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Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

illustrierte Kriegs-Chronik des „Berliner Leben" 
22. Januar. Anhaltender Regen schloss eine grössere 
Gefechtstätigkeit zwischen Küste und La Bassee-Kanal 
aus. Bei Arras Artilleriekämpfe. Einer von den süd 
westlich Berry-au-Bac vorgestern genommenen Schützen 
gräben wurde, da er durch die einstürzenden Mauern 
einer Fabrik teilweise verschüttet war, aufgegeben 
und gesprengt. Ein französischer Angriff nördlich 
von Verdun wurde leicht abgewiesen. Nach den vor 
gestrigen Kämpfen südlich St. Mihiel hielten sich 
kleinere französische Abteilungen noch unweit unserer 
Stellungen. Durch einen Vorstoss wurde das Gelände 
vor unserer Front bis zur alten Stellung der Franzosen 
gesäubert. Der Kampf um Croix des Carmes nord 
westlich Pont-ä-Mousson dauert noch fort. Ein starker 
französischer Angriff gegen den von uns wieder 
eroberten Teil unserer Stellung wurde unter schweren 
Verlusten für den Feind zurückgeschlagen. In den 
Vogesen nördlich Sennheim warfen unsere Truppen 
den Feind von den Höhen des Flartmannsweilerkopfes 
und machten zwei Offiziere, 125 Mann zu Gefangenen. 
-— In Ostpreussen ist die Lage unverändert. Am 
Sucha-Abschnitt schritten unsere Angriffe langsam fort. 
Oestlich der Pilica nichts Neues. — Der von Leith 
nach Rotterdam bestimmte englische Dampfer „Dur 
ward“ ist von einem deutschen Unterseeboot versenkt 
worden. — Nördlich der Weichsel entwickelte sich 
gestern lebhafterer Geschützkampf; die österreichisch- 
ungarische Artillerie wirkte namentlich in dem süd 
lichsten Nida-Abschnitt und bei Chenciny, wo der Bahn 
verkehr der Russen durch Volltreffer auf eine Eisenbahn 
station empfindlich gestört wurde, mit besonderem 
Erfolge. Auch südlich der Weichsel an allen Teilen 
der Front Geschützkampf mit wechselnder Stärke. Die 
Situation in den Karpathen ist unverändert. — Im 
Kaukasus zogen sich die Hauptkräfte der Russen, 
denen eine Umzingelung des türkischen linken Flügels 
nicht gelungen war, vor der türkischen Gegenoffensive 
zurück. Am 21. Januar versuchten englische Streit 
kräfte unter dem Schutze von drei Kanonenbooten 
eine Offensive gegen die türkischen Truppen bei Koma, 
wurden aber vollständig besiegt und gezwungen, sich 
mit grosen Verlusten zurück zu ziehen. 
23. Januar. Feindliche Flieger warfen gestern ohne 
Erfolg bei Gent und Zeebrügge Bomben ab. Zwischen 
Souain und Perthes, nördlich des Lagers von Chalons, 
griff der Feind gestern nachmittag an, der Angriff brach 
in unserem Feuer zusammen. Der Feind flüchtete in 
seine Gräben zurück. Im Argonnerwalde eroberten 
Hindenburgbüste 
von Romanus Andresen, Charloltenburg. 
Vie vortrefflich die schnell populär gewordene neue Hindenburgbüste dem 
Künstler gelungen ist, geht am besten aus einem Schreiben hervor, das die 
äattin des Generalfeldmarschalls von Hindenburg an Romanus Andresen richtete, 
i dem u. a. der Satz enthalten ist: „Die Aehnlichkeil ist um so bedeutungs- 
oller, als Sie, sehr geehrter Herr Andresen meinen Mann doch wohl nie 
gesehen haben“. 
Jer Verlag der Büste ist dem Kunstverlag Professor Benninghoven, Berlin N.W., 
Turmstrasse 19, übertragen worden. 
unsere Truppen westlich Fontaine la Milte eine feind 
liche Stellung, machten drei Offiziere, 245 Mann zu 
Gefangenen und erbeuteten vier Maschinengewehre. 
Nordwestlich Pont-ä-Mousson wurden zwei französische 
Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind ab 
geschlagen. Bei den Kämpfen zur Zurückgewinnung 
unserer Gräben wurden dem Feind seit dem 21. Januar 
sieben Geschütze und ein Maschinengewehr ab 
genommen. Bei Wisembach wurden Alpenjäger zurück 
geworfen. Mehrere nächtliche Angriffe des F'eindes 
auf Llartmannsweilerkopf blieben erfolglos. — In Ost 
preussen nicht Neues. Im nördlichen Polen in Gegend 
Przasnysz wurde ein unbedeutender russischer Angriff 
abgewiesen. Aus Blinno und Gojsk wurden die Russen 
herausgeworfen; schwächere auf Szpital Gorny vor 
gehende russische Abteilungen wurden zum Rückzug 
gezwungen. Unsere Angriffe gegen den Sucha-Ab 
schnitt schreiten fort, in Gegend Rawa und westlich 
Chenciny lebhafte Artilleriekämpfe. — Die wiederholten 
russischen Angriffe auf die österreichisch-ungarischen 
Stellungen in der südlichen Bukowina endeten gestern 
mit der Wiedereroberung von Kirlibaba und der die 
Stadt beherrschenden flöhen. Die Russen zogen 
sich unter schweren Verlusten zurück. Die Versuche 
des Gegners über Jakobeny und Kirlibaba weiter Raum 
zu gewinnen, sind vollkommen gescheitert. 
24. Januar. Im Argonner Walde wurden zwei fran 
zösische Angriffe mühelos zurückgewiesen. ln den 
Vogesen am Hartmannsweilerkopf und nordöstlich 
Steinbach machten wir Fortschritte und nahmen fünfzig 
französische Jäger gefangen. — In Ostpreussen und 
im nördlichen Polen keine Veränderung. Unser Angriff 
gegen den Sucha-Abschnitt bei Borzjnnow war erfolg 
reich; feindliche Gegenangriffe wurden unter schweren 
Verlusten für die Russen abgeschlagen. Russische An 
griffe in Gegend nordwestlich Opozno scheiterten. — 
Bei einem Vorstoss S.M. Panzerkreuzer „Seydlitz“, 
„Derfflinger“, „Moltkc“ und „Blücher“ in Begleitung 
von vier kleinen Kreuzern und zwei Torpedoboots- 
flottillen in die Nordsee kam es heute vormittag zu 
einem Gefecht mit englischen Streitkräften in der Stärke 
von fünf Schlachtkreuzern, mehreren kleinen Kreuzern 
und sechsundzwanzig Torpedobootszerstorern. Der 
Gegner brach nach drei Stunden siebzig Seemeilen 
Westnordwest von Helgoland das Gefecht ab und zog 
sich zurück. Nach bisheriger Meldung sind auf eng 
lischer Seite zwei Schlachtkreuzer und drei Torpedo 
bootszerstörer, von. unseren Schiffen der Panzerkreuzer
        
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