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Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

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wurden unverwundet gefangen. Die mit grosser 
Hartnäckigkeit geführten Kämpfe in Südostgalizien 
dauern an. 
28. Februar. In der Champagne setzte der Gegner auch 
gestern seine Vorstösse fort. Die Angriffe wurden im 
vollen Umfange abgewiesen. Südlich Malancourt 
(nördlich Verdun) erstürmten wir mehrere hinter- 
einanderliegende feindliche Stellungen. Schwache 
französische Gegenangriffe scheiterten. Wir machten 
sechs Offiziere, 250 Mann zu Gefangenen und eroberten 
vier Maschinengewehre und einen Minenwerfer. Am 
Westrande der Vogesen warfen wir nach heftigem 
Kampf die Franzosen aus ihren Stellungen bei Blamont- 
Bionville. Unser Angriff erreichte die Linie Verdinal- 
Brernenil — östlich Badonviller — östlich Celles; durch 
ihn wurde der Gegner in einer Breite von zwanzig 
Kilometer und einer Tiefe von sechs Kilometer zurück 
gedrängt. Die Versuche des Feindes, das eroberte 
Gelände wiederzugewinnen, misslang unter schweren 
Verlusten. Ebenso wurden feindliche Vorstösse in den 
Südvogesen abgewiesen. — Nordwestlich Grodno waren 
gestern neue russische Kräfte vorgegangen. Unser 
Gegenstoss warf die Russen in die Vorstellungen der 
Festung zurück; 1800 Gefangene blieben in unserer 
Hand. Nordöstlich Ostrolenka wurde am Omulew ein 
feindlicher Angriff abgewiesen. Vor überlegenen feind 
lichen Kräften, die von Süden und Osten auf Prasznysz 
vorgingen, sind unsere Truppen in die Gegend nördlich 
und westlich dieser Stadt ausgewichen. 
• März. Bei Wervicq (nördlich Lille) wurde ein englisches 
Flugzeug durch unsere Beschiessung zum Landen ge 
zwungen. An einer Stelle unserer Front verwendeten 
die Franzosen wiederum, wie schon vor einigen Monaten, 
Geschosse, die bei der Detonation übelriechende und er 
stickende Gase entwickeln; Schaden wurde dadurch nicht 
angerichtet. Unsere Stellungen in der Champagne wurden 
gestern mehrfach von mindestens zwei Armeekorps ange 
griffen; die Vorstösse wurden nach heftigen Nahkämpfen 
restlos abgeschlagen. In den Argonnen erbeuteten wir 
zwei Minenwerfer. Zwischen Ostrand der Argonnen und 
Vauquois setzten die Franzosen gestern fünfmal zu 
einem Durchbruchsversuch an; die Angriffe scheiterten 
unter schweren Verlusten des Feindes. Die östlich 
Badonviller von uns genommenen Stellungen wurden 
auch gestern gegen feindliche Wiedereroberungsversuche 
gehalten. — Russische Angriffe nördlich Lomza und 
nordwestlich Ostrolenka wurden abgewiesen. Sonst 
nichts Wesentliches. — Erfolgreiche Kämpfe im west 
lichen Abschnitt der Karpathenfront brachten mehrere 
russische Vorstellungen in unseren Besitz. Neunzehn 
Offiziere, zweitausend Mann wurden hierbei gefangen 
genommen, viel Kriegsmaterial erbeutet. Im Raume 
südlich des Dnjestr sind nach Eintreffen russischer Ver 
stärkungen erbitterte Kämpfe im Gange. Alle feind 
lichen Angriffe, die auf die österreichisch-ungarischen 
Stellungen versucht wurden, scheiterten unter den 
schwersten Verlusten des Gegners. 
März. Erneute, wieder mit starken Kräften angesetzte 
Angriffe in der Champagne brachen meist schon in 
unserem Feuer unter gewaltigen Verlusten für den 
Feind zusammen. Nahkämpfe an einzelnen [Stellen 
waren durchweg für uns siegreich. Unsere Stellungen 
blieben fest in unserer Fland. Im Argonnerwald er 
oberten wir mehrere Gräben, machten 80 Gefangene 
und erbeuteten 5 Minenwerler. Angriffe auf Vauquois 
wurden blutig abgewiesen. Die in den Vogesen in 
den letzten Tagen von uns errungenen Vorteile wurden 
trotz heftiger Gegenangriffe festgehalten. Gestrige 
Abendangriffe der F'ranzosen nordöstlich Celles waren 
für den Feind besonders verlustreich. — Russische Vor 
stösse südöstlich und südlich des Augustower Waldes 
waren erfolglos. Russische Nachtangriffe nordöstlich 
Lomza und östlich Block wurden zurückgeschlagen. —- 
Englische und französische Schiffe setzten gestern in 
grösseren Zwischenräumen die Beschiessung der Darda 
nellenforts fort. Hauptsächlich richteten sie ihr F'euer 
aut die Batterie Sed ul Bahr. Feindliche Versuche, an 
einzelnen Stellen Erkundungsabteilungen zu landen, 
scheiterten. Schliesslich wurden fünf feindliche Panzer 
schiffe, die gegen andere unserer Batterien erfolglos 
feuerten, von sieben von diesen Batterien abgefeuerten 
Granaten getroffen und zum Rückzug genötigt. — In 
den Karpathen wurden im westlichen Abschnitt zahl 
reiche Gegenangriffe der Russen abgewiesen und die 
in den von vorausgegangenen Kämpfen von den öster 
reichisch-ungarischen Truppen gewonnenen Stellungen 
und Höhen festgehalten. Südlich des Dnjestr dauern 
die Kämpfe an. Auch gestern wurden feindliche An 
griffe blutig zurückgeschlagen, hierdurch erstrittenes 
Gebiet gegen numerisch oft überlegene gegnerische 
Kräfte behauptet. 
3. März. Bei St.-Eloi südlich von Ypern wurde ein Angriff 
zweier englischer Kompagnien nach blutigem Hand 
gemenge zurückgeworfen. Bei Peronne landete infolge 
Motordefekts ein französisches Flugzeug, die Insassen 
wurden gefangen genommen. Die französischen Angriffe 
in der Champagne hatten nicht den geringsten Erfolg; 
wieder wurden die Franzosen mit schweren Verlusten 
in ihre Stellungen zurückgeworfen. Nordwestlich von 
Ville-sur-Tourbe entrissen wir dem Feind Schützen 
gräben in Breite von dreihundertfünfzig Meter. F'ran- 
zösische Vorstösse im Wald von Consenvoye und in 
Gegend Ailly-Apremont wurden leicht abgewiesen. 
Unser Angriff nordöstlich von Badonviller brachte uns 
wieder beträchtlichen Geländegewinn. Wir schoben 
unsere Front hier in den letzen Tagen um 8 Kilometer 
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vor. Nordöstlich von Celles machen die Franzosen 
vergebliche Versuche, den Verlust der letzen Tage 
wieder auszugleichen. — Bei Grodno ist die Lage un 
verändert. Südöstlich von Augustow versuchten die 
Russen den Bobr zu überschreiten; unter schweren 
Verlusten wurden sie zurückgeworfen und Hessen 
1500 Gefangene in unserer Hand. Andere Angriffe in 
Gegend nordöstlich von Lomza brachen dicht vor 
unserer P'ront gänzlich zusammen. Südwestlich von 
Kolno machten wir Fortschritte, südlich Mysziniec 
nahmen wir unsere Vortruppen vor überlegenem Feinde 
etwas zurück. Nordwestlich von Prasznysz fühlten die 
Russen langsam vor. Mehrere russische Nachtangriffe 
östlich von Plock wurden abgewiesen. — Englische 
und französische Schiffe beschossen gestern drei Stunden 
lang erfolglos die Dardanellen. Durch das wirksame 
Feuer unserer Batterien wurden sie gezwungen, sich 
zurückzuzichen. Gleichzeitig beschoss eine feindliche 
Flotte aus vier französischen Kreuzern und einigen 
Torpedobooten ohne jedes Ergebnis die türkischen 
Stellungen am Golf von Saros. Türkische Flieger 
bombardierten erfolgreich feindliche Schiffe. Die feind 
liche Flotte verschoss mehr als sechshundert Granaten, 
ohne ein Ergebnis zu erzielen. Die Granaten der 
türkischen Batterie warfen den hinteren Mast eines 
Schiffes um, dass die Konteradmiralsflagge führte, und 
trafen mehrmals feindliche Schiffe. Vorgestern Nacht 
versuchten englische und französische Torpedoboote in 
die Meerenge einzudringen, wurden aber von den 
Batterien gezwungen, sich zurückzuziehen. Nach einem 
Privat-Telegraram der Agence Milli ist ein Torpedoboot 
gesunken. — In Irak in der Umgebung von Ahoz wurde 
nach einem Gefecht zwischen zwei Schwadronen eng 
lischer Kavallerie, die Maschinengewehre mit sich führten, 
und unseren Aufklärungskolonnen, der Feind zur Flucht 
gezwungen; er Hess 50 Tote und eine Menge Waffen 
und Munition auf dem Kampfplatz zurück. — In den 
Karpathen sind westlich des Uzsoker Passes Kämpfe 
im Gange, die sich in grösserem Umfange um den 
Besitz wichtiger Höhen und Rückenlinien entwickeln. 
Mehrere russische Gegenangriffe wurden blutig abge 
wiesen, im Laufe des Tages in der Gefechtsfront neue 
lokale Erfolge erzielt. Bei Erstürmung einer Höhe 
nördlich Cizna blieben 400 Getangene in österreichisch 
ungarischen Händen. In Südost-Galizien wurde an der 
ganzen Schlachtfront heftig gekämpft. 
4. März. Ein französischer Munitionsdampfer, für Nieu- 
port bestimmt, fuhr durch ein Versehen der betrunkenen 
Besatzung Ostende an, erhielt dort Feuer und sank. 
Die verwundete Besatzung wurde gerettet. — Auf der 
Loretto-Höhe, nordwestlich Arras, setzten sich unsere 
Truppen gestern früh in Besitz der feindlichen Stellung 
in einer Breite von 600 Meter. Acht Offiziere, 
558 Franzosen wurden gefangen genommen, sieben 
Maschinengewehre und sechs kleinere Geschütze er 
obert. Feindliche Gegenangriffe wurden nachmittags 
abgeschlagen. Erneute französische Angriffe in der 
Champagne wurden leicht abgewiesen. Ein franzö 
sischer Vorstoss westlich St. Flubert in den Argonnen 
misslang, im Gegenangriff entrissen wir den Franzosen
        
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