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Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

23. März. Ein Angriff gegen unsere Stellungen nordöstlich 
von Badonviller brach mit schweren Verlusten für den 
Feind in unserem Feuer zusammen. Auf Ostende 
warfen feindliche Flieger wieder mehrere Bomben ab, 
durch die kein militärischer Schaden angerichtet, da 
gegen mehrere Belgier getötet und verletzt wurden. 
Bin französischer Flieger wurde nordwestlich von Verdun 
zum Absturz gebracht, ein mit zwei tranzösischen Unter 
offizieren besetztes Flugzeug bei Freiburg zur Landung 
gezwungen, die Insassen wurden gefangengenommen. — 
Auf der Verfolgung der aus Memel vertriebenen Russen 
nahmen unsere Truppen Russisch-Krottingen und be 
freiten über dreitausend deutsche von den Russen ver 
schleppte Einwohner. — Die Kämpfe im Karpathen 
abschnitt vom Uszoker Pass bis zum Sattel von Koniczna 
dauern fort. In den letzten zwei Tagen wurden wieder 
starke Angriffe des Feindes von den österreichischen 
Truppen zurückgeschlagen, 3300 Russen hierbei ge 
fangen. ln einem Gefecht, das um eine Höhe bei 
Wyszkow geführt wurde, gelang es, den Gegner aus 
seinen Stellungen zu werfen und acht Offiziere, 685 
Mann gefangen zu nehmen. 
24. März. Erneute feindliche Angriffe nordöstlich von 
Badonviller und am Reichsackerkopf brachen in unserem 
Feuer zusammen. — Unsere nördlich von Memel ver 
folgenden Truppen machten bei Polangen 500 Russen 
zu Gefangenen, drei Geschütze und drei Maschinen 
gewehre und jagten dem Feinde viel geraubtes Vieh, 
Pferde und sonstiges Gut ab. Bei Laugzargen süd 
westlich von Tauroggen und nordöstlich von Mariampol 
wurden russische Angriffe unter schweren Verlusten für 
den Feind abgeschlagen. Nordwestlich von Ostrolenka 
scheiterten mehrere russische Angriffe. Hier nahmen 
wir dem Feind 20 Offiziere, über 2500 Mann und fünf 
Maschinengewehre ab. — Das deutsche Heer zollt 
herzlichen Dank der tapferen Besatzung von PrzemysI, 
die nach vier opfervollen Monaten der Verteidigung 
nur der Hunger niederzwingen konnte. — Der Kom 
mandant S. M. S. „Dresden“, der mit der Besatzung des 
Schiffes an Bord eines chilenischen Kreuzers in Valparaiso 
eingetroffen ist, berichtet dienstlich folgendes; „Am 
14. März vormittags lag S. M. S. „Dresden“ zu Anker 
in der Cumberlandbucht der Insel Juan Fernandez. 
Hier wurde das Schiff von den englischen Kreuzern 
„Kent“ und „Glasgow“ und von dem Hilfskreuzer 
„Orama“ angegriffen. Der Angriff erfolgte aus einer 
Richtung, in der S. M. S. „Dresden“ nur ihre Heck 
geschütze verwenden konnte. „Dresden“ erwiderte das 
SteckenpFerd-SeiFe 
die beste Lilienmilch-Sei'Fe 
von Bergmann & Co., Radebeul, für zarte weiße Haut und : 
^endend sehönen Teint, äStück 50 Pfg Überall zu haben. 
Feuer, bis alle verwendbaren Geschütze und drei 
Munitionskammern unbrauchbar geworden waren. Um 
zu verhindern, dass das Schiff in Feindeshand fiele, 
wurden Vorbereitungen zum Versenken getroffen und 
gleichzeitig ein Unterhändler auf „Glasgow“ gesandt, 
der darauf hinwies, dass man sich in neutralen Ge 
wässern befinde. Da „Glasgow“ trotz dieses Hinweises 
den Angriff fortsetzen wollte, wurde S. M. S. „Dresden“ 
gesprengt und versank um 11 Uhr 15 Minuten mit 
wehender Flagge, während die Besatzung drei Hurras 
auf Se. Majestät den Kaiser ausbrachte.“ — Hiermit 
ist die von englischer Seite gebrachte Darstellung, dass 
S. M. S. „Dresden“ unter Hissen der weissen Flagge 
kapituliert habe, nicht zutreffend. 
25. März. Russische Angriffe östlich und südöstlich von 
Augustow sowie bei Jednorozek nordöstlich von 
Prasznysz wurden abgeschlagen. — Der Reichs- und 
Staatsanzeiger veröffentlicht folgenden an den Reichs 
kanzler gerichteten Allerhöchsten Erlass, betreffend das 
Ergebnis der II. Kriegsanleihe: In dem alle Erwartungen 
übertreffenden, in der Finanzgeschichte aller Zeiten 
beispiellosem Ergebnis der Zeichnungen auf die zweite 
Kriegsanleihe sehe ich die Bekundung des zu jedem 
Opfer und jeder Leistung entschlossenen Siegeswillen 
und der gottvertrauenden Siegeszuversicht des deutschen 
Volkes. Mein kaiserlicher Dank gilt allen, die zu dem 
grossen Erfolge beigetragen haben. Wie die ruhm 
reichen Taten Meines Pleeres und Meiner Flotte erfüllt 
Mich dieser Sieg der Daheimgebliebenen mit Freude 
und Stolz, in solcher Zeit der erste Diener einer solchen 
Nation zu sein. Ich ersuche Sie, diesen Erlass zur 
öffentlichen Kenntnis zu bringen. Wilhelm II. R. 
25. März. In den Karpathen haben die österreichischen 
Truppen an der Front westlich des Uszoker Passes 
schwere russische Angriffe abgeschlagen. Fünfzehn 
hundert Mann des Gegners wurden gefangen. 
27. März. In den Vogesen setzten sich die Franzosen 
gestern abend in Besitz der Kuppe des Hartmannsweiler 
kopfes; der Kuppenrand wird von unseren Truppen 
gehalten. Französische Flieger bewarfen Bapaume und 
Strassburg mit Bomben, ohne militärischen Schaden 
anzurichten. Wir belegten Calais mit einigen Bomben. — 
Die Russen, die zum Plündern, genau so wie auf Memel, 
von Tauroggen aut Tilsit aufgebrochen waren, wurden 
bei Laugzargen unter starken Verlusten geschlagen und 
über die Jeziorupa hinter den Jura-Abschnitt zurück 
geschlagen. — In der Bukowina warfen die Öster 
reicher nordöstlich Czernowitz stärkere russische Kräfte 
nach heftigem Kampfe bis qn die Reichsgrenze zurück, 
eroberten mehrere Ortschaften und machten über tausend 
Gefangene, erbeuteten zwei Geschütze. 
28. März. Südöstlich von Verdun wurden französische 
Angriffe auf den Maas-Höhen bei Combres und in 
der Woevre-Ebene bei Marcheville nach hartnäckigen 
Kämpfen zu unseren Gunsten entschieden. — Russische 
Vorstösse im AugustowoerWalde wurden abgeschlagen.— 
Bei Wach nahmen wir neunhundert Russen gefangen. — 
Die russischen Angriffe im Ordova- und Laborczatale 
wurden von den Österreichern blutig abgewiesen. 
In den übrigen Abschnitten der Karpathenfront auch 
weiter hartnäckige Kämpfe. Zwölfhundertdreissig Russen 
wurden gefangengenommen. 
29. März. Generaloberst von Kluck wurde bei Besichtigung 
der vorderen Stellungen seiner Armee durch einen 
Schrapnellschuss leicht verwundet; sein Befinden ist 
zufriedenstellend. — Tauroggen wurde von unseren 
Truppen im Sturm genommen. Dreihundert Russen 
wurden gefangengenommen. In Gegend Krasnopol 
machten wir über tausend Gefangene, darunter eine 
Eskadron Garde-Ulanen mit Pferden, und erbeuteten 
fünf Maschinengewehre. 
30. März. Bei den Kämpfen um Tauroggen, die zur 
Besitznahme des Ortes führten, hat sich nach Meldung 
des dort anwesenden Prinzen Joachim von Preussen 
der ostpreussische Landsturm glänzend geschlagen und 
tausend Gefangene gemacht. Bei Krasnopol erlitten 
die Russen sehr schwere Verluste (etwa 2000 Tote). 
Unsere Beute aus den dortigen Kämpfen belief sich 
auf dreitausend Gefangene, sieben Maschinengewehre, 
ein Geschütz und mehrere Munitionswagen. 
31. März. Seit dem 1. März wurden von den österreichischen 
Truppen in Summe: 183 Offiziere, 39,942 Mann des 
Feindes gefangen, 68 Maschinengewehre erobert. 
2. April. An der Reichsgrenze zwischen Pruth und Dnjestr 
schlugen die Oesterreicher einen überlegenen Angriff 
der Russen zurück; zehn bis fünfzehn Reihen hinter 
einander griff der Feind tagsüber an mehreren Stellen 
der Schlachtfront an. Bis zum Abend währte der 
Kampf. Unter schweren Verlusten wurde der Gegner 
überall zum Rückzug gezwungen und wich namentlich 
vor dem südlichsten Abschnitt fluchtartig zurück. 
4. April. Am Yser-Kanal südlich Dixmuiden besetzten 
unsere Truppen den von Belgiern besetzten Ort Drie 
Grachten auf dem westlichen Ufer. 
6. April. Die Kämpfe in den Karpathen nehmen noch 
weiter an Ausdehnung zu. Auf den Höhen östlich 
des Laborczatales eroberten gestern deutsche und 
österreichische Truppen starke Stellungen der Russen 
und machten hierbei 5040 Mann zu Gefangenen, ln den 
anschliessenden Abschnitten wurden mehrere heftige 
Angriffe unter grossen Verlusten des Feindes blutig 
zurückgeschlagen, weiterer 2530 Russen gefangen.
        
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