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Full text: Berliner Leben Issue 19.1916

Ruine des früheren Gutshauses Neu-Waldeck. 
Nach dem Wiederaufbau. 
Ostpreussen im Wiederaufbau. 
Mit dem Russeneinfall im August 1914 
zog die Kriegsfurie in ihrer ganzen Qrauen- 
haftigkeit in das schöne Ostpreussenland. 
Felder und Fluren zerstampfend, sengend 
und mordend wälzte sich die russische 
Flut bis dicht vor die Tore Königsbergs. 
Etwa 400 000 Einwohner brachten sich 
durch rechtzeitige Flucht in das Innere des 
Reiches in Sicherheit. Deutsche Feldherrn 
kunst und der unbeugsame Mut unseres 
tapferen Heeres setzten dem barbarischen 
Treiben der feindlichen Kriegshorden sehr 
bald ein Ziel. Die verhältnissmässig kurze 
Zeit hat jedoch genügt ca. 34000 Gebäude 
zu zerstören und namenloses Elend in 
unserer Orenzprovinz zu verbreiten. 
Wenn die geflüchteten Ostpreussen auch 
überall im Reiche eine ausserordentlich 
liebevolle, freundliche Aufnahme fanden, 
zog sie die Sehnsucht nach ihrer heimat 
lichen Scholle doch sehr bald wieder zur 
alt gewohnten Stätte ihrer Wirksamkeit 
zurück. Gleich nach dem Zurückweichen 
der Russen setzte die Rückwanderung ein 
und heute sind fast alle wieder in die 
Heimat zurückgekehrl. 
Viele fanden, tief erschüttert, nur die 
Trümmer ihrer ganzen Habe vor, anderen 
waren zwar Teile ihres Besitzes erhalten 
geblieben, aber sie befanden sich in einem 
unbeschreiblichen Zustande wilder, mut 
williger Zerstörung. — Unsägliche Schwie- 
Gebr. Haeckel, Berlin 
Russische Hilfskräfte auf Neu-Waldeck. Im Vordergrund die beim Einfall der Russen 
zurückgebliebenen zwei Frauen. 
rigkeiten galt es zu überwinden, um neues 
Leben aus den Ruinen zu erwecken. Schon 
jetzt ist ein Teil der zerstörten Gebäude 
endgültig wieder aufgebaut. Es ist sogar 
gelungen, und das zeugt von der Zähigkeit 
unserer Ostpreussen, ein völlig zerstört 
gewesenes grösseres Gut vollständig fertig 
und endgültig wieder aufzubauen. Unser 
Bild oben links zeigt die Ruine, die der 
Rittergutsbesitzer Homp in Neu-Waldeck, 
Kreis Pr.-Eylau, bei seiner Rückkehr von 
der Flucht vorfand; und in derselben Ver 
fassung befanden sich die Wirtschafts 
gebäude und Arbeiterhäuser. Am 25. August 
1914 waren grosse SchaarenOstpreussischer 
Flüchtlinge durch das Gut Neu-Waldeck 
gezogen und veranlassten auch diesen Be 
sitzer, der immer näher rückenden Russen 
flut auszuweichen. Das Notwendigste für 
sich und seine Leute wurde auf die Outs- 
wagen geladen, das Vieh wurde von der 
Weide geholt und die heimatliche Stätte 
einem unbestimmten Schicksal überlassen. 
Nur zwei Arbeiterfrauen, die nicht zur 
Flucht zu bewegen waren, blieben allein 
zurück. Sie wurden von den am folgenden 
Tage einrückenden Russen sogleich für 
die Bereitung ihrer Mahlzeiten herange- 
gezogen. Nur zwei Tage währte aller 
dings der Aufenthalt der ungebetenen 
Gäste. Sie mussten eiligst den Rückzug 
antreten, fanden aber noch Zeit, vorher 
sämtliche Outsgebäude, zehn an der Zahl, 
in Brand zu stecken und fast vollständig 
zu vernichten.
        
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