Path:

Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

4. Dezember. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz 
wurden französche Angriffe gegen unsere Truppen in 
Flandern wiederholt abgewiesen, ebenso in Gegend 
nordwestlich Altkirch, wo die Franzosen bedeutende 
Verluste hatten. — Auf dem östlichen Kriegsschauplatz 
sind feindliche Angriffe östlich der masurischen Seen 
platte unter grossen Verlusten für die Russen ab 
geschlagen. — Vor Przemysl sind bisher alle Angriffe 
der Russen mit grossen Verlusten für dieselben ab 
gewiesen worden. Bei Ausfällen haben die österreichisch 
ungarischen Truppen viele Gefangene gemacht. — Die 
türkischen Truppen haben in der Zone des Flusses 
Tschorokh bei Batum in Kämpfen gegen die Russen 
einen grossen Erfolg erzielt. — Seine Majestät der 
Kaiser, der gestern zu kurzem Aufenthalt in Berlin ein 
traf, hat den Fürsten von Bülow mit der Führung der 
Geschäfte der Kaiserlichen Botschaft in Rom beauftragt. 
5. Dezember. In Flandern und südlich Metz wurden 
gestern französische Angriffe abgewiesen. Bei La Bassee, 
im Argonnerwalde und in Gegend südwestlich Altkirch 
machten unsere Truppen Fortschritte. — Bei den 
Kämpfen östlich der masuiischen Seen ist die Lage 
günstig. Kleinere Unternehmungen brachten dort 1200 
Gefangene. — ln Wesfgalizien entwickelten sich bei 
Tymbark kleinere, für die österreichisch-ungarischen 
Waffen erfolgreiche Kämpfe. — Die Kämpfe in Serbien, 
westlich und südwestlich Randjelovas dauern äusserst 
hartnäckig und sehr verlustreich an. Gestern wurden 
über 600 Mann zu Gefangenen gemacht. 
6. Dezember. Heute nacht wurde der Ort Vermelles 
(südöstlich Bethune), dessen weiteres Festhalten in 
dauerndem französischem Arlilleriefeuer unnötige Opfer 
gefordert hätte, planmässig von uns geräumt. Die 
noch vorhandenen Baulichkeiten waren vorher in die 
Luft gesprengt worden; unsere Truppen besetzten aus 
gebaute Stellungen östlich des Ortes; der Feind konnte 
bisher nicht folgen Westlich und südwestlich Altkirch 
erneuerten die Franzosen ihre Angriffe mit erheb 
licheren Kräften ohne Erfolg; sie erlitten starke Ver 
luste. — Lodz wurde heute nachmittag von unseren 
Truppen genommen. Russen nach schweren Verlusten 
dort im Rückzuge. — Die nach Westgalizien vor 
gerückten russischen Kräfte wurden gestern von den 
österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen von 
Süden her angegriffen. Die Verbündeten nahmen 2200 
Russen gefangen und erbeuteten einige feindliche 
Trains. — In den Karpathen fanden Teilkämpfe statt. 
Der in der Beskid-Stellung eingebrochene Gegner wurde 
zürück geworfen und verlor 500 Gefangene. — Gestern 
versuchten englische Landungstruppen eine von den 
Türken zwischen dem Tigris und dem Kanal Louvaya 
besetzte Stellung anzugreifen. In dem Kampfe, der 
folgte, wurden die Engländer unter grossen Verlusten 
geschlagen. Die Türken erbeuteten ein Maschinen 
gewehr und eine Menge Munition. — Die Türken haben 
Kada, einen ziemlich wichtigen Punkt 20 Kilometer 
östlich von Batum besetzt. Durch einen kühnen Hand 
streich gelang es ihnen die Elektricitätswerke von Batum 
ausser Tätigkeit zu setzen. Dreihundert Russen, die 
aus Batum vorgeschickt waren, um eine besetzte 
Brücke wieder zu nehmen, fielen in einen Hinterhalt 
und wurden aufgerieben. 
7. Dezember. In Nordpolen haben wir in langem Ringen 
um Lodz durch das Zurückwerfen der nördlich, 
westlich und südwestlich dieser Stadt stehenden starken 
russischen Kräfte, einen durchgreifenden Erfolg errungen. 
Lodz ist in unserm Besitz. Die Ergebnisse der Schlacht 
lassen sich bei der Ausdehnung des Kampffeldes noch 
nicht übersehen. Die russischen Verluste sind zweifel 
los sehr gross. Versuche der Russen aus Südpolen 
ihren bedrängten Armeen im Norden zu Hilfe zu 
kommen, wurden durch das Eingreifen österreichisch- 
ungarischer und deutscher Kräfte in Gegend südwestlich 
Piotrkow vereitelt. — In Westgalizien sind gleichfalls 
grössere Kämpfe im Gange; ihr Ergebnis steht noch 
aus. In diesem Raume nahmen österreichisch 
ungarische und deutsche Truppen gestern weitere 
1500 Russen gefangen. ■— In der Gegend von Adjara 
haben neue, für die Türken erfolgreiche Kämpfe staft- 
gefunden. Den Russen wurden eine Kanone und eine 
Menge von Bomben, Waffen, und Munition abgenommen. 
Russische Angriffe östlich des Wansees an der türkischen 
Grenze waren ohne Erfolg. Hingegen haben die von 
Revander vorrückenden türkischen Truppen Saoutch- 
blaghe, 70 Kilometer jenseits der Grenze, besetzt, einen 
wichtigen Stützpunkt der Russen in der Provinz 
Aserbeidschan. 
8. Dezember. An der flandrischen Front bereiten die 
durch die letzten Regengüsse verschlechterten Boden 
verhältnisse den Truppenbewegungen grosse Schwierig 
keiten. — Nördlich Arras haben wir einige kleinere 
Fortschritte gemacht. —- Im Argonnerwald gewinnen 
wir fortgesetzt langsam Boden. — Bei Malancourt 
östlich von Varennes wurde ein französischer Stützpunkt 
genommen. Dabei ist der grösste Teil der Besatzung 
gefallen. Der Rest, einige Offiziere und etwa 150 Mann 
wurde gefangen. Ein französischer Angriff gegen 
unsere Stellungen östlich Nancy wurde gestern ab 
gewiesen. — In Nordpolen folgen die deutschen Truppen 
dem östlich und südöstlich Lodz schnell zurück 
weichenden Feind unmittelbar. Ausser den gestern 
schon gemeldeten ungewöhnlich starken blutigen Ver 
lusten haben die Russen bisher etwa 5000 Gefangene 
und 16 Geschütze mit Munitionswagen verloren. — 
Die Kämpfe in Westgalizien nehmen an Heftigkeit zu. 
Nunmehr auch vom Westen her angreifend, verjagten 
die österreichisch-ungarischen Truppen den P'eind aus 
seiner Stellung Dobczyse-Wieliczka. Der eigene An 
griff dauert an. Die Zahl der Gefangenen lässt sich 
noch nicht übersehen. Bisher wurden über 5000, 
darunter 27 Offiziere, abgeschoben. — In Polen wurden 
erneuerte Angriffe der Russen im Raume südwestlich 
Piotrkow von österreichisch-ungarischen und deutschen 
Truppen abgewiesen. — ln den gestrigen Kämpfen in 
Serbien erlitt der Feind empfindliche Verluste. Die 
Offensive südlich Belgrad schreitet günstig vorwärts 
und wurden hier 14 Offiziere und 400 Mann gefangen 
genommen. 
9. Dezember. Französische Angriffe in Gegend Souain 
und gegen die Orte Varennes und Vauquois am östlichen 
Argonnerwalde wurden unter schweren Verlusten für 
den Gegner zurückgeworfen. Im Argonnerwalde selbst 
wurde an verschiedenen Stellen Boden gewonnen, da 
bei machten wir eine Anzahl Gefangene. — Bei den 
gestern gemeldeten Kämpfen nördlich Nancy hatten 
die P'ranzosen starke Verluste, unsere Verluste sind 
verhältnismässig gering. — In Nordpolen stehen unsere 
Truppen in enger Fühlung mit den Russen, die in 
einer stark befestigten Stellung östlich der Miazga halt 
gemacht haben. Um Lowicz wird weiter gekämpft. — 
In Südpolen haben österreichisch-ungarische und unsere 
Truppen Schulter an Schulter erneut erfolgreich an 
gegriffen. — In den Kämpfen in der Gegend von 
Piotrkow nahmen die österreichisch-ungarischen Truppen 
2800 Russen gefangen. 
10. Dezember. Ein am östlichen Argonnenwalde auf 
Vauquois-Boureuilles erneuter Angriff der p'ranzosen 
kam nicht vorwärts, er erstarb im Feuer unserer 
Artillerie, der Gegner erlitt offenbar grosse Verluste. —• 
ln Nordpolen auf dem rechten Weichseluf'er nahm 
eine unserer dort vorgehenden Kolonnen Przasnysz irn 
Sturm. Es wurden 60Ö Gefangene und einige Maschinen 
gewehre erbeutet. Links der Weichsel wird der Angriff 
fortgesetzt, ln Südpolen wurden russische Angriffe 
abgewiesen. — ln Polen wurde ein Nachtangriff der 
Russen im Raume südwestlich Noworadomsk von den 
österreichisch-ungarischen Truppen abgewiesen. ln 
Westgalizien nahmen unsere Verbündeten bisher über 
10000 Russen gelängen. — Ein Teil der österreichisch- 
ungarischen Truppen in Serbien stiess westlich von 
Milanovac auf starke feindliche Kräfte. Südlich Belgrad 
schreitet die Offensive vorwärts. Am 8. Dezember 
wurden insgesamt 20 Geschütze und ein Scheinwerfer 
erobert und zahlreiche Gefangene gemacht. — Laut 
amtlicher Meldung aus London ist unser Kreuzer 
geschwader am 8. Dezember 7V 2 Uhr morgens in der 
Nähe der Falklandsinseln von einem englischen 
Geschwader unter dem Kommando des Vizeadmirals 
Sturdee gesichtet und angegriffen worden. Nach der 
gleichen Meldung sind in dem GefechtS. M. SS. „Scharn 
horst“, „Gneisenau“ und „Leipzig“ gesunken. Zwei 
Kohlendampfer sind in Peindeshand gefallen. S. M. S. 
„Dresden“ und „Nürnberg“ gelang es zu entkommen, 
sie werden angeblich verfolgt. Unsere Verluste scheinen 
schwer zu sein. Eine Anzahl Ueberlebender der 
gesunkenen Schiffe wurde gerettet. 
11. Dezember. In Flandern machten wir Fortschritte. 
Westlich und östlich der Argonnen wurden feindliche 
Artilleriestellungen mit gutem Erfolge bekämpf. Franzö 
sische Angriffe im Bois de Pretre — westlich von Pont- 
ä-Mousson — wurden abgewiesen. — In Nordpolen 
schreitet unser Angriff vorwärts. — Die österreichisch 
ungarischen Operationen in den Karpathen verlaufen 
planmässig. Der Feind leistete gestern zumeist nur mit 
Nachhuten Widerstand, die geworfen wurden. In 
Galizien wurden alle Angriffe der Russen zurück 
geschlagen. — Nach weiterer amtlicher Meldung aus 
London ist es den verfolgenden englischen Kreuzern 
gelungen, auch S. M. S. „Nürnberg“ zum Sinken zu 
bringen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.