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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

Streitkräfte waren zum Schutze dieses wichtigen Hafens 
nicht zur Stelle. Das unseren Kreuzern scheinbar 
folgende englische Unterseeboot ,,D 5“ ist, wie die 
englische Admiralität bekannt gibt, auf eine Mine ge 
laufen und gesunken. — In Russisch-Polen brachen die 
österreichisch-ungarischen Streitkräfte, als sie eine starke 
feindliche Armee zu Entwickelung gezwungen hatten, 
die Gefechte aut der Lysa Gora ab, um die nach den 
Kämpfen vor Iwangorod befohlenen Bewegungen fort 
zusetzen. Aus den Kämpfen bei Stary Sambor und 
nordwestlich Turka wurden bisher 2500 gefangene 
Russen eingebracht. Gestern früh überfielen Husaren 
bei R}rbnik im Stryjtale eine feindliche Munitionskolonne 
und erbeuteten viele Wagen mit Artilleriemunition. — 
Heute nach Sonnenaufgang eröffnete ein aus neun 
Schiffen bestehendes englisch-französisches Geschwader 
aus einer Entfernung von 15 Kilometer ein Bom 
bardement auf die Dardanellenforts. Die Beschiessung, 
die von den türkischen Werken erwidert wurde, dauerte 
15 Minuten und richtete keinen Schaden an. 
4. November. Unsere Angriffe auf Ypres, nördlich Arras 
und östlich Soissons schritten langsam, aber erfolgreich 
vorwärts. Südlich Verdun und in den Vogesen wurden 
französische Angriffe abgewiesen. — Chinesische Presse 
meldungen aus Schantung vom 30. Oktober berichten 
aus Kiautschou, dass das deutsche Artilleriefeuer plan- 
mässig alle vorgeschobenen japanischen Verschanzungen 
vernichtet und damit jeden Angriff auf unbestimmte 
Zeit hinausschiebt. Das gesamte Glacis hinter Tsingtau 
ist mit Minen übersät, die elektrisch entladen werden. — 
S. M. grosser Kreuzer „York“ ist heute Vormittag in 
der Jade bei dickem Nebel auf eine Hafenminensperre 
geraten und gesunken. Nach den bisherigen Angaben 
sind 382 Mann, mehr als die Hälfte der Besatzung, 
gerettet. — Die Bewegungen der österreichisch- 
ungarischen Truppen in Russisch-Polen wurden gestern 
vom Feinde nicht gestört. Eines der Korps nimmt aus 
den Kämpfen auf der Lysa Gora 20 Offiziere und 
2200 Mann als Gefangene mit. An der galizischen 
Front ergaben sich bei Podbuz südlich Sambor über 200, 
bei Jaroslau 300 Russen. 
5. November. Gestern unternahmen Belgier, unterstützt 
von Engländern und FVanzosen, einen heftigen Ausfall 
über Nieuport zwischen Meer und Ueberschwemmungs- 
gebiet. Sie wurden mühelos abgewiesen. — Südlich 
der Wisloka-Mündung warfen die österreichisch- 
ungarischen Truppen die Russen, die sich auf dem 
südlichen San-Ufer festgesetzt hatten, aus allen Stellungen, 
machten über tausend Gefangene und erbeuteten 
Maschinengewehre. Ebenso vermochte der Feind auch 
im Stryj-Tale den Angriffen nicht mehr standzuhalten. 
Hier wurden 500 Russen gefangen genommen und eine 
Maschinengewehr-Abteilung und sonstiges Kriegsmaterial 
erbeutet. — An der türkischen Grenze im Kaukasus 
haben die Russen begonnen, ihre Stellungen zu 
befestigen, sind aber von den Türken aus dem Gebiete 
von Kara Kulisse, südwestlich von Tiflis, und aus Ichhan 
vollständig verjagt worden. — Vor Sebastopol erschien 
ein türkisches Kriegsschiff und begann erneut das 
Bombardement der Stadt. — Der russische Panzer 
kreuzer 3 ,,Sinop“ wird im Schwarzen Meer von einem 
türkischen Kriegsschiff in Grund geschossen. 
6. November. Unsere Offensive nordwestlich und süd 
westlich Ypres macht gute Fortschritte. Auch bei La 
Bassee, nördlich Arras und in den Argonnen wurde 
Boden gewonnen. — Unter schweren Verlusten für die 
Franzosen eroberten unsere Truppen einen wichtigen 
Stützpunkt im Bois Brule südöstlich St. Mihiel. — Nach 
Meldung des amtlichen englischen Pressebureau sind 
am 1. November durch unser Kreuzergeschwader in der 
Nähe der chilenischen Küste die englische Panzerkreuzer 
„Monmouth“ und „Goodhope“ vernichtet worden. Der 
kleine Kreuzer „Glasgow“ ist beschädigt entkommen. 
Auf deutscher Seite waren beteiligt, S. M. grosse 
Kreuzer „Scharnhorst“ und „Gneisenau“ und S. M. 
kleine Kreuzer „Nürnberg,,* „Leipzig“ und „Dresden“. 
Unsere Schiffe haben anscheinend nicht gelitten. — Nach 
den eingegangenen dienstlichen Meldungen waren bis 
zum 1. November in unseren Gefangenenlagern, 
Lazaretten etc. im ganzen 7213 Offiziere und 426034 
Mannschaften, oder 433247 Köpfe, als Kriegsgefangene 
untergebracht. 
7. November. Unsere Angriffe in Richtung Ypres machten 
auch gestern, besonders südwestlich Ypres, Fortschritte. 
Ueber 1000 FVanzosen wurden zu Gefangenen gemacht 
und 3 Maschinengewehre erbeutet. — Französische 
Angriffe westlich Noyon sowie auf die von uns ge 
nommenen Orte Vailly und Chavonne wurden unter 
schweren Verlusten für den Feind abgewiesen. Der 
von uns eroberte und nur schwach besetzte Ort Soupir 
und der Westteil von Sapigneul, der dauernd unter 
schwerstem französischem Artilleiiefeuer lag, mussten 
von uns geräumt werden. — Auf dem östlichen Kriegs 
schauplatz wurden drei russische Kavalleriedivisionen, 
die die Warta oberhalb Kolo überschritten hatten, 
geschlagen und über den Fluss zurückgeworfen. — 
Nach amtlicher Meldung aus Tokio ist Tsingtau nach 
heldenhaftem Widerstand heute Morgen gefallen. — 
Die Angriffe gegen die hinter Astverhauen und Draht 
hindernissen verschanzten Serben im Raume Tscher- 
planina und südlich Schabatz schreiten langsam vor 
wärts. Gestern wurden die taktisch wichtigen Flöhen 
von Misar genommen, hierbei 200 Gefangene gemacht. 
Bei Krupanj wurden eine Reihe serbischer Schanzen 
im Sturmangriff genommen und dabei etwa 1500 
Gefangene gemacht, vier Geschütze und sechs Maschinen 
gewehre erbeutet. 
8. November. Am Westrand der Argonnen wurde eine 
wichtige Höhe bei Vienne le Chateau, um die wochen 
lang gekämpft worden ist, genommen. Dabei wurden 
zwei Geschütze und zwei Maschinengewehre erbeutet. — 
Türkische Truppen überschritten gestern die ägyptische 
Grenze. Die türkische Flotte bombardiert den russi 
schen Hafen Poti bei Batum. Englische Truppen, die 
bei Akaba gelandet waren, wurden von den Türken 
vernichtet. 
9. November. Wieder richteten gestern Nachmittag 
mehrere feindliche Schiffe ihr Feuer gegen unseren 
rechten Flügel, sie wurden aber durch unsere Artillerie 
schnell vertrieben. — Im Osten wurde ein Angriff 
starker russischer Kräfte nördlich des Wysztyter Sees 
unter schweren Verlusten für den F'eind zurück 
geschlagen. Die Russen Hessen über 4000 Mann als 
Gefangene und zehn Maschinengewehre in unseren 
Händen. — Die österreichisch-ungarischen Operationen 
auf dem südlichen Kriegsschauplatz nehmen einen 
durchweg günstigen Verlauf. Während jedoch die 
Vorrückung über die Linie Sabac—Ljesnica an den 
stark verschanzten Bergflüssen auf zähesten Widerstand 
stiess, haben die dreitägigen Kämpfe in der Linie 
Loznica—Krupanj—Ljubovija bereits mit einem durch 
greifenden Erfolge geendet. Der hier befindliche 
Gegner bestand aus der serbischen 3. Armee, General 
Paul Sturm, und der 1. Armee, General Peter Bojevic, 
mit zusammen sechs Divisionen, 120000 Mann. Diese 
beiden Armeen befinden sich nach dem Verlust ihrer 
tapfer verteidigten Stellungen seit gestern im Rückzuge 
gegen Valjevo. — Die über die russisch-transkaukasische 
Grenze vorgerückte türkische Kavallerie griff bei 
Kagyzman (Provinz Kars) das Zentrum der russischen 
Kräfte an, das stark verschanzt war. Nach einer zwei 
tägigen heftigen Schlacht wurde der Feind geschlagen. 
10. November. Unsere Angriffe bei Ypern schritten auch 
gestern langsam vorwärts. Ueber 500 Franzosen, 
Farbige und Engländer wurden gefangen genommen 
und mehrere Maschinengewehre erbeutet. Heftige Gegen 
angriffe der Engländer wurden zurückgewiesen. — In 
Russisch-Polen bei Konin zersprengte unsere Kavallerie 
ein russisches Bataillon, nahm 500 Mann gefangen und 
erbeutete acht Maschinengewehre. 
11. November. Dixmuiden wurde erstürmt, mehr als 
500 Gefangene und neun Maschinengewehre fielen in 
unsere Ilände. — Westlich Langemarck brachen junge 
Regimenter unter dem Gesang „Deutschland, Deutsch 
land über alles“ gegen die erste Linie der feindlichen 
Stellungen vor und nahmen sie. Etwa 2000 Mann 
französischer Linieninfanterie wurden gefangen und 
sechs Maschinengewehre erbeutet. Südlich Ypern ver 
trieben wir den Gegner aus St. Eloi, um das mehrere 
Tage erbittert gekämpft worden ist. Etwa 1000 Ge 
fangene und sechs Maschinengewehre gingen dort in 
unseren Besitz über. — Trotz mehrfacher, heftiger 
Gegenangriffe der Fmgländer blieben die beherrschenden 
Höhen nördlich Armentieres in unserer Fland. — Nach 
amtlicher Bekanntmachung der englischen Admiralität 
wurde S. M. S. „Emden“ am 9. November früh bei den 
Cocos-Inseln im Indischen Ozean,, von dem australischen 
Kreuzer „Sydney“ angegriffen und in Brand geschossen. 
Die englische Admiralität gibt ferner bekannt, dass 
S. M. S. „Königsberg“ im Rufidschifluss (Deutsch-Ost 
afrika), sechs Seemeilen oberhalb der Mündung, von 
dem englischen Kreuzer „Chatam“ durch Versenken 
eines Kohlendampfers blockiert worden ist. Ein Teil 
der Besatzung soll sich in einem befestigten Lager an 
Land verschanzt haben. — Vor Kiautschon ist ein 
japanisches Torpedoboot beim Minensuchen gesunken. — 
Am 10. November wurden die Höhen von Misar, süd 
lich Sabac, nach viertägigem, verlustreichem Kampfe 
durch die österreichisch-ungarischen Truppen erstürmt 
und hierdurch der feindliche rechte Flügel eingedrückt.
        
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