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Full text: Berliner Leben Issue 19.1916

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Der Giftmischer. 
Eine lustige Geschichte von Paul Bliss. 
(Nachdruck verboten.) 
Herr Waldemar Rebus, ein rüstiger Witwer von fünfzig 
Jahren, führt sonst ein recht glückliches Leben, nur eins 
gibt es, was dem alten Herrn manche böse Stunde, oder 
doch manch verärgerten Augenblick bereitet, nebenan bei 
ihm wohnt ein junger Arzt — und Papa Rebus hasst 
die Aerzte. 
Wie kommt das? Ja, das ist nahezu tragikomisch. 
Dieser Hass auf alle Mediziner ist in der Familie Rebus 
gewissermassen althergebracht übertragen. 
Der Urgrosspapa des Hauses hatte seine Frau durch 
die Schuld eines unwissenden Arztes verloren, wenigstens 
hatte der alte Herr das immer behauptet, — darob nalür- 
türlich hasste er den unglücklichen Arzt, und nach und 
nach erstreckte dieser Hass sich auf den ganzen ärztlichen 
Stand. Das hatte sich denn auch wirklich derartig ein 
gewurzelt, dass diese Verbitterung sich von einem Ge 
schlecht auf das andere vererbte, so dass man, wenn es 
irgend tunlich war, sich stets ohne Arzt zu behelfen 
wusste; glücklicherweise waren fast alle Nachkommen der 
Familie gesund und kräftig, musste aber doch mal einer 
vorzeitig ins Gras heissen, dann traf die Schuld daran 
natürlich immer nur den unglücklichen Arzt; und so fand 
dieser alte Hass neue Nahrung, als die Gattin des Herrn 
Waldemar Rebus ganz plötzlich am Herzschlag starb, 
denn natürlich hatte der hinzugezogene Arzt die Kranke 
falsch behandelt, — so wenigstensbehaupteteHerr Waldemar. 
Und so kam es denn, dass der alteingewurzelte Hass 
auch in diesem letzten männlichen Mitglied der Familie 
alltäglich neue Nahrung fand, denn der Doktor Meinhold, 
nebenan bei Herrn Waldemar, hatte eine sehr grosse 
Praxis, die alltäglich ganze Scharen leidender Menschen 
in sein Sprechzimmer führte, und Herr Waldemar, der 
als Rentier natürlich gern zum Fenster hinaussah, musste 
stets zu seinem tiefen Bedauern sehen, wie all diese Heilung 
suchenden Kranken diesem „Kurpfuscher“ zuliefen. 
Darüber ärgerte er sich täglich von neuem; da er aber 
daran nichts ändern konnte, so hasste er die Mediziner 
im allgemeinen und seinen Nachbarn im besonderen noch 
wütender und sann nur auf eine passende Gelegenheit, 
wo er an ihm einmal seinen ganzen Groll auslassen könne. 
Nun hatte Herr Waldemar Rebus auch eine Tochter, 
die Lisa hiess und ein hübsches, fesches und lustiges 
Mädchen war; dieser neunzehnjährige Kobold war das 
erste Familienmitglied, das aus der Art schlug, insofern 
nämlich, dass es den alteingewurzelten Hass nicht mit 
machte, sondern im Gegenteil gerade für den ärztlichen 
Stand im allgemeinen und für Herrn Dr. Meinhold im 
besonderen eine recht rege Liebe zeigte. 
Und das kam so; natürlich hatte ihr Papa sie oft ge 
warnt, sich vor diesen Aeskulapjüngern zu hüten, und 
ebenso war gerade dieses Verbots wegen das Interesse 
nur um so grösser geworden, wovon der gute Papa selbst 
verständlich nicht die leiseste Ahnung hatte. 
Als Lisa achtzehn Jahre alt war, halte gerade Herr 
Dr. Meinhold sich im Hause nebenan niedergelassen; da 
war es denn auch nicht wunderbar, dass sie den neuen 
Nachbar öfters zu Gesicht bekam. Und da der junge Arzt 
eine vornehme, männlich schöne Erscheinung war mit 
schwarzem Haar und flottem Schnurrbart, so war es eigent 
lich noch weniger wunderbar, dass Lisa sich schon in den 
ersten acht Tagen sterblich in ihn verliebte, denn gerade 
so hatte sie sich ihren Zukünftigen vorgestellt. 
Und Dr. Meinhold war kein Unmensch; auch er liebte 
hübsche, lustige Mädchen, und so kam es denn, wie es 
ja nur kommen konnte, — schon nach vier Wochen 
waren beide einig, dass sie zu einander gehörten und dass 
sie Mann und Frau werden mussten. 
Aber Papa Rebus? 
Das war die unüberbrückbare Kluft. Da standen nun 
die verliebten jungen Leute und wussten keinen Rat. 
Denn darüber waren beide klar, in Güte war der Papa 
nie zu gewinnen, also musste man ganz ernsthaft darüber 
nachdenken, wie man den alten I lerrn durch eine List 
zu überrumpeln suchte. 
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Papa Rebus hatte eine alte Haushälterin, die seit dem 
Tode der Hausfrau die Wirtschaft führte. Amalie hiess 
die gute Matrone, die in dem Rufe stand, eine hervor 
ragend gute Köchin zu sein. Und Papa Rebus, der ein 
kleiner Feinschmecker war, wusste diese treffliche Eigen 
schaft der guten Amalie auch gebührend zu schätzen. So 
kam es, dass die brave Person in dem grossen Hause 
ganz nach ihrem Belieben schalten konnte. 
Hier warf die verliebte kleine Lisa ihren Hoffnungs- 
anker aus. Sie erzählte der würdigen Alten all ihren ge 
heimen Liebeskummer und erbat ihren Beistand. Das 
schmeichelte der alten Köchin ungemein, und weil sie das 
Fräulein gern hatte und aus ihrer eigenen Jugendzeit 
auch noch wusste, wie weh unglückliche Liebe tut, ver 
sprach sie den jungen Leuten ihren ganzen Beistand. 
Acht Tage später begann Amalie über Kopfweh und 
Uebelkeit zu klagen. Jetzt war ihr Plan fertig. Sie wollte 
die Liebenden retten. 
Herr Waldemar bekam nicht einen geringen Schreck. 
Er kramte seine ganze Hausapotheke durch nach einem 
geeigneten Mittel, aber umsonst, nichts half. 
Wiederum zwei Page später verschlimmerte sich das 
Leiden der guten Amalie derart, dass sie ihrem Beruf 
nicht mehr nachgehen konnte. Das zweite Mädchen 
musste kochen. 
Herr Waldemar war ausser sich. Natürlich konnte 
das zweite Mädchen nicht kochen. Man darbte. 
Endlich entschloss sich der alte Herr, einen sogenannten 
Naturarzt um Rat zu fragen. 
Aber auch das war zwecklos, denn nach weiteren zwei 
Tagen war Amalie nur noch mehr angegriffen. 
Herr Waldemar schlich umher wie ein Gespenst. Bei 
Tage nichts Gutes mehr zu essen, und nachts keine Ruhe 
vor Aerger und Angst, das ertrug er nicht. 
Plötzlich verlangte Amalie, dass der Dr. Meinhold ge 
rufen würde. 
Papa Rebus war starr vor Entsetzen. Er versuchte 
alles Mögliche, um ihr diese Idee zu vertreiben, er malte 
den Doktor als einen Giftmischer, umsonst, Amalie wollte 
ihren Willen haben. 
Was nun? Der alte Herr ging ratlos umher. Er 
wusste nicht, wie er anders Hilfe schaffen konnte. Schliess 
lich wurde der Arzt von nebenan geholt. 
Dr. Meinhold kam, untersuchte lächelnd die arme 
Kranke, verschrieb dann etwas und ging wieder, — morgen 
würde er wieder kommen. 
Papa Waldemar liess sich nicht sehen.
        
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