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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

richteten. Acht Personen wurden getötet und eine be 
trächtliche Anzahl wurde verletzt. Französische Flieger 
versuchten das Luftschiff anzugreifen, es entkam jedoch 
in den Wolken. — In Polen mussten die deutsch-öster 
reichischen Truppen vor neuen russischen Kräften, die 
von Iwangorod-Warschau und Nowogeorgiewsk ver 
gingen, ausweichen, nachdem sie bis dahin in mehr 
tägigen Kämpfen alle russischen Angriffe erfolgreich 
abgewiesen hatten; die Russen folgten zunächst nicht. 
Die Loslösung vom Feinde geschah ohne Schwierigkeit. 
Unsere Truppen werden sich der Lage entsprechend 
neu gruppieren. — In Galizien vernichteten schwere 
österreichisch-ungarische Geschütze mehrere feindliche 
Batterien und Stützpunkte. — In Serbien wurde der 
Ort Ravje und die stark befestigte feindliche Stellung 
an der Dammstrasse nördlich Crnabara in der Macva 
nach tapferer feindlicher Gegenwehr von den öster 
reichisch-ungarischen Truppen erstürmt. Hierbei 
wurden vier Geschütze und acht Maschinengewehre 
erobert, fünf Offiziere und fünfhundert Mann gefangen 
genommen und viel Kriegsmaterial erbeutet. 
29. Oktober. Unser Angriff südlich Nieuport gewinnt 
langsam Boden. Bei Ypres steht der Kampf unverändert. 
Westlich Lille machten unsere Truppen gute Fort 
schritte. Mehrere befestigte Stellungen des Feindes 
wurden genommen, 16 englische Offiziere und über 
300 Mann zu Gefangenen gemacht und 4 Geschütze 
erobert. — Englische und französische Gegenstösse 
wurden überall abgewiesen. — Südöstlich von Verdun 
wurde ein heftiger französischer Angriff zurück 
geschlagen. Im Gegenangriff stiessen unsere Truppen 
bis in die feindliche Hauplinie durch, die sie in Besitz 
nahmen. Die Franzosen erlitten starke Verluste. — 
Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz befinden sich 
unsere Truppen in fortschreitendem Angriff. Während 
der letzten drei Wochen wurden hier 13500 Russen 
zu Gefangenen gemacht, 30 Geschütze und 39 Maschinen 
gewehre erbeutet. 
30. Oktober. Unsere Angriffe südlich Nieuport und östlich 
Ypres wurden erfolgreich fortgesetzt. Acht Maschinen 
gewehre wurden erbeutet und 200 Engländer zu 
Gefangenen gemacht. -— Im Argonnerwald nahmen wir 
mehrere Blockhäuser und Stützpunkte. Nordwestlich 
Verdun griffen die Franzosen ohne Erfolg an. -—• Nach 
einer amtlichen Petersburger Meldung aus Tokio wurden 
der russische Kreuzer „Jemtschug“ und ein französischer 
Forpedojäger auf der Reede von Pulopiang (Hinter 
indien) durch Torpedos des Kreuzers „Emden“ zum 
Sinken gebracht. Die „Emden“ hatte sich durch An 
bringung eines vierten (falschen) Schornsteins unkenntlich 
gemacht und sich auf diese Weise den feindlichen 
Schiffen unerkannt nähern können. — Während die 
türkische Flotte am 27. und 28. Oktober im Schwarzen 
Meer Schiessübungen abhielt, wurde sie am 29. Oktober 
von der russischen Flotte verfolgt;’' die anzugreifen ver 
suchte. Die türkische Flotte eröffnete daraut das Feuer, 
wobei das russische Minenschiff „Prut“ das 700 Minen 
führte, in den Grund gebohrt wurde. Ferner wurde auch 
das Torpedoboot „Kubanez“ zum Sinken gebracht und ein 
russischer Kohlendampfer beschlagnahmt. Ein weiteres 
russisches Torpedoboot ist beschädigt worden. 3 russische 
Offiziere und 72 Mann wurden gefangen genommen. 
Die türkische Flotte erlitt keinen Schaden. 
31. Oktober. U nsere Armee in Belgien nahm gestern 
Ramscapelle und Bixschote. Der Angriff auf Ypres 
schreitet gleichfalls fort. Zandvoorde, Schloss Hollebeke 
und Warnbeke wurtlen gestürmt. Auch weiter südlich 
gewannen wir Boden. - Oestlich Soissons wurde der 
Gegner gleichfalls angegriffen und im Laufe des Tages 
aus mehreren stark verschanzten Stellungen nördlich 
von Vailly vertrieben. Arn Nachmittag wurde dann 
Vailly gestürmt und der Feind unter schweren Verlusten 
über die Aisne geworfen. Wir machten tausend Gefangene 
und erbeuteten zwei Maschinengewehre. — Im Argonnen- 
wald sowie westlich von Verdun und nördlich von Toul 
brachen wiederholt feindliche Angriffe unter schweren 
Verlusten für die Franzosen zusammen. — Der von 
Dünkirchen zurückkehrende englische Kreuzer „Hermes“ 
wurde heute morgen um 8 Uhr durch zwei Torpedos 
eines unserer Unterseeboote vernichtet. Das Untersee 
boot ist wohlbehalten zurückgekehrt. — Der Kampf 
auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz hat noch nicht 
zu einer Entscheidung geführt. Westlich von Warschau 
folgen die Russen langsam unseren sich neu gruppierenden 
Kräften. — Nächst der galizisch-bukowinischen Grenze 
nördlich Kuty, wurde gestern eine russische Kolonne 
aller Waffen geschlagen In Mittelgalizien behaupten 
die österreichisch-ungarischen Truppen die gewonnenen 
Stellungen nordöstlich Turka, bei Stary Sambor, östlich 
Przemysl und am unteren San. Mehrere feindliche An 
griffe im Raume von Nisko wurden abgewiesen; dort 
sowohl wie auch bei Skole und Stary Sambor wurden 
Hunderte von Russen gefangen genommen. — Der 
türkische Panzerkreuzer „Sultan Jawus Selim“ hat ein 
russisches, mit dreihundert Minen beladenes Schiff ver 
senkt und ein Kohlentransportschiff, sowie ein russisches 
Kanonenboot schwer beschädigt, Ausserdem hat er 
Sebastopol mit Erfolg beschossen. Der Kreuzer „Midilli“ 
hat in Naruski die Petroleum- und Getreideläger zerstört 
und 14 Transportdampfer versenkt. Der Torpedoboot 
zerstörer „Berc-i-Satwest“ hat in Noworossisk die 
funkentelegraphische Station zerstört. Der Torpedoboot 
zerstörer „Jadig-Hiar-i-Millet“ hat ein russisches 
Kanonenboot versenkt. Der Torpedobootzerstörer 
„Muavenet - i - Millije“ hat ein anderes Schiff der 
selben Gattung beschädigt. In Odessa sind die 
Petroleumbehälter und fünf russische Schiffe beschädigt 
worden. Der Kreuzer „Hamidije“ hat Theodosia be 
schossen und in Kertsch ein Transportschiff versenkt. 
1. November. In Belgien werden die Operationen durch 
Ueberschwemmungen erschwert, die am Yser-Ypres- 
kanal durch Zerstörung der Schleusen bei Nieuport 
herbeigeführt sind. Bei Ypres sind unsere Truppen 
weiter vorgedrungefl; es wurden mindestens 600 Ge 
fangene gemacht und einige Geschütze der Engländer 
erbeutet. Auch die westlich Lille kämpfenden Truppen 
sind vorwärts gekommen. —• Die Zahl der bei Vailly 
gemachten Gefangenen hat sich auf etwa 1500 erhöht. 
In der Gegend von Verdun und Toul fanden nur 
kleinere Gefechte statt. — Die mehrtägige Schlacht im 
Raume nordöstlich Turka und südlich Stary Sambor 
führte gestern zu einem vollständigen Siege der öster 
reichisch-ungarischen Waffen. Der hier vorgebrochne 
Feind, zwei Infanteriedivisionen und eine Schützen 
brigade, wurde aus allen seinen Stellungen geworfen. 
Czernowilz wird von den österreichisch-ungarischen 
Truppen behauptet. 
2. November. Im Angriff auf Ypres wurde weiter Gelände 
gewonnen. Messines ist in unseren Händen. Auch in 
den Kämpfen im Argonnerwalde wurden Fortschritte 
gemacht. Der Gegner erlitt hier starke Verluste. — Im 
Osten ist die Lage unverändert. Ein russischer Durch 
bruchsversuch bei Szittkehmen wurde abgewiesen. — 
In den Gefechten am San hatten die Russen, namentlich 
bei Roswadow, schwere Verluste. Die österreichisch- 
ungarischen Truppen brachten dort 400 Gefangene ein 
und erbeuteten drei Maschinengewehre, südlich Stary 
Sambor nahm eine Gefechtsgruppe ebenfalls 400 Russen 
gefangen. In diesem Raume und nordöstlich Turka 
machte unser Vorrücken weitere Fortschritte. — Die 
österreichisch-ungarische Offensive durch die Macwa 
gegen die Serben schreitet siegreich vorwärts. Aus 
seinen befestigten Stellungen vertrieben, hat der Gegner 
bisher nur wenig Widerstand geleistet. Nur an der 
Nordlisiere von Sabac mussten stark verschanzte 
Positionen im Sturmangriff genommen werden. Auch 
Sabac selbst wurde heute Nacht erstürmt. — Die Russen 
haben an mehreren Punkten der kaukasischen Grenze 
die türkischen Grenztruppen angegriffen. Sie wurden 
aber gezwungen, sich zurückzuzieben, wobei sie Verluste 
erlitten. Im Mittelmeer haben englische Kreuzer das 
Feuer eröffnet und ein griechisches Torpedoboot, das 
sie für ein türkisches Torpedoboot hielten, zum Sinken 
gebracht. 
3. November. Die Ueberschwemmungen südlich Nieuport 
schliessen jede Operation in dieser Gegend aus. Die 
Länderein sind auf längere Zeit vernichtet, das Wasser 
steht zum Teil über mannshoch. Unsere Truppen sind 
aus dem überschwemmten Gebiete ohne jeden Verlust 
an Mann, Pferd, Geschützen und Fahrzeugen heraus 
gezogen. Unsere Angriffe auf Ypres schreiten vorwärts. 
Ueber 2300 Mann, meistens Engländer, wurden zu 
Gefangenen gemacht und mehrere Maschinengewehre 
erbeutet. — Von Erfolg waren unsere Angriffe an der 
Aisne östlich Soissons. Unsere Truppen nahmen trotz 
heftigsten feindlichen Widerstandes mehrere stark be 
festigte Stellungen im Sturm, setzten sich in Besitz von 
Chavonne und Soupir, machten über 1000 Franzosen zu 
Gefangenen und erbeuteten drei Geschütze und vier 
Maschinengewehre. — Zwischen Verdun und Toul 
wurden verschiedene Angriffe der Franzosen abgewiesen. 
Die Franzosen trugen teilweise deutsche Mäntel und 
Helme. — In den Vogesen in Gegend Markich wurde 
ein Angriff der Franzosen abgeschlagen. Unsere Truppen 
gingen hier zum Gegenangriff über. — Unsere grossen 
und kleinen Kreuzer machten heute einen Angriff auf 
die englische Küste bei Yarmouth. Sie beschossen 
die dortigen Küstenwerke und einige kleinere Fahrzeuge, 
die in der Nähe vor Anker lagen und augenscheinlich 
einen Angriff nicht erwarteten. Stärkere englische
        
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