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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

ist! — — Und fragt noch: Sind Sie immer noch bös? 
War das kindlich? War es Berechnung? — -— Wollte 
sie jetzt, nachdem ihr Mann tot war, wieder mit ihm das 
gefährliche Spiel treiben? — — — 
,,Ja, ich gehe doch!“ -—• •— — 
Seine Stimme klang hart wie Stahl, als er diese Worte 
zu sich sprach. 
Er zündete sich eine Zigarette an, raffte die be 
schriebenen Blätter zusammen, verschloss sie im Schreib 
tisch und beeilte sich, hinaus zu kommen. — — Dichter 
Nebel empfing ihn vor der Haustür. — Fröstelnd schlug 
er den Kragen seines Pelzes hoch und betrat mit eiligen 
Schritten das nächstliegende Restaurant. — — — 
Am andern Tage um 5 Uhr ging er die Teppich be 
legten Stufen eines vornehmen Hauses am Kurfürsten 
damm hinauf. Sein Herz zitterte doch ein wenig. — — 
Da las er schon ihren Namen an der ersten Etage. — 
Einen Moment presste er die Hand auls Herz. — Dann 
schellte er. — Steinerne Ruhe und Entschlossenheit lagen 
auf seinen Zügen, und diese erhellten sich kaum, als Dela 
in einer verführerischen Toilette erschien. 
„Guten Abend, gnädige Frau“, erwiderte er kühl die 
Begrüssung und küsste ihr förmlich die Hand. — — 
Sie wies auf den nächsten Sessel, und unter Plaudern 
und Lachen beschäftigte sie sich damit, den Tee zu be 
reiten. 
„Immer noch bös, lieber Doktor?“ Warum ist die 
hässliche Falte zwischen Ihren Augen? Freuen Sie sich 
nicht, dass ich hier wohne? Werden wir uns öfter be 
gegnen als bisher?“ — 
Ein sarkastisches Lächeln umspielte seinen Mund. Ein 
solches Lächeln, das nur jene kennen, die alles verloren 
haben. — Verlegen schaute sie ihn an. Die dunklen 
Augen begegneten den seinen fast flehend. Ihre kleine 
Pland zitterte, als sie ihm die Tasse reichte. — — 
„Nehmen Sie Zucker?“ — 
Wortlos bediente er sich und wagte nicht zu atmen. 
Alle Ruhe, alle Vorsätze waren dahin, wie er diese ver 
führerische Frau vor sich stehen sah und es erfasste ihn 
eine rasende Sehnsucht wie damals. • 
Aber er bezwang sich. — —- Und mit gleichmütiger 
Stimme erzählte er von seinem Leben. — Sah nicht, 
dass die Frau vor ihm in heimlicher Liebe an seinen 
Lippen hing, und dass seine kühle Ruhe sie nur noch 
mehr entflammte. — Ihr silbern helles Lachen tönte an 
sein Ohr, aber es lockte ihn nicht. — — — 
„Heinz“, bat sie leise und legte ihre Hand auf seinen 
Arm, „sei nicht bös, hast mich doch lieb gehabt, ich 
weiss es doch, kannst Du nicht vergessen?“ 
Tränen standen in ihren Augen. — — Er schrie 
gequält auf. 
„Dela, ich habe Dich so wahnsinnig lieb gehabt und 
Du hast das vergessen, damals, in Meran. Es ist aus 
für immer. So wie ich Dich geliebt habe, so gleich 
gültig bist Du mir jetzt. Ich kann nicht mehr, alles ist 
tot in mir.“ 
Mit entsetzten Augen sah sie ihn an. — 
Wie schneidender Hohn stürzten die Worte von 
seinen Lippen. 
„Und ich freue mich für mich, Dela, ich kann nicht 
einmal mehr bös sein.“ — — — 
Hoch aufgerichtet stand er im Zimmer. — Zitternd 
stützte sie sich auf die Sessellehne. •—- — 
„Willst Du mich nicht hören? Ich war so jung und 
unerfahren — Ein Kind war ich damals — —• Ich liebe 
Dich noch ebenso sehr wie damals, verzeih’, vergib!! — 
Da wurde er ungeduldig. 
„Lass die Phrasen, Dela, was geschehen ist nicht 
mehr zu ändern — Ich gehe jetzt, und 
Mit einem Wehlaut brach sie zusammen . . . 
Er legte die Ohnmächtige sanft auf die Chaiselongue 
und schellte dem Mädchen. 
„Ein Glas Wasser für die gnädige Frau. Sie ist von 
einem plötzlichen Unwohlsein befallen. — — 
Mit zusammengepressten Lippen stand er da und sah 
zu, wie die Zofe sich um ihre Herrin bemühte. — — 
Dann drückte er geräuschlos die Tür hinter sich zu und 
schritt dem Ausgang entgegen. — — 
Ich bin nicht mehr bös, Dela, -— — aber — — — 
zu spät . ... 
Sein Trick. 
Novellelte von Paul Bliss. 
(Nachdruck verboten.) 
Der kleine Baron Egon von Zeck stand vor dem 
Spiegel und strich selbstgefällig seinen schönen Schnurr 
bart in die Höhe. Alsdann betupfte er einige rauhe 
Hautstellen mit Toilettencreme und zuletzt glättete er mit 
der seidenweichen Bürste ein paar widerspenstig hoch 
stehende Härchen der Augenbrauen. 
Er war prächtig bei Laune, der gute Egon. Nach 
einem überaus amüsanten Abend hatte er eine ruhige 
Nacht gehabt, und frisch gestärkt durch den gesunden 
Schlaf sah er nun mit seinen wasserblauen Aeuglein 
hoffend in den sonnigen Früblingsmorgen hinein. 
Dann Hess er sich in den bequemen Klubsessel fallen, 
steckte sich eine der neuen Melachrinos an und schaute 
wohlgefällig den blauen Rauchringen nach. 
Plötzlich kam Besuch. Der dicke Rautling war es. 
Ganz ausser sich kam er zur Tür hinein. 
uvgiuajic Inn um oeiiiiiuiiieui, oiieo aoer stumm 
und deutete nur auf einen Sessel. 
Fast atemlos begann der Dicke: „Egon, ist das wahr, 
was man sich von Dir im Klub erzählt?“ 
Ruhig lächelnd fragte der andere: „Was erzählt man 
sich denn wieder von mir?“ 
„Dass Du Dich mit Cläre von Bärwald verloben 
willst!“ 
Egon neigte leicht den Kopf. „Stimmt!“ 
Wortlos starrte Rautling ihn an. Nach einem Weilchen 
erst fand er die Sprache wieder. „Und ich wollte es 
absolut nicht glauben!“ 
„Weshalb wolltest du es denn nicht glauben?“ 
„Es schien mir direkt undenkbar!“ 
„So?“ 
Lächelnd blickten sie sich an. 
Dann schüttelte Rautling den Kopf. „Ein toller Kerl 
bist Du doch! Wie oft warst Du denn eigentlich schon 
verlobt?“ 
„Das weiss ich wirklich selber nicht, Dickerchen.“ 
„Nicht zu glauben — so etwas!“ 
Ruhig erwiderte Egon; „Aber was ist denn daran so 
verwunderlich, lieber Kerl? Wenn man einsieht, dass 
man sich geirrt hat, ist es dann nicht richtiger, man geht 
von einander, bevor es zu spät ist? Eine aufgehobene 
Verlobung vergisst die Gesellschaft bald, aber eine ge 
schiedene Ehe macht schon länger von sich reden. Ein 
Narr, der von zwei Uebeln nicht das kleinere wählt. 
Hab ich vielleicht nicht recht?“ 
Der Dicke hob die Schultern. „Vielleicht.“ 
„Nein, sondern unbedingt!“ 
Plötzlich fragte Rautling: „Und was wird die kleine 
Sebenstein dazu sagen?“ 
„Sie wird sich trösten, sich in das Unabänderliche 
fügen und mich vergessen.“ 
„Du glaubst, dass das so leicht geht?“ 
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