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Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

7. April. S. M. Unterseeboot „U 29“, Kommandant Otto 
Weddigen ist von seiner letzten Unternehmung bisher 
nicht zurückgekehrt. Nach einer von der britischen 
Admiralität ausgehenden Nachricht vom 26. März soll 
das Boot mit der ganzen Besatzung untergegangen sein. 
Es muss danach als verloren betrachtet werden. — 
Die von uns vorgestern besetzten Gehöfte von Drie 
Grachten, die der Feind mit schwerstem Artillerie- und 
Minenwurffeuer zusammenschoss, wurden deshalb gestern 
abend aufgegeben. An der Cornbreshöhe wurden zwei 
französische Bataillone durch unser Feuer aufgerieben. 
Ebenso sind andere französische Angriffe bei Flirey völlig 
gescheitert; zahlreiche Tote bedecken das Gelände vor 
unserer Front, deren Zahl sich noch dadurch vermehrt, 
dass die Franzosen die in ihren eigenen Schützengräben 
Gefallenen vor die Front ihrer Stellungen werfen. Am 
Westrande des Priesterwaldes schlug eines unserer 
Bataillone im Bajonettkampf starke Kräfte des 13. fran 
zösischen Regiments zurück. 
G. April. Der Kommandant des Hilfskreuzers „Prinz Eitel 
Friedrich“ hat der Zollbehörde von Newport News mit 
geteilt, er wünsche, dass das Schiff interniert werde. 
Er sei dazu genötigt, weil die Unterstützung, die sein 
Entkommen ermöglicht hätte, nicht eingetroffen sei. 
Der Hilfskreuzer soll in der Marinewerft von Norfolk 
interniert werden. — An der Front in den Karpathen 
dauern die Kämpfe fort. Die Zahl der auf den Höhen 
östlich des Laborczatales gemachten Gefangenen hat 
sich noch um weitere 930 Mann erhöht. In den 
Kämpfen wurden auch zwei Geschütze und sieben 
Maschinengewehre erobert, zahlreiches Kriegsmaterial 
erbeutet, darunter über fünftausend Gewehre. 
9. April. Aus dem völlig zusammengeschossenen Orte 
Drie Grachten an der Yser wurden die Belgier wieder 
vertrieben, zwei belgische Offiziere, hundert Mann und 
zwei Maschinengewehre fielen dabei in unsere Hände. — 
Als Erwiderung auf die Beschiessung der hinter unserer 
Stellung gelegenen Ortschaften wurde Reims, in dem 
grosse Ansammlungen von Truppen und Batterien 
erkannt wurden, mit Brandgranaten belegt. 
10. April. Im Waldgebirge kam es gestern auch in den 
Abschnitten östlich des Uzsokerpasses zu heftigen 
Kämpfen. Deutsche Truppen eroberten nördlich 
Tucholka eine seit dem 5. Februar vielumstrittene und 
von den Russen hartnäckig verteidigte Höhenstellung; 
ein Oberst, über tausend Mann wurden bei diesem 
Angrift gefangen und den Russen auch fünfzehn 
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Maschinengewehre entrissen. — Der gestrige Tag 
brachte in Summe 2150 Gefangene ein. — Bei einem 
starken, aber erfolglosen französischen Angriff nördlich 
Flirey hatten die Franzosen sehr schwere Verluste. In 
den gestrigen Kämpfen im Priesterwalde nahmen wir 
dem Feinde vier Maschinengewehre ab. Die sehr 
schweren Verluste der Franzosen in den Kämpfen 
zwischen Maas und Mosel lassen sich noch nicht 
annähernd schätzen; allein zwischen Selvuse- und 
Lamorville-Wald zählten unsere Truppen 700, an einer 
kleinen Stelle nördlich Regnieville über 500 französische 
Leichen. Wir machten 11 französische Offiziere und 
804 Mann zu Gefangenen und erbeuteten 7 Maschinen 
gewehre. Ein infolge zerschossener Trosse abgetriebener 
deutscher Fesselballon ist nicht, wie die Franzosen an 
geben, in ihre Linien vertrieben, sondern wohlbehalten 
bei Mörchingen gelandet und geborgen. 
12. April. ln Erwiderung des am 3. April erfolgten 
Bombenabwurfs durch feindliche Flieger auf die offene, 
ausserhalb des Operationsgebiets liegende Stadt Müllheim, 
bei dem drei Frauen getötet worden sind, wurde Nancy, 
der Hauptort der Befestigungsgruppe gleichen Namens, 
von uns ausgiebig mit Spreng- und Brandbomben 
belegt. — Nach Aussage französischer Offiere sind die 
Kathedralen Notre Dame in Paris und in Troyes, sowie 
hervorragende Staatsgebäude, wie Nationalbibliothek, 
Kunstgebäude, Invalidengebäude, Louvre usw., mit mili 
tärischen Einrichtungen wie Scheinwerfern, drahtlosen 
Stationen, Maschinengewehren versehen. —- Bei einem 
Vorstoss von Mariampol nahmen wir den Russen neun 
Offiziere 1350 Mann ab. — Die von der englischen 
Regierung angeordnete Massregelung der in treuester 
Pflichterfüllung in ihre Gewalt geratenen Besatzung von 
Unterseebooten, durch Versagung ehrenhafter Kriegs 
gefangenschaft und Unterbringung in Naval detention 
baracks, hat die deutsche Regierung zu der Gegen 
massnahme veranlasst, für jeden Gefangenen der Unter 
seebootsbesatzung für die Dauer seiner völkerrechts 
widrigen harten Behandlung einen kriegsgefangenen 
englischen Offizier ohne Ansehen der Person in gleicher 
Weise zu behandeln. Dementsprechend sind heute am 
12. d. M., aus Offiziergefangenenlagern 39 englische 
Offiziere in entsprechende Haft in Militärarresfanstalten 
übergelührt worden. 
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13. April. Die seit ungefähr 20. März andauernde russische 
Offensive in den Karpathen ist an der ganzen Front 
zum Stehen gekommen. 
15. April. Gestern abend hat ein Marineluftschiff einen An 
griff gegen die Tynemündung in England unternommen. 
Plierbei wurde eine Anzahl Bomben geworfen. Das 
Luftschiff ist unversehrt zurückgekehrt. — Bei Marche- 
ville erlitten die Franzosen in dreimaligen erfolglosen 
Angriffen schwere Verluste. —■ Feindliche Abteilungen, 
die gegen unsere Stellungen nordöstlich von Manon- 
viller vorgingen, wurden von unseren Sicherungstruppen 
mit schweren Verlusten zurückgeworfen. -— Südlich des 
Hartmannswcilerkopfes versuchten die Franzosen fünf 
mal vergeblich, unsere Front zu durchbrechen. 
16. April. V or Ostende—Nieuport beteiligten sich gestern 
am Artilleriekampf einige feindliche Torpedoboote, deren 
Feuer schnell zum Schweigen gebracht wurde. — Die 
Verwendung von Bomben mit erstickend wirkender Gas 
entwicklung und von Infanterie - Explosivgeschossen 
seitens der Franzosen nimmt zu. — In den kleinen Ge 
fechten bei Kalwarja (Polen) wurden in den letzten 
Tagen von uns eintausendundvierzig Russen gefangen 
genommen und sieben Maschinengewehre erbeutet. — 
ln der Nacht vom 15. zum 16. April haben Marine 
luftschiffe mehrere verteidigte Plätze an der südlichen 
englischen Ostküste erfolgreich mit Bomben beworfen. 
Die Luftschiffe wurden vor und bei den Angriffen hef 
tig beschossen. Sie sind unbeschädigt zurückgekehrt. 
17. April. Gestern brachten auch die Engländer östlich 
Ypern Granaten und Bomben mit erstickend wirkender 
Gasentwicklung zur Anwendung. — Ein französisches 
Luftschiff erschien heute nacht über Strassburg und 
warf mehrere Bomben ab. Der Sachschaden ist unbe 
deutend; einige Zivilpersonen sind leider verletzt. Einer 
unserer Flieger, der vorgestern Calais mit Bomben be 
legte, bewarf gestern Greenwich bei London. 
19. April. Generalfeldmarschall Freiherr v. d. Goltz wurde 
zum Oberkommandierenden der ersten türkischen Armee 
ernannt an Stelle Liman-Paschas, der Oberbefehlshaber 
der Dardanellenarrnee geworden ist. — Bei Ingelmunster 
ist der bekannte französische Diegerleutnant Garros zur 
Landung gezwungen und gefangengenommen worden. 
20. April. Bei einem Vorstoss aut die Spitze des Hart 
mannsweilerkopfes gewannen wir am Nordostabhang 
einige hundert Meter Boden. 
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