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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

sass, weit, weit fort. Da sprang Herta auf ganz verwirrt. 
„Ich muss jetzt eiligst gehen. Entschuldigen Sie, Herr Pro 
fessor, Adieu Mütterchen“ und gleich war sie zur Tür hinaus. 
Tiefes Schweigen herrschte für einen Moment in dem 
dämmrigen Raum. Marianne fühlte ihre Pulse schlagen. 
Der Professor rauchte mit starken hastigen Zügen. Seine 
Augen sahen sie fast flehend an, da bat er sie sprechen 
zu dürfen, was sein Herz ihm gebot, dass er Herta liebe, 
dieses jugendumstrahlte, holde Mädchenbild, dass er sie 
heimführen wollte als sein geliebtes Weib, dass er trotz 
seiner 40 Jahre sich jung genug fühlte, sie glücklich zu 
machen. — — Wenn sie nur selbst an ihn dächte. 
P'ühlte er, was in der Frau, die ihn mit heissem Herzen 
erwartet hatte, vorging? Wie eine Erstarrung ging es 
über ihr Gesicht; ihre Hände hielten die Stuhllehne um 
klammert; ihre Mundwinkel zitterten und kein Laut rang 
sich von ihren Lippen. Im Sonnenuntergang verloren 
sich ihre Gedanken. — — — 
Und dann erhob sie sich, rasch, fast mütterlich, nahm 
sie den so Sprechenden bei der Hand und sagte; „Mein 
lieber Freund, wollen Sie nicht Herta abholen und es ihr 
selbst sagen; ich erlaube es Ihnen“. Er drückte nur ihre 
Hände an seinen Mund und stammelte einige Dankes 
worte, dann schloss sich die Tür hinter dem Davoneilenden. 
Marianne sah wie betäubt hinter ihm her. Sie legte die 
Hände vor das Gesicht und verharrte regungslos. — — 
„Sonnenuntergang“, sprach sie leise vor sich hin, schellte 
dem Mädchen, den Teetisch abzuräumen, schritt von 
einem Zimmer ins andere und sammelte Fassung, um 
zwei Glückliche zu empfangen. 
Zu spät .... 
Das Büro war geschlossen. Tiefer [Miede herrschte 
in den am Tage so belebten Räumen. Und gerade diese 
Stunde nach Schluss der täglichen Arbeit liebte Doktor 
Heinz Eschhausen besonders. Die grüne Lampe auf 
seinem Schreibtisch strahlte ein mildes Licht aus. LIin 
und wieder knisterte ein Bogen unter seiner Hand. Da 
schrillte das Telefon, laut und eindringlich, zwei-, dreimal 
hintereinander. 
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Dame sind stets zu finden: Parfüm, Creme, 
Puder und Seife uon Leichn'eT. 
Nervös fuhr er auf. „LIerrgott, wer könnte das jetzt 
noch sein! Dass man doch niemals Ruhe hat. Der 
Teufel soll den holen, der das Telefon erfand.“ 
So schalt er, nahm den Hörer zur Hand und fragte 
gelassen: Wer dort? Hier Doktor Heinz Eschhausen. 
Ein girrendes Lachen tönte an sein Ohr. — 
— Doktor, lieber Doktor, erkennen Sie meine Stimme 
nicht? - - 
- Bedaure sehr, aber — — 
- - Ich bin es, Dela Eggisström — 
Last wäre ihm der Hörer aus der Hand gefallen. — 
Sein Gesicht wurde um einen Schatten bleicher. 
— Gnädige Frau, ich weiss nicht, was mir die Ehre 
verschafft — ■— 
— Aber, lieber Doktor, so förmlich, immer noch bös? 
Also, ich wohne jetzt hier, ich muss Sie wieder sehen. 
Kommen Sie zu einer Tasse Tee, morgen um fünf Uhr? 
Ja, wollen Sie? Nein? Aber warum? Ich bitte Sie, haben 
Sie mich ganz vergessen? — 
— Vergessen, nein. Aber — — —> 
— Also dann erwarte ich Sie? — 
— Ja. ich komme. — 
—• Famos, auf Wiedersehen, lieber Doktor -- — 
- - Auf Wiedersehen, gnädige Frau, — — — 
Regungslos starrte er einige Sekunden vor sich hin. 
— Fast heftig fuhr er sich dann mit der nervigen Hand 
über die Stirne, als wollte er sich mit dieser Bewegung 
in die Wirklichkeit versetzen. — Er stand aul, durchmass 
mit langen Schritten das Zimmer und murmelte immer 
nur: Dela Eggisström wohnt hier! — ■ - 
Sollte diese Frau von neuem seine Wege kreuzen? 
Ihn von neuem um Sinne und Verstand bringen! Nein, 
und abermals nein! Straff richtete er sich auf, dehnte 
seinen schlanken, gut gewachsenen Körper und brach in 
ein bitteres Lachen aus. — Nein. Doktor Heinz Esch 
hausen war 10 Jahre älter geworden. Nein. Ihm konnte 
die Frau nicht mehr gefährlich werden, als wie vor 
Jahren, als er sie als kaum erwachsenes blühendes 
Mädchen in Meran kennen lernte. Und er, der nicht so 
leicht sein Herz verlor, liebte dieses unerfahrene Kind 
mit der Leidenschaft des dreissigjährigen Mannes. Er 
war seiner Sache so gewiss, so sicher. Tausend kleine 
Dinge sagten ihm, dass sie ihn auch lieb hatte, und die 
Seine werden würde. — •— Sein Urlaub neigte sich dem 
Ende zu. Da trat plötzlich Herr Eggisström dazwischen, 
der reiche Fabrikbesitzer, der schon ihre Mutter kannte, 
und von dieser besonders Iroh begrüsst wurde. — — 
Und dann kam das, was er noch immer nicht begreifen 
konnte. Dela wich ihm aus, war ungnädig und be 
handelte ihn so schlecht, dass er plötzlich nach Berlin 
abfuhr. — - In verzweifelter Stimmung stürzte er sich 
in seine Arbeit, schlief kaum Nachts und ging wie ein 
Traumverlorener einher. — — Er schrieb ihr keine 
Zeile _ _ sie musste es ja zuerst tun nach all dem 
Vorgefallenen. Aber 8 Tage vergingen, zwei Wochen 
waren schon fast vorüber. Da lag eines Morgens unter 
seiner Post ein Brief von Delas Hand. — — — 
„Lieber Doktor Eschhausen, sind Sie sehr böse auf 
mich? Ich habe mich mit Herrn Eggisström verlobt. 
Mama ist auch sehr einverstanden. Wenn wir dann im 
Sommer in unserer Villa am Rhein sind, besuchen Sie 
uns usw.“ — — — 
Er lachte wieder. Ja, so sind die Frauen. Und 
dieses Mädchen, das ihm so unberührt und unerfahren 
schien, hatte ihn zum Spielball ihrer Laune gemacht und 
dem andern den Vorzug gegeben, weil Geld allmächtig 
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