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Full text: Berliner Leben Issue 19.1916

französische Wiedereroberungsversuche behauptet. Die 
Zahl der nordwestlich des Gehöftes La Folie gemachten 
Gefangenen erhöht sich auf 318 Mann, die Beute auf 
11 Maschinengewehre. Gegen die am 28. Januar süd 
lich der Somme von schlesischen Truppen genommene 
Stellung richteten die Franzosen mehrfache Feuerüber 
fälle. In Erwiderung des Bombenabwurfs französischer 
Luftfahrzeuge auf die offene, ausserhalb des Operations 
gebietes liegende Stadt Freiburg haben unsere Luftschiffe 
in den beiden letzten Nächten die Festung Paris mit 
anscheinend befriedigendem Erfolge angegriffen. 
1. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Südlich der 
Somme verloren die Franzosen im Handgranatenkampf 
noch weiteren Boden. — Balkan-Kriegsschauplatz. Eins 
unserer Luftschiffe griff Schiffe und Depots der Entente 
im Hafen von Saloniki mit beobachtetem, gutem Erfolge 
an. — Eines unserer Marineluftschiffgeschwader hat in 
der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar Dock-, Hafen- 
und Fabrikanlagen in und bei Liverpool und Birken- 
head, Eisenwerke und Hochöfen von Manchester, Fa 
briken und Hochöfen von Nottingham und Sheffield 
sowie grosse Industrieanlagen am Humber und bei 
Great Yarmouth ausgiebig mit Spreng- und Brandbomben 
belegt. Ueberall wurde starke Wirkung durch mächtige 
Explosionen und heftige Brände beobachtet. Am Humber 
wurde ausserdem eine Batterie zum Schweigen gebracht. 
Die Luftschiffe wurden von allen Plätzen aus stark be 
schossen, aber nicht getroffen. 
2. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Die feindliche 
Artillerie entwickelte in einzelnen Abschnitten der Cham 
pagne und östlich von St.-Die (in den Vogesen) grosse 
Lebhaftigkeit. Die Stadt Lens wurde abermals vom 
Gegner beschossen. Ein französisches Grossflugzeug 
stürzte, von unserem Abwehrfeuer gefasst, südwestlich 
von Chauny ab; die Insassen sind verwundet gefangen 
genommen. — Oestlicher Kriegsschauplatz. Eine stärkere 
russische Abteilung wurde von deutschen Streifkom 
mandos an der Wiesielucha südlich von Kuchecka 
Wola (zwischen Stochod und Styr) angegriffen und auf 
gerieben. 
3. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. In Flandern 
antwortete die gegnerische Artillerie lebhaft auf unsere 
in breiterer Front durchgeführte starke Beschiessung der 
feindlichen Stellungen. Unsere Flieger schossen ein 
englisches und ein französisches Kampfflugzeug in der 
Gegend von Peronne ab. 
4. Februar. Am 31. Januar und 1. Februar hat ein deutsches 
Unterseeboot in der Themsemündung einen englischen 
armierten Bewachungsdampfer, einen belgischen und 
drei englische zu Bewachungszwecken dienende Fisch 
dampfer versenkt. Das Marineluftschiff „L. 19“ ist von 
einer Aufklärungsfahrt nicht zurückgekehrt. Das Luft 
schiff wurde nach einer Reutermeldung am 2. Februar 
von dem in Grimsby beheimateten englischen Fisch 
dampfer „King Stephan“ in der Nordsee treibend an- 
getroflen, Gondel und Luftschiffkörper teilweise unter 
Wasser; die Besatzung befand sich auf dem über Wasser 
befindlichen Teil des Luftschiffes. Die Bitte um Rettung 
wurde von dem englischen Kapitän abgeschlagen, 
unter dem Vorgeben, dass seine Besatzung schwächer 
sei, als die des Luftschiffes. 
5. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Ein kleiner 
englischer Vorstoss südlich des Kanals von La Bassee 
wurde abgewiesen. Ein durch Wurfminenfeuer vor 
bereiteter französischer Handgranatenangriff südlich der 
Somme brach in unserem Artilleriefeuer zusammen. 
Unsere Artillerie beschoss ausgiebig die feindlichen 
Stellungen auf der Vogesenfront zwischen Diepolshausen 
und Sulzern, — Oestl. Kriegsschauplatz. Eins unserer 
Luftschiffe griff die Befestigungen von Dünaburg an. 
6. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Kleinere eng 
lische Abteilungen, die südwestlich von Messines und 
südlich des Kanals von La Bassce vorzustossen ver 
suchten, wurden abgewiesen. 
7. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Fleftige Artillerie 
kämpfe zwischen dem Kanal von La Bassee und Arras 
sowie südlich der Somme. Die Stadt Lens wurde in 
den letzten Tagen vom Feinde lebhaft beschossen. In 
den Argonnen sprengten und besetzten die Franzosen 
auf der Höhe 285 (La Fülle Morte) nordöstlich von La 
Chalade einen Trichter, wurden aber durch einen Gegen- 
stoss sofort daraus vertrieben. — Seine Königliche 
Hoheit Oberst Prinz Oskar von Preussen ist an der 
Ostfront durch Granatsplitter am Kopf und an einem 
Oberschenkel leicht verwundet worden. 
8. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Südlich der 
Somme herrschte lebhafte Kampftätigkeit. In der Nacht 
vom 6. zum 7. Februar war ein kleines Grabenstück 
unserer neuen Stellung verlorengegangen. Ein gestern 
mittag durch starkes Feuer vorbereiteter französischer 
Angriff wurde abgewiesen; am Abend brachte uns 
ein Gegenangriff wieder in den vollen Besitz unserer 
Stellung. Ein deutsches Flugzeuggeschwader griff die 
Bahnanlagen von Poperinghe und englische Truppen 
lager zwischen Poperinghe und Dixmude an. Es kehrte 
nach mehrfachen Kämpfen mit dem zur Abwehr auf 
gestiegenen Gegner ohne Verluste zurück. 
9. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Westlich von 
Vimy stürmten unsere Truppen die erste französische 
Linie in 800 Meter Ausdehnung, machten über hundert 
Gefangene und erbeuteten 5 Maschinengewehre. Im 
Priesterwald wurde von unserer Infanterie ein feindliches 
Flugzeug abgeschossen. Es stürzte brennend ab. Beide 
Insassen sind tot. 
10. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Nordwestlich 
von Vimy entrissen unsere Truppen den Franzosen ein 
grösseres Grabenstück und gewannen in der Gegend 
von Neuville einen der früher verlorenen Trichter zu 
rück. 52 Gefangene und 2 Maschinengewehre fielen 
in unsere Hand. Auf der Combres-FIöhe quetschten 
wir durch Sprengung einen feindlichen Minenstollen ab. 
11. Februar.’ In der Nacht vom 10. zum 11. Februar trafen 
bei einem Torpedobootsvorstoss unsere Boote auf der 
Doggerbank etwa 120 Seemeilen östlich der englischen 
Küste auf mehrere englische Kreuzer, die alsbald die 
Flucht ergriffen. Unsere Boote nahmen die Verfolgung 
auf. versenkten den neuen Kreuzer „Arabis“ und er 
zielten einen Torpedotrefter auf einen zweiten Kreuzer, 
der, wie nachträglich gemeldet, auch gesunken ist. 
Durch unsere Torpedoboote wurden der Kommandant 
der „Arabis“, ferner zwei Offiziere und 21 Mann ge 
rettet. Unsere Streitkräfte haben keinerlei Beschädigung 
oder Verluste erlitten. 
12. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Nach heftigstem 
Feuer auf einen grossen Teil unserer Front in der Cham- 
pagne griffen die Franzosen abends östlich des Gehöftes 
Maison de Champagne (nordwestlich von Massiges) an 
und drangen in einer Breite von noch nicht 200 Meter 
in unsere Stellung ein. — Ein deutsches Unterseeboot 
hat am 8. Februar an der syrischen Küste südlich von 
Beirut das französische Linienschiff „Suffren“ versenkt. 
13. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. In Flandern 
drangen nach lebhaltern Artilleriekampfe Patrouillen und 
stärkere Erkundungsabteilungen in die feindlichen 
Stellungen ein. Sie nahmen einige wirkungsvolle Spren 
gungen vor und machten südöstlich von Boesinghe über 
40 Engländer zu Gefangenen. Englische Artillerie be 
schoss gestern und vorgestern die Stadt Lille mit gutem 
sachlichen Ergebnis; Verluste oder militärischer Schaden 
wurden uns dadurch nicht verursacht. In den Kämpfen 
in der Gegend nordwestlich und westlich von Vimy bis 
zum 9. Februar sind im ganzen 9 Offiziere, 682 Mann 
gefangengenommen worden, die Gesamtbeute beträgt 
35 Maschinengewehre, zwei Minenwerfer und anderes 
Gerät. In der Champagne stürmten wir südlich von 
Ste. Marie-ä-Py die französischen Stellungen in einer 
Ausdehnung von etwa 700 Meter und nahmen vier 
Offiziere, 202 Mann gefangen. Zwischen Maas und 
Mosel zerstörten wir durch fünf grosse Sprengungen die 
vorderen feindlichen Gräben völlig in je 30—40 Meter 
Breite. Unsere Flugzeuggeschwader belegten die feind 
lichen Etappen- und Bahnanlagen von La Panne und 
Poperinghe ausgiebig mit Bomben. — Oestlicher Kriegs 
schauplatz. Oestlich von Baranowitschi wurden zwei 
von den Russen noch anf dem westlichen Schara-Ufer 
gehaltene Vorwerke gestürmt. 
14. Februar. Westl. Kriegsschauplatz. In der Champagne 
wurden zwei feindliche Gegenangriffe südlich von Ste.- 
Marie-ä-Py glatt abgewiesen. Nordwestlich von Tahure 
entrissen wir den FYanzosen im Sturm über 700 Meter 
ihrer Stellung. Der Feind liess 7 Offiziere und 500 Mann 
gefangen in unsererlland und büsste 3Maschinengewehre 
und 5 Minenwerfer ein. Bei Obersept (nahe der franz. 
Grenze nordwestlich von Pfirt) nahmen wir die franzö 
sischen Gräben in einer Ausdehnung von 400 Meter. 
G. Schlechten 
Gegründet 1853 
Hol - Pianolorte - Fabrikant 
BERLIN SW. 68 
nur: Kochstr. 62
        
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