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Full text: Berliner Leben Issue 19.1916

Hermine Körner! 
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Drama in 4 Akten von Fred Sauer 
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Schauspiel ln 4 Akten von Hein* Carl Heiland 
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„Zunächst „guten Abend“. Ich möchte 
gern zehn Minuten in Ruhe mit Ihnen 
sprechen,“ sagte der Fremde in herablassen 
dem Ton. 
„Dann beeilen Sie sich, denn ich möchte 
in zehn Minuten im Bett liegen.“ 
„Sehr wohl, Sie gefallen mir. Schade, 
dass ich Sie nicht schon früher kennen 
gelernt habe.“ 
„Danke für die Freundlichkeit,“ erwiderte 
Gerd ironisch. „Aber kommen Sie bitte 
zum Ziel.“ 
„Meinen Namen nenne ich Ihnen nicht. 
Ich kenne Sie und weiss, dass Sie ein präch 
tiger Kerl sind. Was mich anbetrifft, so lebe 
ich von der Güte der Menschen — ich bin 
nämlich Einbruchsdieb. Ich habe mit vier 
Genossen den Plan gefasst, einen Einbruch 
in das Kassengewölbe der Zentralbank zu 
verüben. Wir haben bereits von dem 
Nebenhause aus, das wir gemietet haben, 
eine Oeffnung in die Mauer gebohrt. Nach 
sechswöchiger Arbeit sind wir nun so weit 
gekommen, dass wir jeden Augenblick unser 
Vorhaben ausführen können.“ 
„Und weshalb kommen Sie zu mir, um 
mir das zu erzählen? Wissen Sie nicht, 
dass ich der Letzte bin, dem Sie Ihre Ab 
sicht anvertrauen dürften, falls Sie es wirklich 
ernst meinten? Wenn Sie mich so gut 
kennen, wie Sie behaupten, dann wird es 
Ihnen nicht fremd sein, dass einige meiner 
besten Freunde in der Zentralbank angestellt 
sind, dass Direktor Nobel mir ein väterlicher Freund ist, 
und dass ich, sobald Sie dieses Zimmer verlassen haben, 
Ihren Plan verraten und Sie mit Ihren Genossen in eine 
schlimme Lage bringen werde. Finden Sie es nicht auch 
am gescheitesten, mich ruhig zu Bett gehen zu lassen? 
Und darf ich mir erlauben, Ihnen die Polizei als Treffplatz 
für unsere zweite Unterredung morgen vorzuschlagen?“ 
Der Fremde fuhr lächelnd fort: 
„Sie kennen nun meine Absicht, Herr Willing. Und 
zwar möchte ich für unseren Einbruch, wie Sie sich 
denken können, eine Nacht wählen in der sich besonders 
grosse Summen in dem Kassengewölbe befinden. Ich 
kann leider nicht herausbekommen, welche Nacht die 
geeignetste wäre. Ich weiss, wie gute Freunde Sie 
in der Bank haben. Besuchen Sie sie, und lassen Sie 
sich von ihnen verraten, an welchem Tage wir unseren 
besten Fang tun können, und Sie bekommen für Ihre 
Mühe eine viertel Million. Nun, was sagen sie dazu?“ 
„Willing mass den Mann mit einem verächtlichen 
Blick. Er wünschte, seine Waffe bei der Hand zu haben. 
Der andere aber schien seine Gedanken zu erraten. 
„Es nützt Ihnen nichts, Herr Willing. Sie sind zwar 
ein kluger Mann, doch mich hintergehen Sie nicht. 
Ausserdem bin ich gut bewaffnet. Ein Einbrecher braucht 
nicht seine Fäuste, wenn er das Messer in Reichweite hat. 
„Aber ich lehne Ihren Vorschlag ab. Verlassen Sie 
augenblicklich mein Zimmer.“ 
„Gewiss.“ Er sah sich im Zimmer um und suchte 
nach einem bequemeren Stuhl. In demselben Augenblick 
stürzte Willing vor. Der Einbrecher wandte sich hastig 
und streckte die Hand aus, in der ein langes Messer blitzte. 
„Nur Ruhe, Herr Willing! Es würde ihr sicherer 
Tod sein, wenn Sie mir trotzten. Die Polizei können Sie 
nicht herbeirufen. Mein Angebot ist grossartig, und 
nehmen Sie es nicht an, so schlafen Sie morgen einen 
so tiefen Schlaf, dass keiner Ihrer Freunde Sie daraus zu 
wecken vermag.“ 
„Sie wollen mich ermorden?“ 
„Ich gebe Ihnen Bedenkzeit bis morgen abend — aber 
dann muss ich Antwort haben. Ueberlegen Sie sich’s 
wohl. Der Tod auf der einen Seite, auf der anderen 
das Leben und ein grosses Vermögen. 
„Und meine Ehre?“ 
„Wie Sie wollen. Sie können inzwischen schlafen und 
essen. Aber Sie gestatten wohl, dass ich so lange Ihr 
Gast bin.“ — — — 
Und als Willing am nächsten Morgen frühstückte, 
sass der Fremde am Tische und las seine Zeitung. 
„Ich gehe zur Bank, sobald ich gefrühstückt habe“, 
sagte Willing, „Sie kommen doch hoffentlich mit?“ fragte 
er höhnisch. 
„Gewiss, gern.“ 
„Sie wagen es?“ 
„Natürlich! Wagen Sie es etwa, mir zu trotzen?“ 
„Sobald wir die Bank erreicht haben gebe ich Sie an,“ 
„Mein lieber Willing, wie Sie bereits erkannt haben, 
bin ich an und für sich kein Gewaltsmensch. 
Ich hasse die Brutalität, obwohl ich zuweilen 
gezwungen bin, sie anzuwenden. Bei sol 
chen Gelegenheiten benutze ich gedungene 
Hilfe, ich habe meine Untergebenen, die 
derlei Arbeit ausführen. Soeben fällt mir 
ein, dass draussen ein Mann steht, der 
während der ganzen Nacht auf mein Signal 
gewartet hat. Er folgt uns, und auf mein 
geringstes Zeichen hin benachrichigt er sofort 
meine Genossen.“ 
Der Weg zur Bank erschien Willing viel 
zu kurz. Er dachfe einen Augenblick an 
den ihm von dem Banditen gemachten Vor 
schlag. Eine viertel Million . . .! Welch 
ein Vermögen. Aber Nobel der Direktor 
der Zentralbank war seit etlichen Jahren 
sein Beschützer. Willing kam oft in sein 
Haus und musizierte mit seiner schönen 
jungen Tochter. Er hoffte, des Vaters Jawort 
zu erhalten, wenn er um ihre Hand anhielt. 
Doch das durfte er nicht wagen, so lange 
er nur ein Jahreseinkommen von 5000 M. 
hatte. Der Kassierer war sein persönlicher 
Freund, die Kontoristen kannte er — alle 
sahen in ihm den Vertrauten des Chefs. 
Aber die Räuber würden ihn töten, wenn 
er sich weigerte — ebenso sicher, wie sie 
ihn vor der Entdeckung schützen würden, 
wenn er ihnen den Willen täte. 
Nun waren sie da. Sie traten ein. 
Direktor Nobel war in seinem Kontor. 
„Nun, mein Junge, wie geht’s Dir?“ 
fragte er freundlich. „Aber was hast Du denn?“ fügte 
er im nächsten Augenblick hinzu. 
Willings Augen waren starr geworden, seine Zunge 
versagte den Dienst. Neben ihm stand der Einbrecher, 
er wusste, dass sein Leben in unbarmherzigen Händen 
lag. Er richtete sich jedoch auf und sagte: 
„Ich komme heute her, um zu fragen, wann die grosse 
Geldsendung von der Regierung erwartet wird. Sie . . . 
brauchen mir nicht zu antworten ... rufen sie sofort die 
Polizei herbei . . . Dieser Mann hier ist ein gefährlicher 
Dieb. Er will die Bank bestehlen und mich zu seinem 
Mitschuldigen machen. Stellen Sie sofort die Verbindung 
her, ich will den Schlingel inzwischen im Zaum halten, 
bis Hilfe herbeikommt. Es gilt rasch zu handeln, ehe er 
seinen Genossen einZeichen gibt. KlingelnSie! KlingelnSie! 
Aber der Direktor lächelte nur, und der Einbrecher brach 
in ein helles Gelächter aus. Willing starrte sie verblüfft an. 
„Ich wollte Dich nur auf die Probe stellen, Gerd Willing, 
und mein Freund, ein junger Detektiv, erbot sich mir zu 
helfen. Ich brauche einen zuverlässigen Prokuristen. Es 
freut mich zu sehen, dass Du der Rechte wärest, und ich 
frage Dich, ob Du bereit bist, die Stellung; bei mir anzu 
nehmen. Dein Gehalt beträgt 40,000 M. jährlich.“ 
Willing war einer Ohnmacht nahe, beherrschte sich aber. 
Der Direktor drückte auf einen elektrischen Knopf. 
Eine Tür öffnete sich, und ein junges Mädchen trat ein. 
Sie sah Willing einen Augenblick an und rief dann aus: 
„Ich sage an seiner Stelle ja.“
        
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