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Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

von Kessel, 
General-Oberst. Generaladjulant 
Sr. Majestät des Kaisers und Königs, 
Oberbefehlshaber in den Marken 
und Gouverneur von Berlin. 
von Loewenfeld, 
General der Infanterie, Generaladjutant 
Sr. Majestät des Kaisers und Königs. 
Stellvertretender kommandierender 
General des Gardekorps. 
Albert Prinz v. Schleswig-Holstein, Erbmarschall 
Graf v. Plettenberg-Heeren, 
Oberstleutnant. 
zugeteilt dem stellvertretenden General 
kommando des Gardekorps. 
2. ZI. Adjutant bei dem Ober 
kommando in den Marken. 
Or. von Schwabach, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. P. Silex, 
Chef des Bankhauses S. Bleichröder, 
Rittmeister der Reserve. 
Berlin. 
Alexander Graf von Gersdorff, 
Rittmeister, 
2 - Zl. kommandiert zur Ersatz-Eskadron des 1. Garde-Dragoner-Rgls. in Berlin, 
als Schriftführer. 
Freiwillige Beiträge werden an das Bankhaus 
S. Bleichröder, Berlin W., Behrenstrasse 63, erbeten. 
Postscheckkonto Berlin No. 493. 
Aufruf 
zur Sammlung eines Kapitals zur Unterstützung 
erblindeter Krieger. 
An alle diejenigen, die daheim geblieben sind und 
die nicht ermessen können, was es bedeutet, im 
Granalfeuer zu stehen; an alle diejenigen, die im glück 
lichen Besitz ihres Augenlichtes sind, wird die Bitte 
gerichtet, mitzuhelfen an der Sammlung eines Kapitals 
für ganz erblindete Krieger des Landheeres und 
der Flotte. 
Diesen Unglücklichsten unter den Verwundeten, die 
mit ihrem Leben das Vaterland verteidigt und hierbei 
ihr Augenlicht auf dem Altar des Vaterlandes geopfert 
haben, eine dauernde Unterstützung, sei es aus den 
Zinsen des zusammenkommenden Kapitals oder durch 
dessen Verteilung zu ermöglichen, wird beabsichtigt. 
Die Zahl der erblindeten Krieger ist gross! Diese 
tief Bedauernswerten werden das Erwachen des 
deutschen Frühlings niemals wieder schauen. Es soll 
versucht werden, ihnen eine sorgenfreie Zukunft zu 
bereiten und ihren dunklen Lebensweg durch eine 
möglichst reiche Liebesgabe zu erhellen! 
In Oesterreich sind bereits erhebliche Summen, 
etwa 250000 Kronen für den gleichen Zweck ge 
sammelt worden. 
operierten, durch ein deutsches Unterseeboot in den 
Grund gebohrt worden sind; dreissig Mann wurden 
gerettet und an Land gebracht. 
12. Juni. In den Nahkampf nördlich Ecurie (Lab}'rinth) 
setzten die Franzosen gestern zweimal frische Kräfte 
zum Angriff ein; es gelang, den Feind am Nachmittag 
vollkommen aus unseren Stellungen zu werfen; ein 
abends einsetzender neuer Vorstoss der Franzosen brach 
im Infanteriefeuer zusammen. Der zurückflutende Feind 
erlitt sehr erhebliche Verluste. Nordwestlich Szawle 
(östlicher Kriegsschauplatz) machten unsere Angriffe 
gute Fortschritte, Kuze wurde im Sturm genommen, 
feindliche Gegenstösse scheiterten. 8 Offiziere, 3350 
Mann und 8 Maschinengewehre waren unsere Beute. 
13. Juni. Unserm Einbruch in die feindlichen Linien 
südlich Bolimow folgten in der Nacht russische Gegen 
angriffe, die sämtlich erfolglos blieben. Die gewonnenen 
Stellungen sind fest in unserer Hand. Unsere Beute 
stieg an dieser Stelle auf 1660 Gefangene, 8 Geschütze 
(darunter 2 schwere) und 9 Maschinengewehre. — Der 
Brückenkopf von Sieniawa (südöstlicher Kriegsschauplatz) 
wurde gestern wiedergenommen; der Gegner Hess 5000 
Gefangene in unserer Hand. 
14. Juni. Auf der Front zwischen Lievin und Arras erlitten 
die Franzosen eine schwere Niederlage. Nachdem im 
Verlaufe des Tages mehrmals die zum Vorgehen bereit 
gestellten feindlichen Sturmkolonnen durch unser 
Artilleriefeuer vertrieben waren, setzten gegen Abend 
zwei starke feindliche Angriffe in dichten Linien gegen 
unsere Stellungen beiderseits der Lorettohöhe sowie auf 
der F'ront Neuville-Koclincourt ein. Der Gegner wurde 
überall unter schwersten Verlusten zurückgeworfen; 
sämtliche Stellungen sind voll in unserem Besitz ge 
blieben. — Schwächere Angriffe des F'eindes am Yser- 
kanal wurden abgeschlagen. — Die Armee des General 
obersten von Mackensen (südöstlicher Kriegsschauplatz) 
ist in einer Breite von 70 Kilometer aus ihren Stellungen 
zwischen Czerniawa (nordwestlichMosciska) und Sieniawa 
zum Angriff vorgegangen. Die feindlichen Stellungen 
sind auf der ganzen Front gestürmt; 16000 Gefangene 
fielen gestern in unsere Hand. — Auch die Angriffe 
der Truppen des Generals von der Marwitz und des 
Generals von Linsingen machten Fortschritte. 
15. Juni. Die Franzosen holten sich gestern eine neue 
Niederlage. Trotz der am 13. Juni erlittenen schweren 
Verluste setzten sie ihren Durchbruchsversuch auf der 
Front Lievin-Arras mit grosser Zähigkeit fort. Die mit 
einem ungeheuren Munilionsaufwand vorbereiteten und 
in dichten Wellen vorgetragenen französischen Angriffe 
brachen abermals in dem Feuer unserer braven Truppen 
unter den schwersten Verlusten für den Feind ausnahmslos 
zusammen. — Am Sonntag wurde die Kirche in Leffinghe 
südwestlich von Ostende während des bürgerlichen 
Gottesdienstes von feindlicher Artillerie beschossen; 
mehrere belgische Zivilpersonen wurden verletzt. Gestern 
ist die offene Stadt Karlsruhe, die in keinerlei Beziehung 
zum Kriegsschauplatz steht und nicht die geringste 
Befestigung aufweist, von einem feindlichen Flugzeug 
geschwader mit Bomben beworfen worden. Soweit 
bisher bekannt, fielen 11 Tote und 6 verwundete Bürger 
dem Ueberfall zum Opfer; militärischer Schaden konnte 
natürlich nicht angerichtet werden. Von einem unserer 
Kampfflugzeuge wurde ein Flugzeug aus dem feindlichen 
Geschwader herausgeholt. Die Insassen sind tot. Ein 
anderes feindliches Flugzeug wurde bei Schirmeck zum 
Landen gezwungen. Westlich Szawla (östlicher Kriegs 
schauplatz) stürmten deutsche Truppen das Dorf Dauksze 
und wiesen danach mehrere von zwei bis drei russischen 
Regimentern geführte Gegenangriffe ab, vier Offiziere, 
1660 Mann wurden gefangengenommen. — (Südöstlicher 
Kriegsschauplatz.) Dem in der Schlacht am 13. und 
14. Juni von der Armee des Generaloberst von Mackensen 
geschlagenen Gegner ist es nicht gelungen, in seiner 
rückwärtigen, vorbereiteten Stellung nordwestlich von 
Jaworow Fuss zu fassen. Der Feind wurde geworfen, 
wo er sich stellte, die Beute mehrt sich. — Truppen des 
Generals von der Marwitz nahmen gestern Moszisca. — 
Der rechte Flügel der Armee des Generals von Linsingen 
stürmte die Höhen westlich Jezupol; ihre Kavallerie 
erreichte die Gegend südlich von Marjamjol. 
16. Juni. Wieder einmal veranlasst durch die russischen 
Niederlagen, griffen Franzosen und Engländer gestern 
an vielen Stellen der Westfront mit starken Kräften an. 
Den Engländern gelang es bei Ypern, unsere Stellung 
nördlich des Teichs von Bellewaarde etwas zurück 
zudrücken. Es wird dort noch gekämpft. Dagegen sind 
zwei Angriffe von vier englischen Divisionen zwischen 
der Strasse Estaires—La-Bassee und dem Kanal von 
La-Bassee vollkommen zusaramengebrochen. An die 
Stellungen der mit grösster Zähigkeit sich behauptenden 
Badener bei der Lorettohöhe wagte sich der Feind nach 
seinen Niederlagen am 13. und 14. nicht wieder heran. — 
Ein feindlicher Durchbruchsversuch in den Vogesen 
zwischen den Tälern der Recht und Lauch scheiterte. — 
Russische Angriffe gegen die deutschen Stellungen am 
Dawinaabschnitt (südöstlich von Marjampol) östlich von 
Augustow und nördlich von Bolimow wurden ab 
gewehrt. — Nöidlich der oberen Weichsel wiesen die 
Truppen des Generaloberst von Woyrsch russische 
Angriffe gegen Stellungen ab, die wir am 14. Juni den 
Russen entrissen haben. 
G. Schlechten 
Gegründet 1853 
i Hoi- Pianoiorte - Fabrikant 
BERLIN SW. 68 
nur: KOCtlStr. 62
        
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