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Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

kleinere Geschütze abgenommen. Auch in den Mittel 
und Südvogesen hatten wir einige kleine örtliche Er 
folge. — Die Kämpfe an der ostpreussischen Grenze 
wurden auch gestern mit durchweg erfreulichem Aus 
gange für uns fortgesetzt, trotzdem tiefer Schnee die 
Bewegungen der Truppen behinderte. Die Ergebnisse 
der Zusammenstösse mit dem Gegner lassen sich noch 
nicht klar übersehen. Auf dem polnischen Kriegs 
schauplatz rechts der Weichsel brachte uns ein Vorstoss 
in der Gegend nordwestlich Sierpc, durch den der 
Gegner überall, wo er getroffen wurde, zurückgedrängt 
ist," einige hundert Gefangene ein. Links der Weichsel 
sind keine besonderen Ereignisse vorgekommen. — 
In Russisch-Polen und Westgalizien, abgesehen von 
Arlilleriekämpfen, keine Ereignisse. An der Karpathen 
front wurden im Abschnitt westlich des Uzsoker Passes 
russische Angriffe und einzelne partielle Vorstösse unter 
starken Verlusten des Feindes zurückgeschlagen. Im 
Waldgebirge und in der Bukowina sind erneuert Fort 
schritte zu verzeichnen; mehrere hundert Gefangene 
sowie Maschinengewehre eingebracht 
12. Februar. An der Küste erschienen nach längerer 
Pause gestern wieder feindliche Schiffe. Leber Ostende 
wurden von Fliegern des Gegners Bomben abgeworlen, 
die militärischen Schaden nicht anrichteten. Auf der 
übrigen F'ront fanden nur Artilleriekämpfe statt. Be 
sonders viel Munition setzte der Feind gegen unsere 
Stellungen in der Champagne ein, einen nennenswerten 
Erfolg hat er hierdurch nirgends erzielt. Bei Souain 
wurde auch ein Infanterieangriff versucht, der aber ab 
gewiesen worden ist, und bei dem 120 Gefangene in 
unseren Händen blieben. Die gestern gemeldete Zahl 
der Gefangenen in den Argonnen erhöht sich um einen 
Offizier und 119 Mann. Nordwestlich Verdun wurden 
mehrere feindliche Schützengräben von uns genommen; 
der dagegen französischerseits unter Vorantragen der 
Genfer Flagge unternommene Gegenstoss wurde unter 
erheblichen Verlusten für den F'eind abgewiesen. Die 
Festung Verdun wurde von deutschen Fliegern mit 
etwa 100 Bomben belegt. Am Sudelkopf in den 
Vogesen gelang es den FTanzosen, einen kleinen Vor 
graben vor unserer Stellung zu besetzen. — Seine 
Majestät der Kaiser ist auf dem Kampffelde an der 
ostpreussischen Grenze eingetroffen. Die dortigen 
Operationen haben die Russen zum schleunigen Auf 
geben ihrer Stellungen östlich der Masurischen Seen 
gezwungen. An einzelnen Stellen dauern’die Kämpfe 
noch fort. Bisher sind etwa 26000 Gefangene gemacht, 
mehr als zwanzig Geschütze und dreissig Maschinen 
gewehre erobert worden. Die Menge des erbeuteten 
Kriegsmaterials lässt sich aber noch nicht annähernd 
übersehen. In Polen rechts der Weichsel haben die 
deutschen Truppen die gestern gemeldete Offensive 
fortgesetzt, die Stadt Sierpc genommen und wiederum 
einige hundert Gefangene gemacht. Auf dem polnischen 
Kriegsschauplatz links der Weichsel keine Verän 
derung. — Die Kämpfe an der Karpathenfront dauern 
überall an. Im Angriff der Verbündeten wird trotz er 
bitterten feindlichen Widerstandes und Einsetzens von 
russischen Verstärkungen, die aus allen Richtungen zu 
sammengezogen werden, Schritt um Schritt Raum ge 
wonnen. Die Operationen in der Bukowina schreiten 
günstig fort. Unter täglichen Gefechten erkämpfen sich 
die österreichisch-ungarischen durch die Gebirgstäler 
vordringenden Kolonnen den heimatlichen Boden. Die 
Serethtinie ist erreicht. — Aus Südwestafrika wird amt 
lich gemeldet: Major Ritter hat Anfang Februar die 
am Nordufer des Oranjeflusses bei Kakamas in der 
Kapkolonie verschanzteu Engländer angegriffen, über 
den Oranje geworfen und sämtliche Fahrzeuge zum 
Uebersetzen über den Flnss zerstört. 
13. Februar. An der Küste warfen auch gestern wieder 
feindliche Flieger Bomben ab, durch die in der Zivil 
bevölkerung und deren Besitz sehr beklagenswerter 
Schaden angerichtet wurde, während wir militärisch 
nur unerhebliche Verluste hatten. In unserer Westfront 
wurden Artilleriegeschosse aufgefunden, die zweifellos 
aus amerikanischen Fabriken stammen. Die Zahl der 
bei den gestern östlich Souain abgewiesenen Angriffen 
gemachten Gefangenen erhöht sich auf vier Offiziere, 
478 Mann. Vor unserer Front wurden 200 Tote des 
Feindes aufgefunden, während unsere Verluste bei 
diesen Gefechten an Toten und Verwundeten neunzig 
Mann betragen. Nördlich Massiges (nordwestlich 
St. Menehould) wurden im Verfolg unserer Angriffe vom 
3. Februar weitere zwölfhundert Meter von der fran 
zösischen Ilauptstellung genommen. Am Sudelkopf 
in den Vogesen versuchte der Gegner erneut anzugreifen, 
wurde aber überall mühelos abgewiesen. — Die 
Operationen an und jenseits der ostpreussischen Grenze 
sind überall im glücklichen Fortschreiten. Wo der 
Feind Widerstand zu leisten versucht, wird dieser 
schnell gebrochen. In Polen rechts der Weichsel 
überschreiten unsere Angriffstruppen die untere Skrwa 
und gehen in Richtung Racionz vor. Von dem 
polnischen Kriegsschauplatz links der Weichsel ist 
nichts Besonderes zu melden. — Die Situation an der 
Karpathenfront ist im westlichen und mittleren Abschnitt 
im allgemeinen unverändert. Die starken russischen 
Gegenangriffe zunächst des Duklapasses sind seltener 
geworden, im östlichen Abschnitt sind Fortschritte 
erzielt. Gleichzeitig mit dem erfolgreichen Vordringen 
in der Bukowina überschritten eigene Truppen nach 
Zurückwerfen des Gegners bei Körösmezö den Jablonica- 
Pass und die Uebergänge beiderseits dieser Strasse. 
Während die in der Bukowina vorrückenden Kolonnen 
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unter zahlreichen Gefechten die Serethlinie erreichten, 
erkämpften sich die im oberen Flussgebiet des Pruth und 
auf Nadworna vordringenden eigenen Kräfte den Aus 
tritt aus den Gebirgstälern und erreichten Wiznitz, 
Kuty, Kosow, Delatyn und Pasieczna, wo die Russen 
gegenwärtig an verschiedenen Punkten halten. Durch 
die in letzterZeit täglich eingebrachten Gefangenen wurde 
die Summe der in den jetzigen Kämpfen gemachten 
russischen Kriegsgefangenen auf 29 000 Mann erhöht. 
14. Februar. Nordöstlich Pont-ä-Mousson entrissen wir 
den Franzosen das Dorf Norroy und die westlich 
dieses Ortes gelegene Höhe 365; zwei Offiziere und 151 
Mann wurden zu Gefangenen gemacht. In den Vogesen 
wurden die Ortschaften Hilsen und Ober-Sengern ge 
stürmt, 135 Gefangene fielen in unsere Fland. — An 
und jenseits der ostpreussischen Grenze nehmen unsere 
Operationen den erwarteten Verlauf. In Polen rechts 
der Weichsel machten unsere Truppen in Richtung 
Racionz Fortschritte, in Polen rechts der Weichsel 
keine Veränderung. — Ein Teil der österreichisch 
ungarischen Gefechtsfront im Abschnitt Dukla gegen 
den bisher heftige russische Angriffe geführt wurden, 
ging selbst zum Angriff über, warf den Feind, und 
zwar sibirische Truppen, von zwei dominierenden 
Höhen und erstürmte eine Ortschaft bei Vizköz. Gleich 
falls erfolgreich war der Angriff Verbündeter in den 
mittleren Waldkarpathen. Auch hier wurde dem 
Gegner eine vielumstrittene Höhe entrissen. In den 
gestrigen Kämpfen wieder 970 Gefangene. In Südost- 
Galizien und in der Bukowina siegreiche Gefechte. 
Der südwestlich Nadworna zur Deckung der Stadt 
haltende Feind wurde geworfen, die Höhen nördlich 
Delatyn erobert, hierbei zahlreiche Gefangene gemacht. 
15. Februar, Südlich Ypern bei St. Eloi entrissen wir 
dem Feind ein etwa 900 Meter langes Stück seiner 
Stellung. Gegenangriffe waren erfolglos. Ebenso 
misslang ein Angriff des Gegners in der Gegend süd 
westlich La Bassee, einige dutzend Gefangene blieben 
in unseren Händen. Den Vorgraben, den wir am 
12. Februar am Sudelkopf verloren hatten, haben wir 
wiedergenommen. Aus Sengern im Lauchtal wurde 
der Feind geworfen, den Ort Remspach räumte er 
darauf freiwillig. — Nordöstlich Tilsit wurde der Feind 
aus Piktupönen vertrieben und in Richtung auf 
Tauroggen weitergedrängt. Diesseits und jenseits der 
Grenze östlich der Seenplatte dauern die Verfolgungs 
kämpfe noch an, überall schreiten unsere Truppen 
schnell vorwärts. Gegen feindliche über Lomza vor 
gehende Kräfte stossen deutsche Teile in der Gegend 
von Kolno vor. Im Weichselgebiet gewannen wir 
weiter Boden. Racionz ist von uns besetzt. In den 
vorhergehenden Kämpfen wurden neben zahlreichen 
Gefangenen sechs Geschütze erobert. In Polen links 
der Weichsel keine wesentlichen Veränderungen. — 
Die Kämpfe in den Karpathen sind auch weiter in 
vollem Gange. In Südostgalizien wurde gestern 
Nadworna in Besitz genommen, der Gegner in Richtung 
auf Stanislau zurückgedrängt. Auf dem serbischen 
Kriegsschauplatz herrscht, abgesehen von unbedeutenden 
Grenzgefechten, Ruhe.
        
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