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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

serbischen Kräfte. Ihre nördliche Kolonne ist von 
Srebrenica gegen Bajna Basta bereits über die Drina 
zurückgeworfen, wobei ihr der Train und die Munitions 
kolonne abgenommen wurde. Die auf der Romania 
Plamina vorgegangene Hauptkraft unter dem Kommando 
des gewesenen Kriegsministers Generals Mylos Bajanovic 
wurde von unsern Kräften in einem zweitägigem Kampf 
vollständig geschlagen und entging nur durch eilige 
Flucht der geplanten Gefangennahme. Ein Bataillon 
des 11. Regiments des 2. Aufgebots wurde gefangen 
genommen. Mehrere Schnellfeuergeschütze wurden 
erobert. 
9. Oktober. Heute Vormittag sind mehrere Forts der 
inneren Befestigungslinie von Antwerpen gefallen. Die 
Stadt befindet sich seit heute nachmittag in deutschem 
Besitz. Kommandant und Besatzung haben den 
Feslungsbereich verlassen. Nur einzelne Forts sind noch 
vom Feinde besetzt. Der Besitz von Antwerpen ist 
dadurch nicht beeinträchtigt. — Das Vorrücken der 
österreich-ungarischen Truppen zwang die Russen in 
ihren vergeblichen Anstrengungen gegen Przemysl, die 
in der Nacht auf den 8. Oktober ihren Höhepunkt 
erreichten und die den Stürmenden ungeheure Opfer 
kosteten, nachzulassen. Gestern vormittag wurde das 
Artilleriefeuer gegen die Festung schwächer, und der 
Angreifer begann Teile seiner Kräfte zurückzunehmen. 
Bei Lancut stellte sich den vordringenden österreichisch 
ungarischen Kolonnen ein starker Feind zum Kampfe, 
der noch andauert. Aus Roszvvadow ist der Gegner 
bereits vertrieben. Auch in den Karpathen steht es 
gut. Der Rückzug des Feindes aus dem Marmaroser 
Komitat artet in Flucht aus. Bei Bocskc wurde eine 
starke Kosakenabteilung zersprengt. Die eigene Vor 
rückung über den Beckid und über den Wereckepass 
ist im Fortschreiten gegen Slawsko und Tucholka. Der 
vom Ussokerpass geworfene Feind wird über Turka 
weiter gedrängt. 
10. Oktober. Die ganze P'estung Antwerpen einschliesslich 
sämtlicher Ports ist in unserm Besitz. Nach nur zwölf 
tägiger Belagerung ist Antwerpen in unsere Hände 
gefallen. Am 28. September fiel der erste Schuss gegen 
die Forts der äusseren Linie. Am 1. Oktober wurden 
die ersten P'orts erstürmt, am 6. und 7. Oktober der 
starke, angestaute, meist 400 Meter breite Nethe- 
Abschnitt von unserer Infanterie und Artillerie über 
wunden. Am 7. Oktober wurde entsprechend dem 
Haager Abkommen die Beschiessung der Stadt an 
gekündigt. Da der Kommandant erklärte, die Ver 
antwortung für die Beschiessung übernehmen zu wollen, 
begann Mitternacht vom 7. zum 8. Oktober die 
Beschiessung der Stadt. Zu gleicher Zeit setzte der 
Angriff gegen die innere Fortslinie an. Schon am 
9. Oktober früh waren zwei Forts der inneren Linie 
genommen, und am 9. Oktober nachmittags konnte 
die Stadt ohne ernsten Widerstand besetzt werden. 
Die vermutlich sehr starke Besatzung hatte sich anfänglich 
tapfer verteidigt. Da sie sich jedoch dem Ansturm 
unserer Infanterie und Marinedivision, sowie der 
Wirkung unserer gewaltigen Artillerie schliesslich nicht 
gewachsen fühlte, war sie in voller Auflösung geflohen. 
Unter der Besatzung befand sich auch eine unlängst 
eingetroffene englische Marine-Brigade. Sie sollten nach 
englischen Zeitungsberichten das Rückgrat der Ver 
teidigung sein. Der Grad der Auflösung der englischen 
und belgischen Truppen wirrt durch die Tatsache 
bezeichnet, dass die Üebergabeverhandlungen mit dem 
Bürgermeister geführt werden mussten, da keine 
militärische Behörde aufzufinden war. Die vollzogene 
Uebergabe wurde am 10. Oktober vom Chef des Stabes 
des bisherigen Gouvernements von Antwerpen bestätigt. 
Die letzten, noch nicht übergebenen Forts wurden von 
unseren Truppen besetzt. Die Zahl der Gefangenen 
lässt sich noch nicht übersehen. Viele belgische und 
englische Soldaten sind nach Holland entflohen, wo 
sie interniert werden. Gewaltige Vorräte aller Art sind 
erbeutet. — Dem Führer der Angriffstruppen vor 
Antwerpen, General der Infanterie von Beseler, wurde 
der Orden Pour le Merite verliehen. — Gestern ver 
suchten die Russen noch einen Sturm auf die Südfront 
von Przemysl, den die Besatzung wieder unter schweren 
Verlusten des Angreifers zurückwies. Dann wurden 
die rückgängigen Bewegungen der Russen vor der 
P'estung allgemein. Die Westfront mussten sie voll 
ständigräumen; die österreichisch-ungarische Kavallerie 
ist dort bereits eingeritten. Der durch die Schnelligkeit 
der Operationen in Russisch-Polen und Galizien ver 
wirrte Gegner versuchte, seinen Angriff auf die P'estung 
durch Hinausschieben von Heeresteilen gegen Westen 
zu decken, vermochte aber unseren heraneilenden 
Armeen nirgends standzuhalten. Die fünf bis sechs 
russischen Infanteriedivision, die sich bei Lancut stellten, 
sind auf fluchtartigem Rückzuge gegen den San. Ebenso 
wurde eine Kosakendivision und eine Infanteriedivision, 
die östlich Dymow eine verstärkte Stellung inne hatten, 
nach kurzem Widerstande zurückgeworfen. Unsere 
Truppen sind dem Gegner überall an den Fersen. 
Auch Ungarn dürfte von den noch in den Komitaten 
Marmaros und Besstersze-Nassod herumirrenden feind 
lichen Abteilungen bald gänzlich gesäubert sein. 
11. Oktober. Westlich Lille ist von unserer Kavallerie am 
10. Oktober eine französische Kavalleriedivision völlig, 
bei Hazebrouk eine andere französische Kavallerie 
division unter schweren Verlusten geschlagen worden. 
Die Kämpfe in der Front führten im Westen bisher zu 
keiner Entscheidung, — Ueber die Siegesbeute von 
Antwerpen können noch keine Mitteilungen gemacht 
werden, da die Unterlagen erklärlicherweise noch fehlen. 
Auch über die Zahl der Gefangenen, über den Ueber- 
tritt englischer und belgischer Truppen nach Holland 
liegt kein abschliessendes Urteil vor. — Auf dem 
östlichen Kriegsschauplatz wurden im Norden alle An 
griffe der ersten und zehnten russischen Armee gegen 
die ostpreussischen Armeen von diesen am 9. und 10. 
zurückgeschlagen. Auch ein Umfassungsversuch der 
Russen über Schirwindt wurde abgewiesen. Dabei 
wurden 1000 Russen zu Gefangenen gemacht. In Süd 
polen erreichten die Spitzen unserer Armee die Weichsel. 
Bei Grojez, südlich Warschau, fielen 2000 Mann des 
2. sibirischen Armeekorps in unsere Hände. — Das 
rasche Vorgehen der österreichisch-ungarischen Truppen 
an den San hat Przemysl von der feindlichen Um 
klammerung befreit. Wo sich die Russen noch stellten, 
wurden sie angegriffen und geschlagen. Bei ihrer 
Flucht gegen die P'lussübergänge von Sieniawa und 
Lezajsk fielen massenhaft Gefangene in die Hände der 
österreichisch-ungarischen Truppen. — Der russische 
Panzerkreuzer „Pallada“ wirrt im finnischen Meerbusen 
durch Torpedoschuss des deutschen Unterseebootes 
„U 26“ zum Sinken gebracht. 
12. Oktober. Vom westlichen Kriegsschauplatz liegen 
Nachrichten von Bedeutung nicht vor. Heftige Angriffe 
des Feindes östlich Soissons sind abgewiesen worden. 
Im Argonner Wald finden andauernd erbitterte Kämpfe 
statt. Unsere Truppen arbeiten sich in dichtem Unter 
holz und äusserst schwierigem Gelände mit allen Mitteln 
des Festungskrieges Schritt für Schritt vorwärts. Die 
P'ranzosen leisten hartnäckigsten Widerstand, schiessen 
von den Bäumen und mit Maschinengewehren von Baum 
kanzeln und haben neben etagenweise angelegten 
Schützengräben starke, festungsartige Stützpunkte einge 
richtet. Die von der französischen Heeresleitung ver 
breiteten Nachrichten über Erfolge ihrer Truppen in der 
Woevre-Ebene sind unwahr. Nach Gefangenenaussagen 
ist den Truppen mitgeteilt worden, die Deutschen seien 
geschlagen und mehrere Forts von Metz bereits gefallen. 
Tatsächlich haben unsere dort fechtenden Truppen an 
keiner Stelle Gelände verloren. Etain ist nach wie vor 
in unserm Besitz. Die jetzigen französischen Angriffe 
gegen unsere Stellung bei St. Mihiel sind sämtlich ab 
gewiesen worden. — Unsere Kriegsbeute von Antweipen 
lässt sich auch heute noch nicht übersehen. Die Zahl 
der in Plolland Entwaffneten ist auf annähernd 28000 
Mann gestiegen. Nach amtlichen Londoner und nieder 
ländischen Nachrichten befinden sich hierbei auch 2000 
Engländer. Scheinbar haben sich viele belgische Soldaten 
in Zivilkleidung nach ihrem Heimatsort begeben. Der 
Gebäude- und Materialschaden in Antwerpen ist gering. 
Die Schleusen- und Fähranlagen sind vom Feinde un 
brauchbar gemacht worden. Im Hafen befinden sich 
4 englische, 2 belgische, 1 französischer, 1 dänischer, 
32 deutsche und 2 österreichische Dampfer. 2 deutschen 
Segelschiffen, soweit deutsche Schiffe bisher untersucht 
worden sind, scheinen die Kessel unbrauchbar gemacht 
worden zu sein. — Auf dem ostpreussischen Kriegs 
schauplatz verlief der 11. Oktober im allgemeinen ruhig. 
Heute wurde ein erneuter Umfassungsversuch der Russen 
bei Schirwindt abgewiesen. Sie verloren dabei 1500 
Gefangene und 20 Geschütze. — In Südpolen wurden 
die russischen Vortruppen südlich von Warschau durch 
unsere Truppen zurückgeworfen. Ein Uebergangsversuch
        
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