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Full text: Berliner Leben Issue 18.1915

v. Linsingen haben die Eroberer des Zwinin — Garde 
truppen, Ostpreussen und Pommern unter der Führung 
des bayerischen Generals Grafen Bothmer —- den stark 
befestigten Ort Stryj gestürmt und die russische Stellung 
bei und nordwestlich dieser Stadt durchbrochen; bisher 
wurden 53 Offiziere, 9182 Mann gefangen, acht Geschütze 
und 15 Maschinengewehre erbeutet. 
2. Juni. Bei Bixschoote nordöstlich von Steenstraate 
schossen wir ein englisches Flugzeug herunter; die 
Insassen, ein belgischer und ein englischer Offizier, 
wurden gefangengenoraraen. — Zwei weitere bei Dunko- 
wiczki gelegene Werke der Festung Przemysl sind 
gestern erstürmt. Nach dem Siege bei Stryj drangen 
die verbündeten Truppen gestern in Richtung Wedenice 
vor. — Im Laufe des Monats Mai sind auf dem südöst 
lichen Kriegsschauplatz 863 Offiziere, 268869 Mann zu 
Gefangenen gemacht, 251 Geschütze und 576 Maschinen 
gewehre erbeutet worden. Hiervon entfallen auf die 
dem Generaloberst von Mackensen unterstellten ver 
bündeten Truppen: 400 Offiziere, darunter zwei Generale, 
152254 Mann Gefangene, 160 Geschütze, darunter 
28 schwere, und 403 Maschinengewehre. 
3. Juni. Um den von den Engländern besetzten stark 
ausgebauten Ort Hooge, etwa 3 Kilometer östlich von 
Ypern, entwickelte sich ein Kampf, der einen günstigen 
Verlauf für uns nimmt. Wir sahen uns gezwungen, den 
Turm der Marlinskirche in Ypern, auf dem feindliche 
Artillerie-Beobachtungsstellen erkannt waren, gestern zu 
beseitigen. — Die F'estung Przemysl ist heute früh, 
nachdem in den Nachtstunden die sich noch haltenden 
Werke der Nordfront gestürmt waren, von uns ge 
nommen. Die Armee des Generals von Linsingen 
dringt in Richtung auf Zydaczow nordöstlich von Stryj 
vor und kämpft um den Dnjestr-Abschnitt westlich 
Mikolajow. Die Beute der Schlacht bei Stryj ist auf 
60 Offiziere, 12175 Mann Gefangene, 14 Geschütze, 
35 Maschinengewehre gestiegen. 
4. Juni. Schloss und Ort Hooge (östlich Ypern) ist bis 
auf wenige Häuser am Westrande von uns gestürmt, 
englische Gegenangriffe wurden blutig abgewiesen. 
Oestlich Givenchy gelang es gestern abend englischen 
Truppen, in unsere Stellung einzudringen; ein Gegen 
angriff warf den Feind unter schweren Verlusten wieder 
hinaus. Drei englische Maschinengewehre blieben in 
unserer Hand. Die Stellung ist lückenlos in unserem 
Besitz. Die Zuckerfabrik Souchez ist nach hin und her 
wogendem Kampf von uns besetzt, an der Bahn westlich 
von Souchez ist der Kampf noch im Gange. Im Priester 
wald ist der Kampf abgeschlossen. Es ist uns gelungen, 
den grössten Teil der verlorenen Gräben wiederzu 
gewinnen. — Unsere Truppen haben nach Kampf die 
Orte östlich von Przemysl und nach Nordosten an 
schliessend die Linie Bolestraszycze — Torki — 
— Pozdziacs — Starzawa erreicht; die Beute aus dem 
Fall von Przemysl ist noch nicht festgestellt. 
5. Juni. Der Flughafen Dommarternont bei Nancy wurde 
mit Bomben belegt. — Am 4. Juni hat ein deutsches 
Unterseeboot einen russischen Minenkreuzer der Amur 
klasse bei Baltischport versenkt. — In der Nacht vom 
4. zum 5. Juni führten unsere Marineluftschiffe Angriffe 
gegen die befestigte Humbermündung und den Flotten 
stützpunkt Harwich aus. Die Hafenanlagen von Harwich 
wurden ausgiebig und mit gutem Erfolge mit Bomben 
belegt. Zahlreiche starke Brände und Explosionen, 
darunter eine besonders heftige von einem Gasbehälter 
oder Oeltank herrührende, wurden beobachtet. Ferner 
wurde eine Eisenbahnstation mit Bomben beworfen. 
Unsere Luftschiffe sind heftig durch Land- und Schiffs 
geschütze beschossen, aber nicht getroffen worden; sie 
sind wohlbehalten zurückgekehrt. 
6. Juni. Angriffe gegen unsere Stellung am Ostabhang 
der Loretto-Höhe wurden unter schweren Verlusten für 
den Feind abgeschlagen. Wir belegten gestern die 
F'estung Calais und den Flughafen St.-Clement bei 
Luneville mit Bomben. -— Unsere Offensive in Gegend 
Sawdyniki, (östlicher Kriegsschauplatz) der sich die 
nördlich und südlich stehenden Truppen anschlossen, 
gewann nach Osten weiteren Boden. Die Zahl der 
Gefangenen erhöhte sich aut 3650. Die Armee des 
Generals von Linsingen hat den feindlichen Brückenkopf 
bei Zurawno (südöstlicher Kriegsschauplatz) gestürmt 
uud ist im Begriff, den Dnjestr-Uebergang bei diesem 
Ort zu erkämpfen. Auch weiter südlich schreitet die 
Verfolgung vorwärts; sie brachte uns bislang 10900 Ge 
fangene, 6 Geschütze, 14 Maschinengewehre. 
7. Juni. In der Nacht vom 6. zum 7. Juni führten unsere 
Marineluftschiffe erfolgreiche Angriffe gegen die Docks 
von Kingston und Grimsby am Humber aus. Sie kehrten 
trotz starker Beschiessung unbeschädigt zurück. — Am 
Osthang der Lorettohöhe erneuerten die Franzosen in 
den Nachmittag- und Abendstunden ihre Angriffe, die 
in unserem Feuer völlig zusammenbrachen. — Ein 
breiter französischer Angriff nordwestlich Moulin sous 
Touvert (nordwestlich von Soissons) wurde grösstenteils 
sofort abgewiesen, nur an einer Stelle erreichte er unsere 
vordersten Gräben, um die noch gekämpft wird. Unsere 
Stellung bei Vauquois südöstlich von Varennes wurde 
gestern abend angegriffen. Trotz Anwendung von 
Brandbomben, die unsere Gräben mit einer leicht 
brennenden Flüssigkeit überzogen, gelang es den Fran 
zosen nicht, in unsere Stellung einzudringen. Mit 
schweren Verlusten flutete der Feind in seine Gräben 
zurück. — Bei den Kämpfen um Przemysl wurden 
33805 Gefangene gemacht. — Teile der Armee des 
Generals von Linsingen haben bei Zurawno den Dnjeslr 
überschritten und die Höhen auf dem nordöstlichen Ufer 
erstürmt. Weiter südlich hat die Verfolgung die Linie 
Nowica — Kalusz — Tomaszowce erreicht. Die Beute 
ist hier auf über 13000 Gefangene gestiegen. 
8. Juni. Der Angriff nordwestlich von Soissons bei 
Moulin-sous-Touvent ist durch unseren Gegenangriff 
zum Stehen gebracht. Bei Ville-aux-Bois nordwestlich 
von Berry-au-Bac erlitt der Feind bei einem erfolglosen 
Versuch, seine im Mai verlorene Stellung zurückzu 
erobern, starke Verluste. Bei Douai wurde ein feind 
liches Flugzeug heruntergeschossen. — Unsere Angriffs 
bewegung in Gegend Szawle (östlicher Kriegsschauplatz) 
und östlich der Dubissa nimmt ihren Fortgang. — Süd 
westlich von Block wurde ein feindliches Kampfflugzeug 
zum Landen gezwungen und erbeutet. — Oestlich von 
Przemysl ist die Lage im allgemeinen unverändert. Die 
Zahl der von der Armee Mackensen seit 1. Juni ge 
machten Gefangenen beläuft sich auf über 20000. 
9. Juni. Am Osthang der Lorettohöhe zum Angriff 
ansetzendc feindliche Kräfte wurden gestern nachmittag 
durch unser F'euer vertrieben. Südlich von Neuville 
schlugen wir wiederholte Angriffe unter schweren Ver 
lusten für die Franzosen ab. Auf dem östlichen Windau- 
Ufer (östlicher Kriegsschauplatz) wurde Kubyli, nord 
östlich Kurschany, genommen. Von Südwesten her 
nähern sich unsere angreifenden Truppen der Stadt 
Szawle. — An der Dubissa wurde der feindliche Nord 
flügel durch umfassenden Angriff in südöstlicher 
Richtung geworfen. Unsere vordersten Linien erreichten 
die Strasse Betygola—Ilgize. Nordöstlich Zurawno (süd 
östlicher Kriegsschauplatz) brachten die Truppen des 
Generals von Linsingen einen russischen Gegenangriff 
zum Stehen. Weiter südlich wird um die Höhen westlich 
Flalicz und westlich Jezupol noch gekämpft. Stanislau 
ist bereits in unserem Besitz. Es wurden 4500 Ge 
fangene gemacht und 13 Maschinengewehre erbeutet. 
10. Juni. In der Champagne setzten wir uns nach erfolg 
reichen Sprengungen in Gegend Souain und nördlich 
von Hurlus in Besitz mehrerer feindlicher Gräben. 
Gleichzeitig wurden nördlich von Le Mesnil die franzö 
sischen Stellungen in Breite von etwa 200 Meter erstürmt 
und gegen nächtliche Gegenangriffe behauptet;,’ ein 
Maschinengewehr und vier Minenwerfer fielen dabei in 
unsere Hand. Südlich des Njemen (östlicher Kriegs 
schauplatz) nahmen wir bei den Angriffen und der 
Verfolgung seit dem 6. Juni 3020 Russen gefangen. 
Ferner erbeuteten wir 2 F'ahnen, 12 Maschinengewehre, 
viele Feldküchen und Fahrzeuge. 
11. Juni. Die in der Champagne am 9. Juni eroberten 
Gräben versuchten die Franzosen uns gestern abend 
wieder zu entreissen. Mit starken Kräften und in breiter 
Front griffen sie nördlich von Le Mesnil bis nördlich 
Beau - Sejour - Ferme an. Der Angriff brach unter 
schwersten Verlusten für den Feind gänzlich zusammen. 
Erneute nächtliche Angriffsversuche wurden bereits im 
Keime erstickt. — Die englische Admiralität teilt mit, 
dass am 10. Juni frühmorgens die beiden Torpedoboote 
Nr. 10 und 12, welche an der Ostküste FInglands
        
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