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Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

Südlich Tomaszow gewann der Angriff unserer Ver 
bündeten ostwärts Raum. — Heute früh überflog ein 
Zeppelin Nancy und warf 14 Bomben über der Stadt ab. 
27. Dezember. Nordöstlich Albert machte der Feind 
einen vergeblichen Vorstoss auf La Boiselle, dem heute 
früh ein erfolgreicher Gegenstoss unserer Truppen 
folgte. Fransösische Angriffe im Meurissons - Grunde 
(Argonnen) und südöstlich Verdun brachen in unserem 
Feuer zusammen. Im Obereisass griffen die Franzosen 
unsere Stellungen östlich der Linie Thann-Dammerkirch 
an; sämtliche Angriffe wurden zurückgeschlagen. In 
den ersten Nachtstunden setzten die Franzosen sich in 
Besitz einer wichtigen Höhe östlich Thann, wurden 
aber durch einen kräftigen Gegenangriff wieder geworfen. 
Die Höhe blieb fest in unserem Besitz. — In Polen 
machten unsere Angriffe am Bzura-Rawka-Abschnitt 
langsam weitere Fortschritte. Südöstlich Tamaszow 
wurde die Offensive erfolgreich fortgesetzt. Russische 
Angriffe aus südlicher Richtung auf Inowlodz wurden 
unter schweren Verlusten für die Russen zurück 
geschlagen. — Vor der zwischen Symanow und Tuchow 
angesetzten russischen Offensive wurden die öster 
reichisch-ungarischen Kräfte im galizischen Karpathen- 
vorlande etwas zurückgenommen. Feindliche Angriffe 
am unteren Dunajec und an der unteren Nida scheiterten. 
Im Schwarzen Meere stiess ein türkisches Kriegs 
schiff am 24. auf eine aus 17 Einheiten zusammen» 
gesetzte russische Flotte und griff diese Flotte an. Das 
türkische Schiff beschoss mit Erfolg das Linienschiff 
„Restisslaw“ und versenkte die beiden Minenleger 
„Oleg“ und „Athos“. Zur selben Zeit beschoss ein 
anderer 1 eil der türkischen Flotte erfolgreich Batum. 
28. Dezember. Bei Nieuport erneuerte der Feind seine 
Angriffsversuche ohne jeden Erfolg; er wurde durch 
Feuer vom Meere her unterstützt, das uns keinerlei 
Schaden tat. Südlich Ypern wurde von uns ein feind 
licher Schützengraben genommen, wobei einige Dutzend 
Gefangene in unsere Hände fielen. Mehrtache stärkere 
Angriffe des Gegners in der Gegend nordwestlich Arras 
wurden zurückgewiesen. Südöstlich Verdun wiederholte 
der Feind seine Angriffe, ebenfalls ohne jeden Erfolg. 
Das Gleiche war der Fall bei seiner Absicht, die gestern 
umstrittene Höhe westlich Sennheim zurückzuge- 
wmnen. Auf linkem Weichselufer entwickeln sich 
unsere Angriffe trotz sehr ungünstigen Wetters weiter. — 
Nördlich des Duklapasses wichen die österreich 
ungarischen Truppen dem Angriff der Russen in 
Stellungen näher am Karpathenkamm aus. Zwischen 
Biala und Dunajec, im Raume nordöstlich Zakliczyn, 
wurden sehr heftige Angriffe des Feindes abgewiesen. 
29. Dezember. Bei Nieuport und südöstlich Ypern ge 
wannen wir in kleineren Gefechten einigen Boden. 
Mehrfache starke französische Angriffe nordwestlich 
St. Menehould wurden unter schwersten Verlusten für 
die Franzosen zurückgeschlagen, dabei machten wir 
einige hundert Gefangene. Ein Vorstoss im Bois Brülc 
westlich Apremont führte unter Erbeutung von drei 
Maschinengewehren zur Fortnahme eines französischen 
Schützengrabens. Französische Angriffe westlich Senn 
heim wurden abgewiesen. — Am Bzura- und Rawka- 
abschnitt schritten unsere Angriffe vor. In Gegend 
südlich Inowlodz wurden starke russische Angriffe zu 
rückgeschlagen. — Die russische achte Armee, die vor 
etwa einer Woche die Offensive gegen die über die 
Karpathen vorgerückten österreichisch - ungarischen 
Kräfte ergriff, hat sich durch Ergänzungen und frische 
Divisionen derart verstärkt, dass es unsere Verbündeten 
für geboten hielten, ihre Truppen auf die Passhöhe und 
in den Raum von Gorlice zurückzunehmen. — Die 
türkischen Truppen im Kaukausus lieferten dem Feind 
eine Schlacht im Tale des Murad-Flusses und brachten 
ihm eine völlige Niederlage bei. 
30. Dezember. In Ostpreussen wurde die russische Heeres 
kavallerie auf Pillkallen zurückgedrängt. Auf dem west 
lichen Weichselufer wurde die Offensive östlich des Bzura- 
Abschnittes fortgesetzt. Im übrigen dauern die Kämpfe 
am und östlich des Rawka-Abschnittes sowie bei Inowlodz 
und südwestlich fort. — In den Karpathen griffen die 
österreichisch-ungarischen Truppen nördlich des Uzsoker 
Passes an und nahmen mehrere Höhen. Nördlich des 
Lupkower Passes brachte ein Gegenangriff die Vor 
rückung der Russen zum Stehen. Nördlich Gorlice, 
nordöstlich Zakliczyn und an der unteren Nida brachen 
die russischen Angriffe unter schweren Verlusten 
zusammen. 
31. Dezember. In der von uns gesprengten Alger Auberge 
ferme südöstlich Reims wurde eine ganze französische 
Kompagnie vernichtet. Starke französische Angriffe 
nördlich des Lagers von Chalons wurden überall 
abgewiesen. Im westlichen Teil der Argonnen ge 
wannen unsere Truppen unter Fortnahme mehrerer 
hintereinander liegender Gräben und Gefangennahme 
von über 250 FVanzosen erheblich Boden. In Gegend 
Flirey nördlich Toul scheiterten französische Angriffs 
versuche. Im Obereisass in Gegend westlich Sennheim 
brachen sämtliche Angriffe der Franzosen in unserem 
Feuer zusammen. — An und östlich der Bzura dauern 
die Kämpfe fort. In Gegend Rawa machte unsere 
Offensive Fortschritte. — Unsere in Polen kämpfenden 
Truppen haben bei der an die Kämpfe bei Lodz und 
Lowicz anschliessenden Verfolgung über 56000 Gefangene 
»emacht und viele Geschütze und Maschinengewehre 
erbeutet. Die Gesamtbeute unserer am 11. November 
in Polen einsetzenden Offensive ist somit auf 136 600 
Gefangene, über 100 Geschütze, über 300 Maschinen- 
gewehre gestiegen. —Im Nagyag Tale bei Oekoermezoe 
scheiterte* gestern wieder ein Angriff des Feindes unter 
schweren Verlusten. Im Raume von Gorlice und nord 
östlich Zakliczyn wurden die gestern und auch in der 
Nacht fortgesetzten heftigen Angriffe der Russen überall 
abgewiesen. Oestlich Trebinje zwang die Österreichischl 
ungarische Artillerie die Montenegriner nach mehr 
stündigem Geschützkampf zum Rückzuge. — Die 
Gesamtzahl der beim Jahresschluss in Deutschland 
befindlichen und internierten Kriegsgefangenen (keine 
Zivilgefangenen) beträgt 8136 Offiziere, 577 875 Mann. 
In dieser Zahl ist ein Teil der auf der Verfolgung in 
Russisch-Polen gemachten sowie alle im Abtransport 
noch befindlichen Gefangenen noch nicht enthalten. 
Die Gesamtzahl der Gefangenen setzt sich folgender 
massen zusammen, Franzosen: 3459 Offiziere, darunter 
7 Generale, 215 905 Mann, Russen: 3575 Offiziere, 
darunter 18 Generale, 306294Mann, Belgier: 612 Offiziere, 
darunter 3 Generale, 36 852 Mann, Engländer: 492 
Olfiziere, 18 824 Mann. 
1. Januar. Des Kaisers^Neujahrsgruss an Heer und Volk. 
„An das deutsche Heer und die deutsche Marine! 
Nach fünf Monate langem, schwerem und heissen 
Ringen treten wir ins neue Jahr. 
Glänzende Siege sind erfochten, grosse Erfolge 
errungen. Die deutschen Armeen stehen fast über 
all in Feindesland. Wiederholte Versuche der 
Gegner, mit ihren Heeresmassen deutschen Boden 
zu überschwemmen, sind gescheitert. 
In allen Meeren haben sich Meine Schiffe mit Ruhm 
bedeckt; ihre Besatzungen haben bewiesen, dass 
sie nicht nur siegreich fechten, sondern — von 
Uebermacht erdrückt — auch heldenhaft zu sterben 
vermögen. 
Hinter dem Heer und der Flotte steht das deutsche 
Volk in beispielloser Eintracht, bereit, sein Bestes 
herzugeben für den heiligen heimischen Herd, den 
wir gegen frevelhaften Ueberfall verteidigen. 
Viel ist im alten Jahr geschehen; noch aber sind 
die Feinde nicht niedergerungen, immer neue Scharen 
wälzen sich gegen unsere und unserer treuen Ver 
bündeten Heere heran. 
Doch ihre Zahlen schrecken uns nicht. Ob auch 
die Zeit ernst, die vor uns liegende Aufgabe schwer 
ist; voll fester Zuversicht dürfen wir in die Zukunft 
blicken. 
Nächst Gottes weiser Führung vertraue ich auf 
die unvergleichliche Tapferkeit der Armee und der 
Marine, und weiss mich eins mit dem ganzen 
deutschen Volk. 
Darum unverzagt dem neuen Jahr entgegen, zu 
neuen Taten, zu neuen Siegen für das geliebte 
Vaterland! gez. Wilhelm I. R. 
Grosses Hauptquartier, den 31. Dezember 1914. 
Oestlich Bethune, südlich des Kanals, entrissen wir den 
Engländern einen Schützengraben. In den Argonnen 
kamen unsere Angriffe weiter vorwärts; wieder fielen 
400 Gefangene, sechs Maschinengewehre, vier Minen 
werfer und zahlreiche andere Waffen und Munition in 
unsere Hände. Ein nordwestlich bei St. Mihiel bei 
La Haymeix liegendes französisches Lager schossen 
wir in Brand. Angriffe bei Flirey und westlich Senn 
heim, die sich gestern wiederholten, wurden sämtlich 
abgeschlagen. — ln Polen behinderte starker Nebel 
unsere Operationen. — Heute Morgen um 3 Uhr hat 
eins unserer Unterseeboote, wie es durch Funkspruch 
meldet, im Englischen Kanal, unweit Plymouth, das 
englische Linienschiff „Formidable“ durch Torpedo 
schuss zum Sinken gebracht. Das Boot wurde durch 
Zerstörer verfolgt, aber nicht beschädigt. — Am Biala- 
Abschnitt, südlich Tarnow, wurden wiederholte feind 
liche Angriffe unter schweren Verlusten des Gegners 
abgewiesen. Die österreichisch-ungarischen Truppen
        
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