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Full text: Berliner Leben Issue 19.1916

Kunstausstellung zum Besten der Tagesheime für Soldatenkinder. 
phot. Gebr. Haeckei, Berlin. 
Gasgefüllte Wotan-Lampen in kleinen Lichtstärken 
sind eine neue Erscheinung auf dem Gebiete der strom 
sparenden elektrischen Glühlampen. 
Als im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts die Mög 
lichkeit erkannt wurde, den elektrischen Strom durch eine 
beliebige Zahl von Leitungs-Abzweigungen an jeden ge 
wünschten Verwendungsort zu bringen, ihn also beliebig zu 
unterteilen, gelang es auch bald, ihn mit Hilfe der von Edison 
erfundenen Kohlefaden-Glühiampen für die Kleinbeleuchtung 
im weitesten Umfange nutzbar zu machen. 
Im Jahre 1882 wurde die erste europäische Kohlefaden- 
Glühlampenfabrik von Siemens & Halske in Berlin er 
richtet, welche seitdem diese Lampenart herstellt. Es ist in 
der Zwischenzeit nicht möglich gewesen, ihre Lichtausbeute, 
d. h. das Verhältnis des erhaltenen Lichtes zur verbrauchten 
elektrischen Energie, nennenswert zu verbessern. Das be 
sondere Merkmal dieser Lampen besteht darin, das ein aus 
geeignetem Material hergestellter Kohlefaden im luftleer 
gepumpten Raum vom elektrischen Strom durchflossen und 
dadurch auf eine Temperatur erhitzt wird, welche sich zur 
Abgabe von Licht eignet. Das vorzeitige Verbrennen des 
Leuchtfadens wird dadurch wirksam verhindert, dass durch 
Auspumpen der Luft aus der Glasglocke auch die letzten 
Reste von Sauerstoff oder anderen den Verbrennungsvor- 
gang fördernden Gasen entfernt werden. 
Noch im Jahre 1903, als Siemens & Halske dazu über 
gehen konnten, in der Tantal-Lampe die erste Metalldraht- 
Lampe auf den Markt zu bringen, wurde es für selbstver 
ständlich gehalten, den glühenden Metalldraht in der bei 
den Kohletadenlampen üblichen Weise, d. h. durch Glühen 
im luftleeren Raume, vor der Zerstörung zu schützen. 
Auch die Wotan-Lampe, die älteste Glühlampe mit einem 
Leuchtdraht aus gezogenem Wolfram -Metall, wird heute noch 
in grösstem Umfange als sogen. Vakuum-Lampe hergestellt. 
Erst als sich im Jahre 1913 die Erkenntnis durchsetzte, dass 
bei einer geänderten Formgebung des Leuchtkörpers aus ge 
zogenem Metall und Füllung der Glasglocke mit indifferentem 
Gase (Stickstoff) eine gegenüber den modernen Draht-Lampen 
noch weitergehende Verminderung des Verbrauchs an 
elektrischer Energie pro abgegebene Lichteinheit möglich 
war, verlor die ältere Herstellungs-Methode die bis dahin 
innegehabte Alleinherrschaft. Während im Vakuum der über 
eine gewisse Temperatur hinaus erhitzte Leuchtdraht sehr 
bald zugrunde geht, heben geeignete den Leuchtkörper 
umspülende Gase diese schädliche Einwirkung wieder auf. 
Zunächst nur für grössere Licht-Einheiten, dann sprung 
haft zu immer kleineren Lichtstärken übergehend, wurden 
gasgetüllte Glühlampen als sogenannte Halbwatt-Lampen 
angeboten, als welche sie sich ein sicheres Feld eroberten. 
Bei Lampengrössen unter 100 Kerzen indes, wie sie für die 
elektrische Beleuchtung von Innenräumen, wie Wohnungen, 
Läden, Werkstätten und dergl. in vielen Millionen jährlich 
verbraucht werden, schien die Entwickelung zum Stillstand 
kommen zu wollen. Inzwischen waren aber die Chemiker 
und Glühlampentechniker in ihren Laboratorien an der Arbeit. 
Metalle mit hohem Schmelzpunkt und ihre Legierungen, 
Edelgase, welche die Einwirkung des chemisch reinen Stick 
stoffs übertreffen, wurden in ihrem Verhalten und auf ihre 
Eignung für die Herstellung elektrischer Glühlampen 
untersucht. Kam es doch darauf an, den Leuchtkörper in 
der Lampe auf eine seinem Schmelzpunkt sehr naheliegende 
Temperatur zu bringen, ohne dass er in kürzester Zeit 
vernichtet wird. Je höher man die Temperatur steigert, 
desto grösser ist die abgegebene Lichtmenge und desto 
geringer wird die im Verhältnis zu ihr verbrauchte elek 
trische Energie. Dabei muss aber eine wirklich brauchbare 
Glühlampe effektive Brennzeiten von wengistens 600 — 
800 Stunden erreichen, wobei diejenigen kürzeren oder- 
längeren Brennperioden zusammenzurechnen sind, in denen 
die Lampe tatsächlich ihr Licht abgibt. 
Als dann die Siemens & Halske A.-G. im Juni 1915 ihre 
neuen Wotan-Lampen Type „G“ in den Verkehr 
bringen konnte, war diesen kleinen 
stromsparenden Glühlampen für Innen- 
Beleuchtungen infolge ihres schönen, 
weissen Lichts und ihres sehr geringen 
Verbrauchs an elektrischer Energie ein 
voller Erfolg beschieden. In Grössen 
von 40 bis i 00 Watt hergestellt, zeich 
nen sie sich ausserdem durch vorteil 
hafte Verteilung des Lichts und die 
gewählte geschmackvolle Form aus. 
Durch rastlose Arbeit im Laute des 
letzten Jahres ist es der Firma gelungen, 
Verbesserungen zu erzielen, welche es 
ihr ermöglichen, diese begehrte Lampe 
in noch kleineren Einheiten für nur 
25 Watt bei 100 bis 130 Volt, 40 Watt 
bei 140 bis 165 Volt und 60 Watt 
bei 200 bis 240 Volt herzuslellen und 
so auch dem Klein-Verbraucher elektrischen Lichts eine 
billige, trotz sparsamsten Verbrauchs ergiebige Lichtquelle 
zu schaffen. 
Z um Besten der 
„Tagesheime 
für Soldatenkinder “ 
wurde unter der 
Schulzherrschaft 
Ihrer Königl. Hoheit 
der Frau Prinzes 
sin Eitel Friedrich 
im Kunstsalon 
Kochstrasse 6-7 
durch die bekannte 
Portraitmalerin Frau 
Maria Patäky eine 
Ausstellung zahl 
reicher Werke erster 
Künstler geschaffen, 
der in Anbetracht 
des guten Zweckes 
ein recht reger Be 
such zu wünschen 
ist. Unser Bild zeigt 
rechts sitzend die 
Malerin Pataky, um 
geben von den von 
ihr geschaffenen Bil 
dern bekannter Per 
sönlichkeiten. Links 
stehend Frau Else 
Becker, die Vor 
sitzende der Tages 
heime.
        
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