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Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

Vorbereitung griff der Feind die von uns am 22. Juni 
erstürmte Höhe 631 bei Ban de Sapt an. Wir mussten 
die vollkommen verschütteten Gräben auf der Kuppe 
räumen. 
10. Juli. Drei fanzösische Angriffe bei Launois (am Süd 
hang der Höhe 631 bei Ban-de-Sapt) scheiterten bereits 
in unserem Artilleriefeuer. Nachts wurde in der 
Champagne, nordwestlich von Beau-Scjour-Ferme, ein 
vorspringender französischer Graben gestürmt; östlich 
anschliessend unternahmen wir einige erfolgreiche 
Sprengungen. Im Priesterwalde verbesserten wir durch 
einen Vorstoss unsere neuen Stellungen. Seit 4. Juli 
sind in den Kämpfen zwischen Maas und Mosel 1798 
Gefangene, darunter 21 Offiziere, gemacht, 3 Geschütze, 
12 Maschinengewehre. 18 Minenwerfer erbeutet. 
11. Juli. Nördlich von Ypern wiederholten die Engländer 
gestern ihren Versuch vom 6. Juli, sich in Besitz unserer 
Stellung am Kanal zu setzen. Der Angriff scheiterte 
unter erheblichen Verlusten für den Feind. Hart nördlich 
der Strasse Souchez-Ablain versuchten die Franzosen 
abends einen Angriff, der auf einen Vorstoss von 
deutscher Seite traf. Der Kampf ist noch nicht ab 
geschlossen. Dem französischen Feuer fielen in den 
letzten Tagen 40 Einwohner von Lievin zum Opfer, 
von denen 10 getötet wurden. Zwischen Ailly und 
Apremont erfolglose französische Handgranatenangriffe. 
Im Priesterwalde brach unter starken Verlusten für den 
Feind ein durch heftiges Artilleriefeuer vorbereiteter 
Angriff dicht vor unseren Stellungen zusammen. Ein 
Angriff auf die deutsche Stellung östlich und südöstlich 
von Sondernach (südwestlich von Münster) wurde zu 
rückgeschlagen. Unsere Flieger griffen die Bahnanlagen 
von Gerardmer an. 
12. Juli. Am Nordhang der Höhe 60 (südöstlich von 
Y r pern wurde ein Teil der englischen Stellung in die 
Luft gesprengt. Der Nahkampf am Westrand von 
Souchez schreitet vorwärts, der südlich von Souchez 
an der Strasse nach Arras gelegene, vielumstrittene 
Kirchhof ist wieder in unserem Besitz; er wurde gestern 
abend nach hartem Kampf gestürmt. Zwei Offiziere, 
163 Franzosen wurden gefangengenommen, 4 Maschinen 
gewehre und 1 Minenwerfer erbeutet. Bei Combres 
und im Walde von Ailly ging der Gegner gestern 
abend nach starker Artillerievorbereitung zum Angriff 
vor; auf der Höhe von Combres gelang es dem Feinde, 
in unsere Linien einzudringen; er wurde wieder hinaus 
geworfen; im Walde von Ailly brach die feindliche 
Infanterie bereits vor unserer Stellung in unserem Feuer 
zusammen. Bei Amerzweiler (nordwestlich von Alt- 
kirch) überfielen wir eine feindliche Abteilung in ihren 
Gräben; die feindliche Stellung wurde in einer Breite 
von 500 Meter eingeebnet; unsere Truppen gingen so 
dann planmässig unter Mitnahme einiger Gefangener 
vom Feinde unbelästigt in ihre Linie zurück. — (Oest- 
licher Kriegsschauplatz.) An der Strasse von Suwalki 
nach Kalwarja, in der Gegend von Lipina, stürmten 
unsere Truppen die feindlichen Vorstellungen in einer 
Breite von vier Kilometer. 
13. Juli. Ein französischer Handgranatenangriff bei der 
Zuckerfabrik von Souchez wurde abgewiesen. Im An 
schluss an den Sturm auf den Kirchhof wurde darüber 
hinaus unsere Stellung in einer Breite von 600 Meter 
vorgeschoben und auch das an der Strasse nach Arras 
gelegene Cabaret Rouge genommen. Die Zahl der 
Gefangenen hat sich auf 3 Offiziere, 215 Mann erhöht. 
Verschiedene Ansätze zu feindlichen Gegenangriffen 
wurden unter Feuer genommen: ihre Durchführung 
wurde dadurch verhindert. Zwischen Maas und Mosel 
entwickelte der Feind lebhafte Artillerietätigkeit. Vier 
mal griff er im Laufe des Abends und der Nacht unsere 
Stellungen im Priesterwalde an. Die Angriffe brachen 
unter grossen Verlusten vor unseren Linien im Feuer 
zusammen. 
14. Juli. Heute nacht wurden abermalige Handgranaten 
angriffe bei der Zuckerfabrik von Souchez abgewiesen. 
Die Franzosen sprengten in der Gegend von Troyon 
(westlich von Craonne) und von Perthes (in der Cham 
pagne) erfolglos einige Minen. Unser Handgranaten 
teuer hinderte sie, sich an den Sprengstellen festzusetzen. 
In den Argonnen führten deutsche Angriffe zu vollem 
Erfolge. Nordöstlich von Vienne-le-Chäteau wurde etwa 
in tausend Meter Breite die französische Linie ge 
nommen; ein Offizier, 137 Mann wurden gefangen; ein 
Maschinengewehr, ein Minenwerfer erbeutet. Südwest 
lich von Boureuilles stürmten unsere Truppen die feind 
liche Höhenstellung in einer Breite von drei Kilometer 
und einer Tiefe von ein Kilometer. Die Höhe 285 
(La Fille Morte) ist in unserem Besitz. An unver 
wundeten Gefangenen fielen 2581 Franzosen, darunter 
51 Offiziere, in unsere Hände, ausserdem wurden 300 
bis 400 verwundete Gefangene in Pflege genommen; 
zwei Gebirgsgeschütze, zwei Revolverkanonen, sechs 
Maschinengewehre und eine grosse Menge Gerät wurden 
erbeutet. Unsere Truppen stiessen bis zu den Stellunen 
der französisohen Artillerie vor und machten acht Ge 
schütze unbrauchbar, die jetzt zwischen den beider 
seitigen Linien stehen. Ein englisches Flugzeug wurde bei 
Frezenberg nordöstlich von Ypern heruntergeschossen. 
15. Juli, ln Südflandern sprengten wir gestern westlich 
von Wytschaete mit gutem Erfolge Minen. In der 
Gegend von Souchez griffen die Franzosen, zum Teil 
mit stärkeren Kräften, an verschiedenen Stellen an. Sie 
wurden überall zurückgeschlagen. Nordwestlich vom 
Gehöft Beau-Scjour in der Champagne kam ein feind 
licher Handgranatenangriff infolge unseres Minenfeuers 
nicht zur Durchführung. Die Franzosen machten gestern 
bis in die Nacht hinein wiederholte Versuche, die von 
uns eroberten Stellungen im Argonnerwalde zurück 
zuerobern. Trotz Einsatzes grosser Munitionsmengen 
und starker, auch neu herangeführter Kräfte brachen 
sich in ihre Angriffe an der unerschütterlichen deutschen 
Front. An vielen Stellen kam es zu erbitterten Hand 
granaten- und Nahkämpfen. Mit ungewöhnlich hohen 
Verlusten bezahlte der Gegner seine ergebnislosen An 
strengungen. Die Zahl der französischen Gefangenen 
hat sich auf 68 Offiziere, 3688 Mann erhöht. Der Erfolg 
unserer Truppen ist um so bemerkenswerter, als nach 
übereinstimmenden Gefangenenaussagen die Franzosen 
für den 14, Juli, den Tag ihres Nationalfestes, einen 
grossen Angriff gegen unsere Argonnenfront vorbereitet 
hatten. Auch östlich der Argonnen herrschte gestern 
erhöhte Gefechtstätigkeit; im Walde von Malancourt 
wurden Angriffsversuche des Feindes durch unser Feuer 
verhindert. Im Priesterwalde brach ein französischer 
Vorstoss verlustreich vor unseren Stellungen zusammen. 
Ein französisches Flugzug wurde beim Ueberfliegen 
unserer Stellung bei Souchez getroffen und ging brennend 
in der feindlichen Linie nieder, ein zweites wurde bei 
ITenin-Lietard heruntergeschossen. Führer und Be 
obachter fielen verwundet in unsere Hände. — Oest- 
licher Kriegsschauplatz. In kleineren Gefechten an der 
Windau abwärts Kurschany wurden zwei Offiziere und 
425 Russen zu Gefangenen gemacht. Südlich des Njemen 
in der Gegend Kalwarja eroberten unsere Truppen bei 
Franciszkowo und Osowa mehrere russischeVorstellungen 
und behaupteten sie gegen heftige Gegenangriffe. Nord 
östlich Suwalki wurden die Höhen von Olszanka von 
uns erstürmt, 300 Russen gefangen genommen und zwei 
Maschinengewehre erbeutet. Südwestlich Kolno nahmen 
wir das Dorf Krusca, sowie feindliche Stellungen süd 
lich und östlich dieses Dorfes und südlich der Linie 
Tartak—Lipniki. 2400 Gefangene und acht Maschinen 
gewehre fielen in unsere Hand Die Kämpfe in der 
Gegend von Prasznisz wurden erfolgreich fortgeführt. 
Mehrere leindliche Linien wurden von uns genommen 
und die in den letzten Februartagen heiss umstrittene 
und von den Russen stark ausgebaute Stadt Prasznysz 
selbst von uns besetzt. 
16. Juli. Wiederholte Versuche der Franzosen, uns die 
in den Argonnen erstürmten Stellungen zu entreissen, 
schlugen fehl. Die Stellungen sind fest in unserer Hand. 
Die gestern und vorgestern hart westlich der Argonnen 
geführten starken französischen Angriffe scheiterten 
gegenüber der tapferen Verteidigung durch norddeutsche 
Landwehr, die dem Feinde in erbitterten Nahkämpfen 
grosse blutige Verluste zufügte und ihm 462 Gefangene 
abnahm. Seit dem 20. Juni haben unsere Truppen in 
den Argonnen und westlich davon mit kurzen Unter 
brechungen erfolgreich gekämpft. Neben dem Gelände 
gewinn und der Materialbeute ist bisher die Gesamtzahl 
von 116 Offizieren 7009 Mann französischer Gefangener 
erreicht worden. — Nördlich von Popeljany (östlicher 
Kriegsschauplatz) haben unsere Truppen die Windau 
in östlicher Richtung überschritten. Südwestlich von 
Kolno und südlich Prasznysz machten wir unter sieg 
reichen Kämpfen weitere Fortschritte.
        
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