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Full text: Berliner Leben Issue 19.1916

29. Dezember. Westlicher Kriegsschauplatz. Westende 
wurde wiederum durch einen feindlichen Monitor be 
schossen, diesmal ohne jede Wirkung. Ein feindlicher 
Vorstoss am Hirzstein brach in unserem Feuer zusammen. 
Am Abend griffen die Franzosen zweimal die von uns 
zurückeroberten Stellungen auf dem Plartmannsweiler- 
kopf an. Sie drangen teilweise in unsere Gräben ein. 
Nach dem ersten Angriff wurde der Feind überall sofort 
wieder vertrieben. An Gefangenen büssten die Franzosen 
bisher fünf Offiziere und über 200 Mann ein. 
30. Dezember. Westlicher Kriegsschauplatz. In der 
Nacht zum 29. Dezember missglückten englische Ver 
suche nordwestlich von Lille, durch Ueberraschung in 
unsere Stellungen einzudringen. — Am Hartmanns 
weilerkopf wurden gestern die in französischer Hand 
gebliebenen Grabenstücke zurückerobert. — Oestlicher 
Kriegsschauplatz. Bei der Armee des Generals Graten 
von Bothmer wiesen österreichisch-ungarische Truppen 
den Angriff starker russischer Kräfte gegen den Brücken 
kopf von Burkanow an der Strypa ab. Neben starken 
blutigen Verlusten büsste der Feind etwa 900 Gefangene 
ein. 
31. Dezember. Westlicher Kriegsschauplatz. Nach erfolg 
reicher Sprengung wurde den Engländern nordwestlich 
von Hulluch ein vorgeschobener Graben entrissen. 
Zwei Maschinengewehre und einige Gefangene Helen in 
unsere Hand. 
1. Januar. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei Friedrichstadt 
scheiterte ein über das Fis der Düna geführter russischer 
Angriff in unserem Feuer. — Oesterreichisch-ungarische 
Batterien der Armee des Generals Grafen von Bothmer 
beteiligten sich wirkungsvoll flankierend an der Abwehr 
russischer Angriffe südlich von Burkanow. 
2. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. In der Nacht 
zum 1. Januar wurden Versuche stärkerer englischer 
Abteilungen, in unsere Stellung bei Frelinghem (nord 
östlich von Armentieres) einzudringen, vereitelt. Bei 
der Eroberung eines feindlichen Grabens südlich des 
Hartmannsweilerkopfes fielen über 200 Gefangene in 
unsere Hände. 
3. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Eine grosse 
Sprengung nördlich der Strasse La Bassee—Bethune 
hatte vollen Erfolg. Kampf- und Deckungsgraben des 
Feindes sowie ein Verbindungsweg wurden verschüttet. 
Der überlebende Teil der Besatzung, der sich durch 
die Flucht zu retten versuchte, wurde von unserer In 
fanterie und von Maschinengewehren wirksam gefasst. 
Ein anschliessender, auf breiter Front ausgetührter 
Feuerüberfall überraschte die feindlichen Grabenbe 
satzungen, die teilweise ihr Heil in eiliger Flucht suchten. 
6. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. An der Front 
fanden stellenweise teilweise lebhafte Artilleriekämpfe 
statt; die Stadt Lens wird vom Feinde fortgesetzt be 
schossen. Nordöstlich von Le Mesnil wurde der Versuch 
eines feindlichen Handgranatenangriffs leicht vereitelt. 
Ein gegnerischer Luftgeschwaderangriff auf Douai blieb 
erfolglos. Durch deutsche Kampfflieger wurden zwei 
englische Flugzeuge abgeschossen, das eine durch 
Leutnant Boelke, der damit das siebente feindliche 
Flugzeug ausser Gefecht gesetzt hat. 
9. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz, Südlich des 
Hartmannsweilerkopfes, am Hirzstein, gelang es gestern, 
den letzten der am 21. Dezember in Feindeshand ge 
fallenen Graben zurückzuerobern, dabei 10 Offiziere, 
1083 Jäger gefangen zu nehmen und 15 Maschinen 
gewehre zu erbeuten. 
10. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Nordwestlich 
von Massiges in Gegend des Gehöftes Maison de Cham 
pagne führten Angriffe unserer Truppen zur Wegnahme 
der feindlichen Beobachtungsstellen und Gräben in einer 
Ausdehnung von mehreren hundert Metern. 423 Fran 
zosen, unter ihnen 7 Offiziere, 5 Maschinengewehre, 
1 grosser und 7 kleine Minenwerfer fielen in unsere 
Hand. Ein französischer Gegenangriff östlich des Ge 
höftes scheiterte. Ein deutsches Flugzeuggeschwader 
griff die feindlichen Etappeneinrichtungen in Furnes an. 
11. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Vor- 
stösse gegen die nordwestlich von Massiges genommenen 
Gräben wurden abgewiesen. Die Zahl der dort gemachten 
Gefangenen erhöht sich auf 480 Mann. Ein französisches, 
mit einer 3,8 Zentimeter-Kanone ausgerüstetes Kampfflug 
zeug, wurde bei Woumen (südlich von Dixmude) durch 
Abwehrfeuer und einen Kampfflieger zur Landung ge 
zwungen. Das Flugzeug ist mit seinen Insassen unver 
sehrt in unsere Hand gefallen. Bei Tournai wurde im 
Luftkampf ein englischer Doppeldecker abgeschossen. — 
Südöstlicher Kriegsschauplatz. Der Lovcen ist ge 
nommen. In dreitägigen harten Kämpfen überwand 
die österreichisch-ungarische tapfere Infanterie in präch 
tigem Zusammenarbeiten mit der schweren Artillerie 
und S. M. Kriegsmarine den erbitteiten Widerstand des 
Feindes und die ungeheueren Schwierigkeiten des winter 
lichen Karstgebirges, das, wie eine Mauer 1700 Meter 
hoch aus dem Meer ansteigend, seit Jahren zur Ver 
teidigung eingerichtet wurde. 
12. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Nordöstlich von 
Le Mesnil in der Champagne griffen die Fransosen 
unsere Stellung in einer Breite von etwa 1000 Meter 
an. Der Angriff zerschellte, der Feind suchte eiligst 
unter unserem wirksamen Feuer in seine Gräben zu 
rückzugelangen, Eine Wiederholung des Angriffs wird 
durch unser Artillerieleuer verhindert. In der südlichen 
Umwallung von Lille flog gestern früh das in einer 
Kasematte untergebrachte Munitionslager eines Pionier 
parks in die Luft. Die angrenzenden Strassen wurden 
natürlich in sehr erheblichem Umfange in Mitleidenschaft 
gezogen, Die Rettungsarbeiten haben bis gestern abend 
zur Bergung von 70 toten und 40 schwerletzten Ein 
wohnern geführt. Die Bewohnerschaft der Stadt glaubt 
das Unglück auf einen englischen Anschlag zurück 
führen zu müssen. 
13. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Nordöstlich 
von Armenticres wurde der Vorstoss einer stärkeren 
englischen Abteilung zurückgeschlagen. In den frühen 
Morgenstunden wiederholten heute die Franzosen in der 
Champagne den Angriff nordöstlich von Le Mesnil. Sie 
wurden glatt abgewiesen. Die Leutnants Bölcke und 
Immelmann schossen nordöstlich von Tourcoing und 
bei Bapaume je ein englisches Flugzeug ab. Den un 
erschrockenen Offizieren wurde in Anerkennung ihrer 
ausserordentlichen Leistungen durch seine Majestät den 
Kaiser der Orden Pour le Merite verliehen. Fin drittes 
englisches Flugzeug wurde im Luftkampf bei Roubaix, 
ein viertes durch unser Abwehrfeuer bei Ligny (süd 
westlich von Lille) heruntergeholt. Von den acht 
englischen Fliegeroffizieren sind sechs tot, zwei ver 
wundet. 
14. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Sturm und 
Regen blieb die Gefechtstätigkeit auf vereinzelte 
Artillerie-, Handgranaten und Minenkämpfe beschränkt. 
16. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Ein feindlicher 
Monitor feuerte wirkungslos in die Gegend von Wesf- 
ende. Die Engländer schossen in das Stadtinnere von 
Lille; bisher ist nur geringer Sachschaden durch einen 
Brand festgestellt. An der Front stellenweise lebhafte 
Feuerkämpfe und Sprengtätigkeit. 
17. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Keine wesent 
lichen Ereignisse. In der Stadt Lens wurden durch das 
feindliche Artilleriefeuer 16 Bewohner getötet und ver 
wundet. — Oestlicher Kriegsschauplatz. Schneestürme 
behinderten auf dem grössten Teile der Front die 
Gefechtstätigkeit. Es landen nur an einzelnen Stellen 
Patrouillenkämpfe statt. — Südöstlicher Kriegsschauplatz. 
Aus Wien wird gemeldet: Der König von Montenegro 
und die montegrinische Regierung haben am 13. Januar 
um Einstellung der Feindseligkeiten und Beginn der 
Friedensverhandlungen gebeten. Wir antworteten, dass 
dieser Bitte nur nach bedingungsloser Waffenstreckung 
des montenegrinischen Heeres entsprochen werden 
könne. Die montenegrinische Regierung hat 
gestern die von uns gestellte Forderug be 
dingungsloser Waffenstreckung angenommen.
        
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