich mit dem Gedanken tragen“ mir einen Antrag zu 
machen, Sie sehen also, ich war darauf gefasst, etwas 
Derartiges von Ihnen zu hören.“ 
Eine Pause entstand. —- Beide sahen sich an. 
Endlich fragte er: „Und was antworten Sie mir, Frau 
Melanie?“ 
Sie zuckte mit den Schultern, stand auf und sagte: 
„Kommen Sie zu Tisch, lassen Sie uns erst ein wenig 
essen.“ 
Er folgte ihr, aber er ärgerte sich, dass sie ihn so 
zappeln Hess, denn er hatte geglaubt, hier ein ganz leichtes 
Spiel zu haben, nun sah er sich enttäuscht und deshalb 
vermochte er nur schwer schwer seinen Unwillen zu 
unterdrücken. 
Als sie bei Tisch sich gegenüber sassen, bemerkte sie, 
dass er sich geärgert hatte. Aber ganz gleichmütig schob 
sie ihm die Schale mit den Kaviarbrötchen hin und bat 
ihn, zuzulangen. 
Er aber dankte. „Wenn Sie gestatten, nehme ich nur 
ein wenig Tee,“ sagte.er nur. 
„Aber nein!“ bat sie. „Das dürfen Sie mir doch nicht 
antun! Geben Sie mal Ihren Teller her, — so, versuchen 
Sie erst mal diese Kaviarschnitte, — und dann ein wenig 
von der Pastete, — auch ein Stückchen von der Ente, 
so — und dann werden Sie schon selber zulangen, wenn 
es Ihnen schmeckt.“ 
Lächelnd besah er den Teller, den sie ihm so appetitlich 
angerichtet hatte. „Alle Achtung. Sie trauen mir einen 
ganz gesegneten Appetit zu.“ 
„Aber ich fühle mich gekränkt, wenn Sie nichts essen 
wollen bei mir! So etwas bin ich gar nicht gewöhnt!“ 
Schelmisch lächelnd sah sie ihn an. 
Und so begannen sie zu essen und es zeigte sich, dass 
auch er durchaus kein Kostverächter von solchen Lecker 
bissen war. 
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