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Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

Der Russische Hof, Hotel Friedrichsbahnhof 
Direktion Wilhelm Krause, Georgenstr. 21/22 
hat seine herrlich geschmückten Garten-Terrassen in diesem Jahre wieder eröffnet. Der geräumige Garlenhof 
ist ein Sommer-Restaurant, in dem der grösste Werl auf die Behaglichkeit der Besucher gelegt worden ist. 
Bequeme Polstersessel stehen um Tische, auf denen bunte Lampenschirme ein abgedämpfles Licht ausstrahlen. 
Eine Künstler-Kapelle bietet musikalische Genüsse. Der jetzigen Zeit entsprechend ist alles aufgeboten worden, 
den Gästen durch vorzügliche Küche bei massigen Preisen, gut gepflegte Weine, sowie Biere vom Fass, den 
Aufenthalt in diesen Räumen möglichst angenehm zu gestalten. 
Fahrzeugen gerettet und nach Zeebrücke ge 
bracht. Im ganzen 7 Offiziere, 88 Mann. — 
Bei dem Vorgehen unserer Truppen gegen 
Libau haben unsere Ostseestreitkräfte den 
Angriff durch Beschiessung von See unter 
stützt. — Der englische Hilfskreuzer der 
Cunardlinie „Lusitania“ ist von einem 
deutschen U-Boot torpediert worden und 
gesunken. Das Schiff näherte sich nach 
glücklicher und schneller Ozeanreise mit 
290 Passagieren erster, 662 zweiter und 361 
dritter Klasse und einer Besatzung von 
565 Mann an Bord seiner Bestimmung, als 
sein Schicksal es erreichte. An Bord der 
„Lusitania“ befanden sich 5400 Kisten 
Munition. Bei weitem der grösste Teil der 
Ladung bestand aus Kriegskonterbande. 
9. Mai. Bei der Fortsetzung unserer Angriffe 
auf Ypern warfen wir den Gegner aus seiner 
siark befestigten Stellung zwischen den 
Strassen Fortuin—Wieltje und Gheluvelt— 
Ypern heraus, nahmen die Orte Frezenberg 
und Verlorenhoek und setzten uns hierdurch 
in den Besitz wichtiger, die Umgegend von 
Ypern im Osten beherrschender Höbenzüge. 
800 Engländer, darunter 16 Offiziere, wurden 
bisher gefangengenommen. Französische An 
griffe westlich von Lievin, nordöstlich der 
Lorettohöhe, scheiterten unter starken Ver 
lusten für den Feind. Bei La Bassee und 
bei Vitry (östlich Arras) wurde je ein feind 
liches Flugzeug von uns zur Landung ge 
zwungen. Ein unter Ausnutzung von Nebelbomben 
unternommener französischer Teilangriff westlich Perthes 
wurde mit Handgranaten abgewiesen, ln den Argonnen, 
zwischen Maas und Mosel sowie in den Vogesen verlief 
der Tag ohne Ereignisse. — In Libau haben wir grosse 
Lager von Kriegsvorräten beschlagnahmt. Vor starken 
Kräften aller Waffen, die der Gegner bei Mitau ge 
sammelt hat, wichen unsere gegen diese Stadt vor 
geschobenen Abteilungen langsam aus. Nordöstlich 
von Kowno wurde, nach Vernichtung eines russischen 
Bataillons, die Bahn Wilna—Szawle gründlich zerstört. 
Am Njemen bei Sredniki griffen wir die zersprengten 
Reste von vier russischen Bataillonen, die wahrschein 
lich zu den am 6. und 7. Mai bei Rossienie ge 
schlagenen Truppen gehören, auf. Erneute russische 
Angriffe gegen unsere Stellungen an der Pilica wurden 
unter grossen Verlusten für den Feind abgewiesen. —■ 
ln der Verfolgung des geschlagenen Feindes über 
schritten die Truppen des Generals v. Mackensen nach 
Kampf den Wislok zwischen Besko (östlich Rymanow) 
und Frysztak. Vor dem Druck der östlich und nörd 
lich Tarnow kämpfenden Verbündeten weicht der 
Feind auf Mielec und über die Weichsel zurück. An 
der wankenden russischen Karpathenfront warfen 
andere deutsche Truppen den Feind aus seinen 
Stellungen an der Bahn Mezoelaborcz—Sanok. Die 
Beute an Geschützen und Gefangenen vergrössert sich 
noch fortgesetzt. 
10. Mai. Südwestlich Lille setzte der als Antwort auf 
unsere Erfolge in Galizien erwartete grosse französisch 
englische Angriff ein. Er richtete sich gegen unsere 
Stellungen von östlich Fleurbaix — östlich Richebourg — 
östlich Vermelles, in Ablain, Carency, Neuville und 
St. Laurent bei Arras. Der Feind — Franzosen sowie 
weisse und farbige Engländer — führte mindestens 
vier neue Armeekorps in den Kampf neben den in jener 
Linie schon längere Zeit verwendeten Kräften. Trotz 
dem sind die wiederholten Angriffe fast überall mit sehr 
starken Verlusten für den Gegner abgewiesen worden. 
Im besonderen war das bei englischen An 
griffsversuchen der Fall. Etwa fünfhundert 
Gefangene wurden gemacht. — Eines unserer 
Luftschiffe belegte beute früh den befestigten 
Ort Southend an der Themsemündung mit 
einigen Bomben. — Trotz aller Versuche 
der Russen, durch eilig mit der Bahn oder 
Fussmarsch herangeführte neue Kräfte unsere 
Verfolgung aufzuhalten, warfen die ver 
bündeten Truppen der Heeresgruppe des 
Generalobersten Mackensen auch gestern 
den Gegner von Stellung zu Stellung zurück 
und nahmen ihm über 12 000 Gefangene 
nebst vielem Material ab. Die Zahl der von 
dieser Pleeresgruppe allein seit dem 2. Mai 
gemachten Gefangenen steigt damit auf über 
80000. Unsere Vortruppen näherten sich 
dem Stobnica-Abschnitt und erreichten die 
Brzezanka, sowie den unteren Wislok. Die 
Verfolgung geht vorwärts. — 
11. Mai, Südwestlich Lille setzten die Fran 
zosen ihre Angriffe auf die Lorettohöhe und 
die Orte Ablain und Carency fort. Sämt 
liche Angriffe wurden abgeschlagen. Die 
Zahl der von uns gemachten Gefangenen 
erhöht sich auf 800. Zwischen Carency und 
Neuville hielten die Franzosen die von ihnen 
genommenen Gräben noch in Besitz. Der 
Kampf dauert hier fort. Ein englisches Flug 
zeug wurde südwestlich Lille herunter 
geschossen. — Nordwestlich Berry au Bac 
in den Waldungen südlich La Ville au Bois 
stürmten unsere Truppen gestern eine aus zwei hinter 
einander liegenden Linien bestehende Stellung in Breite 
von vierhundert Meter, machten dabei eine Anzahl unver 
wundeter Gefangener und erbeuteten zwei Minenwerfer 
mit viel Munition. — Die Russen versuchten gestern 
in der Linie Besko—Brzowo an der Stobrica—Brzezanka- 
abschnitl—Eopczyce (östlich Debica) -— Szczucin an 
der Weichsel die Verfolgung der Armeen des General 
obersten von Mackensen zum Stehen zu bringen. Diese 
Absicht ist völlig gescheitert. Gegen Abend waren die 
russischen Linien an vielen Stellen, insbesondere bei 
Besko und zwischen Brzozow und Lutcza durch 
brochen, nachdem am Vormittag bereits ein verzweifelter 
Angriff mehrerer russischer Divisionen von Sanok in 
Richtung Besko unter schwersten Verlusten für den 
Feind gescheitert war. Die Verfolgung wird fortgesetzt. 
12. Mai. Oestlich von Ypern nahmen wir eine wichtige, 
von schottischen Hochländern verteidigte Höhe. Dün 
kirchen wurde weiter von uns unter Feuer gehalten. 
Oestlich Dixmuiden schossen wir ein englisches Flug 
zeug ab. — Die zwischen Carency und Neuville (in 
der Gegend nördlich von Arras) von den Franzosen in 
den letzten Tagen genommenen Gräben sind noch in 
ihrem Besitz. Im übrigen waren auch gestern alle 
Durchbruchsversuche des Feindes vergeblich. Seine 
Angriffe richteten sich hauptsächlich gegen unsere 
Stellungen östlich und südöstlich von Vermelles, gegen 
die Lorettohöhe, die Orte Ablain, Carency, sowie gegen
        
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