Path:

Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

vier andere Generäle und annähernd 40 000 Mann ge 
fangen, 75 Geschütze, eine noch nicht festgestellte An 
zahl von Maschinengewehren nebst vielem sonstigen 
Kriegsgerät erbeutet. Die Gesamtbeute aus der Winter 
schlacht in Masuren steigt damit bis heute auf 7 
Generäle, über 100 000 Mann, 150 Geschütze und noch 
nicht übersehbares Gerät aller Art, einschliesslich 
Maschinengewehre. Schwere Geschütze und Munition 
wurden vom Feind mehrfach vergraben oder in den 
Seeen versenkt; so sind gestern bei Lötzen und im 
Widminner See acht schwere Geschütze von uns 
ausgegraben oder aus dem Wasser geholt worden. 
Die zehnte russische Armee des Generals Baron Sievers 
kann hiermit als völlig vernichtet angesehen werden. 
Neue Gefechte beginnen sich bei Grodno und nördlich 
Suchawola zu entwickeln. Die gemeldeten Kämpfe 
nordwestlich Ossowiez und Lomza, sowie bei Prasznysz 
nehmen ihren Fortgang. — Reuters Bureau meldet, 
dass die englischen Dampfer „Hemisphere“, „Highland 
Brae“, „Potaro“, „Semantha“ und das Segelschiff 
„Wilfrid“ vom Hilfskreuzer „Kronprinz Wilhelm“ ver 
senkt wurden. Die ganze Besatzung und 51 Passagiere 
des „Highland Brae“ wurden von dem deutschen 
Dampfer „Holger“ nach Buenos Aires gebracht. — In 
der Irischen See wurde am 19. Februar ein englisches 
Kohlenschiff von einem unserer Unterseeboote ver 
senkt. Am 21. Februar abends 6 Uhr wurde in der 
Irischen See, wenige Meilen vor Belfast, ein weiterer 
englischer Dampfer, das Kohlenschiff „Downshire“ von 
einem unserer Unterseeboote versenkt. ■—■ An der 
österreichisch-ungarischen Front in Russisch-Polen und 
Westgalizien Artilleriekämpfe und Geplänkel. Ver 
einzelte Vorstösse des Feindes wurden mühelos ab 
gewiesen. In den Karpathen zahlreiche russische Angriffe, 
die im westlichen Abschnitt noch während der Nacht 
andauerten. Alle diese Versuche, bis zu unseren 
Hindernislinien vorzugehen, scheiterten unter grossen 
Verlusten für den Feind. Südlich des Dnjestr ent 
wickeln sich die Kämpfe in grösserem Umfange. Eine 
starke Gruppe des Feindes wurde gestern nach längerem 
Kampfe geworfen, 2000 Gefangene gemacht, vier Ge 
schütze und viel Kriegsmaterial erbeutet. Die in einem 
offiziellen russischen Communique als falsch bezeichnete 
Summe von 29 000 Kriegsgefangenen, die unsere 
Truppen bis vor einigen Tagen in den Karpathen 
kämpfen seit Ende Januar eingebracht haben, hat sich 
mittlerweile vergrössert und ist auf 64 Offiziere, 40 806 
Mann gestiegen. Hierzu kommen 34 Maschinengewehre 
und 9 Geschütze. 
23. Februar. Die Festung Calais wurde in der Nacht 
vom 21. zum 22, dieses Monats ausgiebig mit Luft 
bomben belegt. Die Franzosen haben gestern in der 
Champagne bei und nördlich Perthes erneut, wenn 
auch mit verminderter Stärke angegriffen. Sämtliche 
Vorstösse brachen in unserem Feuer zusammen. Bei 
Ailly-Apremont wurden die Franzosen nach anfänglichen 
kleineren Erfolgen in ihre Stellung zurückgeworfen. 
In den Vogesen wurde der Sattelkopf nördlich Mühl 
bach im Sturm genommen. — Ein von den Russen 
mit schnell zusammengefassten neugebildeten Kräften 
von Grodno in nordwestlicher Richtung versuchter 
Vorstoss scheiterte unter vernichtenden Verlusten. Die 
Zahl der Beutegeschütze aus der Verfolgung nach der 
Winterschlacht in Masuren hat sich auf über dreihundert, 
darunter achtzehn schwere, erhöht. Nordwestlich 
Ossowiez, nördlich Lomza und bei Prasnysz dauern 
die Kämpfe an. An der Weichsel östlich Plock drangen 
wir weiter in Richtung auf Wyszogrod vor. In Polen 
südlich der Weichsel wurde der Vorstoss einer 
russischen Division gegen unsere Stellungen an der 
Rawka abgewiesen. — Am 22. d. Vits, nachmittags 
4 Uhr 45 Minuten ist der englische Truppentransport 
dampfer 192 bei Beach}' - Head durch ein deutsches 
Unterseeboot zum Sinken gebracht worden. — Un 
sichtiges Wetter behinderte in Westgalizien die Artillerie 
und sonstige Gefechtstätigkeil. An der Karpathenfront 
zerschellten russische Angriffe in der gewohnten Weise 
unter bedeutenden Verlusten des Gegners. Sieben 
Offiziere und 550 Mann wurden gefangen. Die Kämpfe 
südlich des Dnjestr dauern an. Am Schlachtfeld gelang 
es den bewährten Kroatischen Truppen im erfolgreichen 
Angriff, die Russen aus mehreren Ortschaften zu werfen, 
vom Feind stark besetzte Ilöhenstellungen zu nehmen 
und Raum nach vorwärts zu gewinnen. 
24. Februar. In der Gegend von Perthes (in der 
Champagne) griffen die Franzosen gestern nachmittag 
mit zwei Infanterie-Divisionen an; es kam an mehreren 
Stellen zu erbitterten Nahkämpfen, die sämtlich zu 
unseren Gunsten entschieden worden sind. Der Feind 
wurde unter schweren Verlusten in seine Stellungen 
zurückgeworlen. ln den Vogesen machten unsere 
Angriffe gegen Sulzern und Ampfersbach (westlich 
Stossweier) Fortschritte. In den Gefechten der letzten 
Tage machten wir 500 Gefangene. — Ein erneuter feind 
licher Vorstoss aus Grodno wurde mühelos abgewiesen. 
Südöstlich Augustow gelang es gestern den Russen an 
zwei Stellen über den Bobr vorzukommen; bei Sztabin 
ist der Gegner wieder zurückgeworfen, in der Gegend 
von Krasnybor ist der Kampf noch im Gange, bei 
Prasznysz fielen 1200 Gefangene und zwei Geschütze 
in unsere Hand. Oestlich Skierniwice wurde ein 
russischer Nachtangriff abgeschlagen. — An der polnisch- 
galizischen Front herrscht, abgesehen von vereinzelten, 
lebhaften Geschützkämpfen und stellenweise Geplänkel, 
grösstenteils Ruhe. Die Situation in den Karpathen ist 
: cf€xyfJjjefiesxuvL 5 
• JderGhW.cCtipzigerstr 27/28 Sj 
|l JllotlcnJuuis I; 
J fiJj- u. (Damen • 
;i Sport Livreen • 
►! ______ • 
im allgemeinen unverändert. In den gestrigen Kämpfen 
am obersten San wurde eine Höhe erstürmt, fünf 
Offiziere, 198 Mann gefangen genommen. Nördlich des 
Sattels von Volovec versuchte der Gegner, dichtes 
Schneetreiben ausnützend, im hartnäckigen Angriff auf 
die von den österreichisch-ungarischen Truppen besetzten 
Stellungen durchzudringen: der Vorstoss wurde unter 
schweren Verlusten des Feindes zurückgeschlagcn, 
300 Russen gefangen. Die Kämpfe südlich des Dnjestr 
nehmen noch weiter an Umfang und Ausdehnung zu. 
25. Februar, ln der Champagne setzte der Gegner gestern 
seine verzweifelten Angriffe fort; sie blieben, wie die 
vorhergehenden, trotz der eingesetzten starken Kräfte 
ohne den geringsten Erfolg. — Die Gefechte am Njemen, 
Bobr und Narew, dauern an. Die festungsartig aus 
gebaute Stadt Prasznysz wurde gestern von ost- 
preussischen Reservetruppen nach hartnäckigen Kämpfen 
im Sturm genommen. Ueber 10 000 Gefangene, über 
20 Geschütze, ein grosses Lager von Maschinengewehren 
und sehr viel Gerät fielen in unsere Hand. In anderen 
Gefechten nördlich der Weichsel sind in den letzten 
Tagen 5000 Gefangene gemacht. In Polen südlich der 
Weichsel besetzten die Russen nach einem mit fünf 
facher Ueberlegenheit ausgeführten Angriff das Vorwerk 
Mogily (südöstlich Bolimow). — An der westgalizischen 
Front brachte der Vorstoss einer Gefechstruppe, die 
den Russen östlich Grybow mehrere Stützpunkte entriss, 
560 Gefangene und sechs Maschinengewehre ein. In 
den Karpathen ist wieder starker Schneefall eingetreten, 
der die Kampftätigkeit beeinflusst. Die allgemeine 
Situation hat sich nicht verändert. Der Angriff der 
österreichisch-ungarischen Truppen in den Gefechten 
südlich des Dnjestr, schreitet mit Erfolg vorwärts. In 
den Kämpfen am 21. und 22. Februar wurden 10 Offiziere 
3338 Mann gefangen. 
26. Februar. ln Russisch-Polen war gestern in den 
Gefechtsabschnitten östlich Przedborz lebhafter Geschütz 
kampf im Gange. In den Karpathen scheiterten 
feindliche Angriffe im Ondavatal sowie auf die Stellungen 
nördlich des Sattels von Volovec. Bei Erstürmung 
einer Höhe wurden in den Kämpfen in Südostgalizicn 
neuerdings 1240 Russen gefangen. 
27. Februar. In der Champagne haben die Franzosen 
gestern und heute nacht erneut mit starken Kräften an 
gegriffen. Der Kampf ist an einzelnen Stellen noch im 
Gange; im übrigen ist der Angriff abgewiesen worden. 
Nördlich Verdun haben wir einen Teil der französischen 
Stellungen angegriffen; das Gefecht dauert noch an. — 
Nordwestlich Grodno, westlich Lomza und südlich 
Prasznysz sind neue russische Kräfte aufgetreten, die 
zum Angriff vorgingen. An der Skroda südlich Kolno 
machten wir 1 100 Gefangene. — An der polnisch- 
galizischen F'ront stellenweise lebhafter Geschützkampf. 
Im Abschnitt Tucholka-Wyszkow wurde heftig gekämpft. 
Hier wurde ein neuerlicher Angriff auf die eigenen 
Stellungen im Opor-Tal nach erbittertem Nahkampf 
unter schweren Verlusten des Gegners zurückgeschlagen. 
Das angreifende 9. finische Schützenregiment Hess 
300 Tote und mindestens ebensoviel Verwundete an 
unseren Stellungen zurück. 730 Mann des Regiments
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.