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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

Armee schwere Verluste erlitten. Ausser vielen Toten 
und Verwundeten haben die Russen nicht weniger als 
etwa 40000 unverwundete Gefangene verloren, 70 Ge 
schütze, 160 Munitionswagen, 156 Maschinengewehre 
sind von uns erbeutet, 30 Geschütze unbrauchbar 
gemacht worden. Wenn es ungeachtet solcher Erfolge 
noch nicht gelungen ist, die Entscheidung zu erkämpfen, 
so liegt dies an dem Eingreifen weiterer starker Kräfte 
des Feindes von Osten und Süden her. Ihre Angriffe 
sind gestern überall abgewiesen worden, der endgültige 
Ausgang der Kämpfe steht aber noch aus. — In den 
Kämpfen an der Kolubara ist seit gestern ein wesent 
licher Fortschritt zu verzeichnen. Das Zentrum der 
serbischen Front, die starke Stellung bei Lazarevatsch, 
wurde erstürmt, hierbei wurden 8 Offiziere und 
1200 Mann gefangen, drei Geschütze, vier Munitions 
wagen und drei Maschinengewehre erbeutet. Auch 
südlich des Ortes Ljig gelang es, die östlich des gleich 
namigen Flusses gelegenen Höhen zu nehmen und 
hierbei 300 Gelungene zu machen. — Die Verluste der 
englischen Marine betragen seit Anfang des Krieges 
bisher: Offiziere: 220 tot, 37 verwundet, 51 vermisst 
oder interniert, Mannschaften: 4107 tot, 436 verwundet, 
2492 vermisst oder interniert. 
27. November. Nordwestlich Langemarck wurde eine 
Häusergruppe genommen und dabei eine Anzahl 
Gefangene gemacht. — Im Argonnerwalde machten 
unsere Truppen weitere Fortschritte. Französische An 
griffe in Gegend Apremont östlich St. Mihiel wurden 
zürückgeschlagen, — In Westgalizien und in den Kar 
pathen hielten die Kämpfe an. Czernowitz wurde von den 
österreichisch-ungarischen Truppen wieder geräumt. — 
Die Kämpfe an der Kolubara nahmen einen günstigen 
Verlauf, auch gestern wurde an fast allen Gefechtsfronten 
trotz zähen Widerstandes der Serben Raum gewonnen, ca. 
900 Gefangene gemacht und ein Geschütz erbeutet. — 
Im Kanal, einige Meilen nordwestlich von Le Havre, 
wurde der englische Dampfer „Malachite“ von einem 
deutschen Unterseeboot in Grund geschossen. ■—■ Am 
25. November früh ist bei Sheerness das englische Linien 
schiff „Bulwark“ in die Luft geflogen, 800 Mann der Be 
satzung und sämtliche Offiziere kamen dabei ums Leben. 
28. November. Französische Vorstösse im Argonnerwalde 
wurden abgewiesen. Im Walde nordwestlich Apremont 
und in den Vogesen wurden den Franzosen trotz 
heftiger Gegenwehr einige Schützengräben entrissen. — 
ln Polen griffen unsere 1 ruppen bei Lowicz erneut an; 
der Kampf ist noch im Gange. Starke Angriffe der 
Russen in Gegend westlich Nowo-Radomsk wurden ab 
geschlagen. — Generaloberst von Hindenburg wurde 
für seine bisherigen Verdienste auf dem östlichen Kriegs 
schauplatz vom Kaiser zum Generalfeldmarschall ernannt. 
Nach seiner Beförderung gab Generalfeldmarschall von 
Hindenburg einen Armeebefehl heraus, in dem er seinen 
Truppen Dank und Gruss des Kaisers übermittelt, seine 
Beförderung bekannt gibt und mitteilt, dass den Russen 
in den letzten Kämpfen über 60 000 Gefangene, 
150 Geschütze und gegen 200 Maschinengewehre ab 
genommen wurden. — HindenburgsGeneralstabschef von 
Ludendorff ist zum Generalleutnant ernannt worden. — 
Der englische Dampfer „Primo“ wurde im Kanal un 
weit Antifer von einem deutschen Unterseeboot in Grund 
gebohrt. — Von den österreichisch-ungarischen Truppen 
wurden in Russisch-Polen einzelne schwächliche An 
griffe der Russen abgewiesen. — In Serbien wurden 
mehrere wichtige verschanzte Stellungen gestürmt, 
vor allem die dominierende Stellung am Siljok. Ins 
gesamt wurden ca. 900 Gefangene gemacht und drei 
Geschütze erbeutet. —• Der General feldmarschall Freiherr 
von der Goltz wurde von seiner Stellung als General 
gouverneur von Belgien enthoben und für die Dauer 
des mobilen Verhältnisses der Person des Sultans und 
dessen Hauptquartier zugeteilt. Zu seinem Nachfolger 
als Generalgouverneur von Belgien wurde der General 
der Kavallerie Freiherr von Bissing ernannt. 
29. November. Vom Westheer ist über den gestrigen 
Tag nur zu melden, dass Angriffsversuche des Gegners 
in der Gegend südöstlich Ypern und westlich Lens 
scheiterten. — Im Osten ist die Lage rechts der Weichsel 
unverändert. Vorstösse der Russen in Gegend von Lodz 
wurden abgewiesen. Darauf eingeleitete Gegenangriffe 
waren erfolgreich. — In den Karpathen wurden die 
auf Homonna vorgedrungenen Russen geschlagen und 
zurückgedrängt. Die österreichisch-ungarischen Truppen 
machten 1500 Gefangene. — Die Serben leisten in der 
jetzigen Gefechtsfront verzweifelten Widerstand und 
versuchen durch heftige Gegenangriffe, das Vorrücken 
der österreichisch-ungarischen Truppen aufzuhalten. 
Die am östlichen Kolubaraufer stehenden Truppen 
unserer Verbündeten haben stellenweise wieder Raum 
gewonnen. Die über Valjevo und südlich vorgerückten 
Kolonnen haben im allgemeinen die Höhen östlich des 
Ljigflusses und der Linie Suvobor-Strassendreieck östlich 
Uzice erreicht. Gestern wurden insgesamt zwei Regiments 
kommandeure, neunzehn Offiziere und 1245 Mann 
gefangen genommen. — Die türkischen Truppen warfen 
im Tschorokh-Tale einen Ausfallsversuch der Russen 
in der Gegend der Flussmündung zurück und drangen 
in der Gegend von Atschara, 10 Kilometer südöstlich 
von Batum, vor. 
30. November. An ostpreussischer Grenze missglückte 
ein Ueberfallversuch stärkerer russischer Kräfte auf 
deutsche Befestigungen östlich Darkehmen unter 
schweren Verlusten. Der Rest der Angreifer, einige 
Offiziere und 600 Mann, wurden von uns gefangen 
genommen. Südlich der Weichsel führten die gestern 
mitgeteilten Gegenangriffe zu nennenswerten Erfolgen. 
18 Geschütze und mehr als 4500 Gefangene waren 
unsere Beute. — Auf dem serbischen Kriegsschauplatz 
wurde gestern das hartnäckig verteidigte Suvobor, 
Sattelpunkt der Strasse Valjevo-Cacak, nach heftigen 
Kämpfen erstürmt. Die Gesamtbeute betrug 1254 Mann 
Gefangene und 14 Maschinengewehre. In Uzice wurden 
viel Waffen und Munition vorgefunden. 
1. Dezember. In Nordpolen, südlich der Weichsel, steigerte 
sich die Kriegsbeute in Ausnutzung der gestern ge 
meldeten Erfolge. Die Zahl der Gefangenen vermehrte 
sich um etwa 9500, die der genommenen Geschütze 
um 18. Ausserdem fielen 26 Maschinengewehre und 
zahlreiche Munitionswagen in unsere Hände. —• An 
knüpfend an den russischen Generalstabsbericht vom 
29. November wird über eine schon mehrere Tage 
zurückliegende Episode in den für die deutschen Waffen 
so erfolgreichen Kämpfen bei Lodz festgestellt: Die 
Teile der deutschen Kräfte, welche in der Gegend 
östlich Lodz gegen rechte Flanke und Rücken der 
Russen im Kampfe waren, wurden ihrerseits wieder 
durch starke, von Osten und Süden her vorgehende 
russische Kräfte bedroht. Die deutschen Truppen 
machten angesichts des vor ihrer Front stehenden 
Feindes kehrt und schlugen sich in dreitägigen, 
erbitterten Kämpfen durch den von den Russen bereits 
gebildeten Ring. Hierbei brachten sie noch 12 000 ge 
fangene Russen und 25 eroberte Geschütze mit, ohne 
selbst auch nur ein Geschütz einzubüssen. Auch fast 
alle eigenen Verwundeten wurden zurückgeführt. Die 
Verluste waren nach Lage der Sache natürlich nicht 
leicht, aber durchaus keine „ungeheuren“. — Vor 
Przemysl wurde der Feind bei einem Versuch, sich 
den nördlichen Vorfeldstellungen der Festung zu nähern, 
durch Gegenangriff der Besatzung zurückgeschlagen. — 
Auf dem serbischen Kriegsschauplatz hat ein weiterer 
Abschnitt in den Operationen seinen siegreichen Ab 
schluss gefunden. Der Gegner, welcher schliesslich 
mit seinen gesamten Streitkräften östlich der Kolubara 
und des Ljig durch mehrere Tage hartnäckigsten 
Widerstand leistete und wiederholt versuchte, selbst 
zur Offensive überzugehen, ist auf der ganzen Linie 
geworfen und im Rückzuge. Er hat neuerdings 
empfindliche Verluste erlitten. Seit Beginn der letzten 
Offensive wurden den Serben über 19 000 Gefangene, 
47 Maschinengewehre, 46 Geschütze und zahlreiches 
sonstiges Material abgenommen. — Nach amtlicher 
Mitteilung betragen die russischen Offiziersverluste bis 
20. November 9702 tote, 19511 verwundete und 3679 
vermisste Offiziere. 
2. Dezember. Im Westen wurden kleinere Vorstösse des 
Feindes abgewiesen. Im Argonnerwalde wurde vom 
Württembergischen Infanterieregiment No. 120, dem 
Regiment Sr. Majestät des Kaisers, ein starker Stütz 
punkt genommen, dabei wurden zwei Offiziere und 
annähernd 300 Mann zu Gefangenen gemacht. — In 
Südpolen wurden feindliche Angriffe zurückgeschlagen.— 
Die Ostarmee hat in den Kämpfen bei Wloclawek, 
Kutno, Lodz und Lowicz vom 11. November bis 
1. Dezember insgesamt über 80000 unverwundete 
Russen gefangen genommen. — Von den österreichisch 
ungarischen Truppen wurde ein russischer Angriff 
nordwestlich Wolbrom abgewiesen. — Die serbische 
Hauptstadt Belgrad wird von Truppen der fünften 
österreichisch-ungarischen Armee in Besitz genommen. 
3. Dezember. Seine Majestät der Kaiser hatte gestern in 
Breslau eine Besprechung mit dem Oberstkomman 
dierenden des österreichisch-ungarischen Heeres, dem 
Erzherzog Friedrich, der von dem Erzherzog-! hron- 
folger Karl Franz Joseph und dem Chef des General 
stabes Freiherrn Conrad von Hötzendorf begleitet war. 
Heute besuchte der Kaiser Teile der in der Gegend 
von Czenstochau kämpfenden österreichisch-ungarischen 
und deutschen Truppen.
        
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