Path:
Periodical volume H. 2 Advertising

Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

/~1 m 14. Februar beging die Firma Rudolph Hertzog die Feier ihres 75jährigen Bestehens. Am gleichen 
Tage des Jahres 1839 kündigte der kaum grossjährig gewordene Kaufmann Carl Rudolph Hertzog, ein 
geborener Berliner, an, dass er in der Breiten Strasse 13 ein Manufakturwarengeschäft eröffnet hat, und im 
April 1839 machte er, unter Berufung auf seine bisherige geschäftliche Tätigkeit in bedeutenden Häusern in 
Berlin, Frankfurt a. M. und Lyon, bekannt, dass er ein ausgesucht grosses Lager von französischen, englischen 
und deutschen Stoffen der verschiedensten Art führt, die er zu soliden, aber festen Preisen zum Verkauf stellt. 
Das waren die bescheidenen Anfänge der nunmehr zu so hervorragender Bedeutung gelangten Weltfirma. 
Interessant für die Freunde der Reichshauptstadt und die Kenner Alt-Berlins ist es zu beobachten und zu ver 
gleichen, wie sich in dem Wachsen des Hauses Rudolph Hertzog das Werden und Wachsen Berlins im 
Kleinen wiederspiegelt. Die der Firma gehörigen Häuser Breite Strasse 12 —18 lassen in interessanter Weise das 
allmähliche Anwachsen von der Strasse aus erkennen, und im Innern muss man das Geschick und die bauliche 
wie geschäftliche Findigkeit bewundern, mit der diese so verschiedenartigen Gebäude zu einem zweckdienlichen 
Ganzen verbunden wurden. Ungleich prunkvoller ist die neue riesige Fassade in der Brüder Strasse, eine Meister 
schöpfung im Stile Schlüters. Für diese gewaltige Neuschöpfung stand dem Baukünsller allerdings ein grösserer 
Spielraum zur Verfügung, dennoch war die Angliederung des Neubaues an die Hinterfronten der Häuser in der 
Breiten Strasse eine äusserst schwierige, deren glückliche Lösung lobend anerkannt werden muss. Die Firma 
Rudolph Hertzog ist auch Besitzerin des gewaltigen Häuserblocks, welcher auf dem Grundstück des ehemaligen 
Köllnischen Rathauses errichtet ist und hat hier — räumlich von den Qesamtbauten getrennt — Schaufenster 
auslagen und Arbeitsstuben eingerichtet. Es besteht der Plan diesen Häuserblock niederzulegen und unter 
Kassierung der Scharrenstrasse einen Riesenbau mit der Front nach der Oertraudtenstrasse aufzuführen, der auch 
Carl Rudolph Hertzog 
der Begründer des Hauses. 
die alten Gebäude in der Breiten Strasse 
mit umfassen soll. Da sich hierdurch 
eine Verbreiterung der für den durch 
gehenden Verkehr so wichtigen Ger- 
traudtenstrasse ermöglichen Hess, so ist 
zu wünschen, dass dieser Plan, der für 
die ganze Gegend von grösstem Vorteil 
wäre, recht bald Wirklichkeit werden 
möchte. Um einen Begriff von dem 
Riesenaufschwung zu geben, den die 
Firma Rudolph Hertzog in den 75 
Jahren ihres Bestehens genömmen hat, 
mögen die nachfolgenden statistischen 
Zahlen dienen. Der Waren-Eingang 
betrug 1839 drei von Pferden beförderte 
Frachtwagen-Ladungen, im verflossenen 
Jahre60Eisenbahnzügezuje25Waggons. 
Der Umsatz betrug im letzten Jahre 
das 400 fache des Umsatzes von 1839. 
Die Oeschäftswagen der Firma legten 
1913 ,847 500 km zurück. Der Post- 
pake^-Versand erreicht im Jahre die 
Zahl von 400 000 Stück, zu deren Ver 
packung 204000 kg Lederpappe, 34000m 
Oeltuch, 18500 kg Bindfaden und 500 kg 
Klebestoff notwendig sind. Alljährlich 
py Rudolph Hertzog 
Berlin C, 
Blick aus der Vogelperspektive auf die Oebäudegruppe der Firma Rudolph Hertzog. 
Breite Strasse 
Brüder Strasse 
Stammhaus Breite Strasse 15 
um 1848. 
gelangen etwa eine halbe Mill 
Probensendungen zum Versand und 
klein die Stoffproben, die hierzu 
braucht werden, sind, so verschlingen 
doch im Ganzen die Menge von 138 
An Portis werden pro Jahr 290 000 
ausgegeben. An Bahnsendungen ge 
langen jährlich 20 000 Ballen und Kisten 
im Gesamtgewicht von etwa 1 Million 
Kilogramm zur Expedition. Das kauf 
männische Personal ist seit 1864 um 
das Vierzigfache gestiegen, ebenso ist 
auch die Zahl des Hilfspersonals, Diener, 
Packer, Fahrer, Maschinisten ent 
sprechend in die Höhe gegangen. Im 
Erfrischungsraum, den wohl alle Be 
sucher des Hertzogschen Geschäftes 
kennen, werden im Jahre ungefähr eine 
halbe Million Portionen Kaffee, Tee, 
Schokolade, Kakao, Speiseeis, Limonade 
etc. unentgeltlich an die Kundschaft 
gereicht, dazu 2700 Pfund Zucker und 
11 000 Pfund Kakes. Die Grundfläche, 
welche das Geschäftshaus Rudolph 
Hertzog bedeckt, betrug 155 qm im 
Jahre 1848, heute 15 875 qm.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.