Path:

Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

illustrierte Kriegs-Chronik des „Berliner Leben" 
17. Juni. In der Nacht vom 15. zum 16. Juni haben unsere 
Marineluftschiffe einen Angriff auf die Nordostküste 
Englands ausgeführt. Ein befestigter Küstenplatz wurde 
niit Bomben beworfen, durch die eine Reihe industrieller 
Anlagen, darunter ein Hochofenwerk, in Brand gesetzt 
und zum Teil zerstört wurde. Die Luftschifte wurden 
stark beschossen, besonders heftig von einer Strand 
batterie. Letztere wurde angegriffen und zum Schweigen 
gebracht. Die Luftschiffe erlitten keinerlei Beschädigung. 
18. Juni. Die Feinde setzten ihre Durchbruchsversuche 
nördlich Arras vergeblich fort. Die Engländer erlitten 
nördlich des Kanals von La Bassee eine neue Niederlage; 
ihre Angriffstruppen wurden aufgerieben; nur einzelne 
Leute flüchteten sich zurück. Seit 16. Juni nahmen wir 
auf dem Kampffelde nördlich Arras 17 Offiziere, 647 
Mann gefangen; die blutigen Verluste der Gegner ent 
sprechen denen in der Schlacht in der Champagne. 
Leber die Art der Vernichtung von „U 29“ ist, wie wir 
von massgebender Stelle hören, jetzt aus besonderer 
Quelle bekannt geworden, dass das Boot durch einen 
unter schwedischer Flagge fahrenden englischen lank- 
dampfer zum Sinken gebracht worden ist. Hierdurch 
finden die von vornherein umlaufenden Gerüchte ihre 
Bestätigung, dass das Boot britischer Hinterlist zum 
Opfer gefallen ist. Der Kommandant von „U 29“ war, 
wie bekannt, Kapitänleutnant Otto Weddigen, unter 
dessen Führung seinerzeit ,,U 9“ die Kreuzer „La 
Hogue“, „Cressy“ und „Aboukir“ vernichtete. 
20. Juni, Die Armeen des Generalobersten v. Mackensen 
haben die Grodek-Stellung genommen. Zu Beginn des 
gestrigen Tages schritten deutsche Truppen und das 
Korps des Feldmarschalleutnants v. Arz zum Angriff 
auf die stark verschanzten feindlichen Linien; nach 
hartnäckigem Kampfe waren am Nachmittag fast durch 
weg die in mehreren Reihen hintereinander liegenden 
feindlichen Gräben auf der 35 Kilometer langen front 
nördlich von Janow bis Huta—Obedynska (südwestlich 
Rawa-Ruska) gestürmt: am Abend war der Feind bis 
hinter die grosse Strasse Zolkiew (nördlich Lemberg) — 
Rawa-Ruska geworfen. 
21. Juni. Am 20. Juni griff eines unserer Unterseeboote, 
etwa 100 Seemeilen östlich vom Firth of Forth, einen 
englischen Panzerkreuzer, anscheinend von der 
>.Minotaur“-Klasse, an. Der Torpedo traf, seine Wirkung 
konnte von demUnterseeboot jedochnichtmehrbeobachtet 
werden. 
22. Juni. Die deutschen Truppen und das in ihrer Mitte 
kämpfende österreichisch-ungarische Armeekorps haben 
seit 12. Juni, dem Beginn ihrer letzten Offensive aus 
der Gegend von Przemysl und Jaroslau, 237 Offiziere, 
58800 Mann zu Gefangenen gemacht, neun Geschütze 
und 136 Maschinengewehre erbeutet. 
23. Juni. Gestern nahmen wir die Festung Dünkirchen 
sowie feindliche Truppenansammlungen bei den Ort 
schaften Bergues, Hondsschoote, Furnes und Cassel 
unter Feuer. — Auf den Maashöhen setzten die Franzosen 
ihre Durchbruchsversuche ohne den geringsten Erfolg 
fort; sämtliche Angriffe wurden unter erheblichen Ver 
lusten für den I'eind abgeschlagen. Bisher machten wir 
280 unverwundete Franzosen, darunter drei Offiziere, 
zu Gefangenen und erbeuteten sieben Maschinengewehre 
sowie 20 Minenwerfer. Die Vorpostengefechte östlich 
von Luneville dauern noch an. In den Vogesen stürmten 
wir die seit Monaten heiss umstrittene, die Umgebung 
beherrschende Höhe 631 beiBan-de-Sapt. 193 Gefangene, 
drei Maschinengewehre, ein Minenwerfer, und anderes 
Material waren unsere Beute. Feindliche Wiederer 
oberungsversuche blieben erfolglos. — Lemberg wurde 
gestern nachmittag durch österr.-ungar. Truppen im Sturm 
genommen, daran anschliessend nachts die Szczerek- 
Stellung zwischen dem Dnjestr bei Mikolajow und 
Lemberg. Weiter nördlich ist in der Verfolgung die 
Linie östlich von Lemberg-Zoltance-Turynka (nord 
östlich von Zolkiew) erreicht. 
24. Juni. Auf den Maashöhen kam es zu weiteren er 
bitterten Zusammenstössen; wir nahmen noch 150 
Franzosen gefangen; der Feind erlitt bei zwei fehl 
geschlagenen Angriffen starke Verluste. Eine Unter 
nehmung gegen die von uns gestern genommene Höhe 
bei Ban-de-Sapt wiesen wir ab; die Zahl der Gefangenen 
erhöhte sich um 50. —- Nordöstlich Kurschanj'-, (östlicher 
Kriegsschauplatz), Hessen die Russen, bei einem, von 
Besonders günstige 
Gelegenheitskäufe 
Juwelen, Gold-, Silberwaren 
i Kanonierstrasse 9 
Margraf & Co., 
G. m. b. H. 
Achten Sie im eigenen Interesse auf die Hausnummer. 
uns abgeschlagenen Angriff, über 100 Gefangene zurück. 
Am Omulew führte ein deutscher Vorstoss zur Fort- 
nahme des Dorfes Kopaczyska. In Polen südlich der 
W'eichsel wurden mehrere feindliche Angriffe zum 
Scheitern gebracht. Die Armee des Generals v. Linsingen 
hat den Dnjestr überschritten; zwischen Ilalicz, das 
vom Feinde noch gehalten wird, und Zurawno steht 
sie im heftigen Kampf auf dem Nordufer; anschliessend 
bis zur Gegend östlich von Lemberg und von Zolkiew 
wurde die Verfolgung fortgesetzt. Zwischen Rawa- 
Ruska und dem San bei Ulanow hat sich nichts 
Wesentliches ereignet. 
25. Juni. Im Westrand der Argonnen brach der Angriff 
eines französischen Bataillons gegen unsere vorge 
schobenen neuen Stellungen unter schweren Verlusten 
zusammen. Im Nachstoss entrissen wir dem P'einde 
noch einen Graben mit zwei Blockhäusern. Drei 
weitere Maschinengewehre und drei Minenwerfer fielen 
in unsere Hand. Truppen des Generaloberst v. Woyrsch 
haben in der Verfolgung das Waldgebiet südlich Ilza 
(südöstlicher Kriegsschauplatz) durchschritten. Die Lage 
bei den Armeen des Feldraarschalls v. Mackensen ist 
im wesentlichen unverändert. 
27. Juni. Neben der Kathedrale von Arras stehende feindliche 
Artillerie wurde von uns beschossen; ein Munitionslager 
flog in die Luft. — Nachdem wir auf den Maashöhen 
in den letzten Tagen die Versuche des Feindes, sich in 
den Besitz des ihm am 24. Juni entrissenen Geländes 
beiderseits der Tranchee zu setzen, vereitelt waren, 
überraschten wir den Gegner gestern mit einem Angriff 
auf den Höhenrücken hart südwestlich von Les Eparges; 
er war nach kurzem Kampf in unserer Hand. Der 
Gegner machte während der ganzen Nacht Anstrengungen, 
den Rücken wieder zu nehmen: alle seine Angriffe 
schlugen fehl. Feindliche Stellungen nordwestlich von 
Rawa-Ruska (südöstlicher Kriegsschauplatz) wurden von 
hannoverschen Truppen genommen; wir machten dabei 
3300 Gefangene und erbeuteten mehrere Maschinen 
gewehre. Auch bei dieser Gelegenheit wandten die 
Russen ihren Brauch, unsere Truppen durch Winken 
mit weissen Tüchern heranzulocken, um sie dann nieder- 
zuschiessen, an. Diese russischen Truppenteile wurden 
vernichtet. 
28. Juni. In den Vogesen überfielen unsere Truppen die 
Besatzung einer Kuppe hart östlich von Metzeral. Fünfzig 
Gefangene und ein Maschinengewehr blieben in unserer 
Hand. Besonders gute Erfolge hatten wir an dem 
südlichsten Teil unserer Kampffront gegen feindliche
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.