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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

Die Abbitte. 
Von Hans von Wentzel. 
(Nachdruck verboten.) 
Gräfin Hilda Viarowska hiess vor 25 Jahren Hilda 
von Walburg. 
Damals hatte sie als jugendliche Fideikommissherrin 
von Berkenhof am Rhein in Begleitung zweier Tanten 
die Wintersaison alljährlich in Berlin verlebt. Die junge 
Erbin hatte bei Hofe getanzt und sich im weissen Saale 
unversehens in einen überschlanken Leutnant der Garde- 
Infanterie bis über die Ohren verliebt. 
Herr von Wilcke hatte die Neigung des vielumworbenen 
Mädchens, das ihm, rein menschlich gesehen, in hohem 
Grade begehrenswert erschien, sehr wohl gefühlt und 
leidenschaftlich erwidert. Glückselige Stunden hatten die 
beiden jungen Menschenkinder miteinander verlebt, als 
sie ihre Augen in einander tauchten und verschwiegenen 
Händedruck wechselten, während sie in beseligender 
Umschlingung über das spiegelglatte Parkett des alt 
ehrwürdigen Saales dahinglitten. 
Aber dann waren die Tanten gekommen, die für ihren 
Goldfisch mindestens eine Fürstenkrone beanspruchten 
und hatten Hildachen ins Gebet genommen. Sie hatten 
dem harmlosen Kind klar gemacht, dass ein simpler 
Infanterieleutnant, auch einer mit Gardefitzen, für ein 
Mädchen ihrer Art zwar ein annehmbarer iänzer, aber 
in keinem Falle etwas darüber sein dürfe. Hilda stehe 
im Begriff, eine irreparable Dummheit zu begehen. Herr 
von Wilcke sei ja ein anständiger Mann, gegen den an 
sich nichts einzuwenden sei. Aber er sei eben ein armer 
Schlucker wie tausend andere Leutnants, die für Hilda 
von Walburg, Herrin auf Berkenhof und mehrfache 
Millionärin, völlig sans consequence bleiben müssten. 
Für ein Mädchen ihrer Gattung komme überhaupt nur 
eine g r o s s e Alliance in Frage. Ein mediatisierter Prinz 
sei für sie nur gerade gut genug. In der Welt, in der 
sie lebe — behaupteten die hochedlen Tanten — werde 
das Glück der Menschen einzig durch das Zusammen 
wirken von Geld, Namen und Stellung gewährleistet. 
Darum müsse Geld wieder Geld und Name noch höheren 
Namen suchen. Dann vereinige sich alles Gute, was es 
auf Erden gibt, in solcher Ehe. Dann allein gäbe es 
eine Aufwärtsentwickelung und das stolze Glück, das die 
Macht verleiht. 
Aber auch abgesehen von der Karriere sei es allemal 
die erdenklichste Torheit, wenn ein reiches Mädchen 
einen armen Mann heirate. Der arme Bewerber nehme 
das reiche Mädchen erfahrungsgemäss nur, um sich zu 
vergolden, während dem von Hause aus Vermögenden 
der materielle Besitz der Braut als etwas Selbstverständ 
liches erscheine, weil er eben auch begütert sei und eine 
andere Situation gar nicht kenne. 
Während Hildchen dem ersten Teil der Gardinen 
predigt dieser verknöcherten alten Jungfern in keiner 
Weise beizupflichten vermochte, verfehlte deren letzt 
erbrachtes Argument seine Wirkung auf sie keineswegs. 
Hilda wollte unter allen Umständen aus Liebe ge 
heiratet werden, nur aus Liebe, einzig um ihrer selbst 
willen. Sollte Kurt von Wilcke wirklich? — — Der 
Argwohn schlich sich gleich einem giftigen Reptil in ihr 
Herz und Hess sie nicht wieder los. Er raubte ihr bald 
alle Unbefangenheit des Urteils. Sie war jetzt geneigt, in 
jedem ihrer ärmeren Verehrer, auch in dem ihrem Herzen 
nahestehenden Kurt von Wilcke nur einen Mitgiftjäger zu 
erblicken. Das erfüllte sie mit feindseligem Gefühl gegen 
den Mann, dem sie noch vor wenigen Tagen die un 
zweideutigsten Beweise sehnsuchtsvoller Zuneigung ge 
geben hatte. 
Kurt von Wilcke ahnte nichts von dem verhängnis 
vollen Umschwung in der Sinnesart der von ihm ange- 
beteten jungen Dame. Stolz auf die Erhöhung, die Hildas 
offenkundige Bevorzugung ihm bereitete, zog er die 
Konsequenzen der Situation und hielt um ihre Hand an. 
Die schwere Enttäuschung, die er damals erlitt, als 
die Herrin von Berkenhof seine Bewerbung kühl zurück 
wies, die tiefe Verletzung seines Stolzes, und, wie er es 
empfand, seiner Mannesehre? wurden dann von nach 
haltigem Einfluss auf seinen ganzen Lebens- und Ent 
wickelungsgang. Drei Tage lief er wie geistesabwesend 
umher, gab auf die einfachsten Fragen total konfuse 
Antworten und — was ihm sonst nie passiert war — er 
betrank sich mehrfach im Offizierkasino, sodass der 
Kommandeur ihn schliesslich rufen liess und zur Rede 
stellte. 
Der Oberst war ein strenger, aber im Grunde wohl 
meinender Mann, ein echter Vater des ihm unterstellten 
Offizierkorps. Unter dem Druck seiner Vorwürfe gewann 
Wilcke es über sich, dem Vorgesetzten sein Herz aus 
zuschütten. Dieses Vertrauen wurde sein Glück. Als 
ihm das Geständnis seines Seelenkummers gleich einer 
elementaren Eruption stossweise über die Lippen quoll, 
fand er in der Brust des alten Soldaten, was ihm in seiner 
verzweifelten Stimmung vor allem nottat: menschliches 
Verstehen, Achtung vor seinem Kummer und wohl 
wollenden, ja freundschaftlichen Zuspruch. 
Das riss ihn heraus aus der Bedrängnis. Das brachte 
seine Seele wieder ins Gleichgewicht und nun begann 
für Kurt von Wilcke ein neuer, ein ganz anderer Lebens 
abschnitt. 
An die Stelle seiner enttäuschten Liebe trat der 
soldatische Ehrgeiz. Seine früher unverwüstliche Heiter 
keit wich einem gemessenen FIrnst. Das Ereignis hatte 
ihn über seine Jahre zum Manne gereift, der neue Lebens- 
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