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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

Redouten. Die in den äusseren Fortsgürtel gebrochene 
Lücke gestattet, den Angriff gegen die innere Forts 
linie und die Stadt vorzutragen. — Im Osten sind das 
III. sibirische und Teile des XXII. Armeekorps, welche 
sich auf dem linken Flügel der über dem Njemen vor 
dringenden russischen Armeen befanden, ' nach zwei 
tägigem erbittertem Kampf bei Augustowo geschlagen 
worden. Leber 3000 unverwundete Gefangene, achtzehn 
Geschütze, davon eine schwere Batterie, viele Maschinen 
gewehre, Fahrzeuge und Pferde wurden erbeutet. 
4. Oktober. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz geht 
der Kampf am rechten Heeresflügel und in den Argonnen 
erfolgreich vorwärts. Die Operationen vor Antwerpen 
und auf dem östlichen Kriegsschauplatz vollzogen sich 
planmässig und ohne Kampf. — Leber die Tätigkeit 
unserer Auslandskreuzer wird bekannt, dass die Kreuzer 
..Scharnhorst“ und „Gneisenau“ am 22. September 
Papeete, die befestigte Hauptstadt der Insel Tahiti im 
östlichen Stillen Ozean, beschossen und das im Hafen 
liegende französische Kanonenboot „Zelee“ in Grund 
geschossen haben. Der kleine Kreuzer „Karlsruhe“ 
brachte im Atlantischen Ozean verschiedene britische 
Dampfer auf, der kleine Kreuzer „Dresden“ macht mit 
Erfolg Jagd auf die britischen nach Brasilien bestimmten 
Kohlendampfer. Der kleine Kreuzer „Leipzig“ hat in 
chilenischen Gewässern das englische Oelschiff „Elsinor“ 
und den englischen Dampfer „Bankfields“, der eine 
Zuckerladung im Werte von etwa 2 1 /., Millionen Mark 
an Bord hatte, in den Grund gebohrt. — Drei französische 
Panzerschiffe und Kreuzer eröffnen ein Bombardement 
auf die Forts der Boche di Cattaro. Das Fort „Lustica“ 
erwiderte das Feuer, das bis abends dauerte. Die 
Beschädigung der Forts ist gering. Dagegen sollen 
zwei französische Kreuzer, die während der letzten drei 
Jahre gebaut wurden, erheblich beschädigt sein, zum 
feil sind die Maschinen zerstört und die Schornsteine 
zertrümmert. Die beiden Kreuzer fuhren langsam im 
Schlepptau anderer Kreuzer nach dem Kanal von 
Korfu. — Die ins östliche Bosnien eingedrungenen 
serbischen und montenegrinischen Kräfte zwangen, in 
dieses abseits der Hauptentscheidung liegende Gebiet 
mobile Kräfte zu defachieren. Die erste dort eingeleitete 
Aktion hat bereits einen erfolgreichen Abschluss ge 
funden. Zwei montenegrinische Brigaden, die „Spuska“ 
unter dem Kommando des Generals Vucowitsch und 
die „Zetska“ unter dem General Rajewitsch, wurden 
nach zweitägigen, heftigen Kämpfen vollkommen ge 
schlagen und auf Foca zurückgeworfen. Sie befinden 
sich in panikartigem Rückzuge über die Landesgrenze. 
Ihren ganzen Train, darunter nicht unbedeutende, in 
Bosnien erbeutete Vorräte, mussten sie zurücklassen. 
Auch bei dieser Gelegenheit wurden mehrere Gefallene 
österreichischer vorgesandter Patrouillen, darunter ein 
Fähnrich, in einem bestialisch verstümmelten Zustande 
aufgefunden. Bei der im nördlichen Abschnitte ein 
geleiteten Aktien wurde ein komplettes serbisches 
Bataillon von einem österreichischen Halbbataillon ge 
fangen genommen. 
5. Oktober. Vor Antwerpen sind die Forts Kessel und 
Broechem zum Schweigen gebracht. Die Stadt Lierre 
und das Eisenbahnfort an der Bahn Mecheln-Antwerpen 
sind genommen. Auf dem rechten Flügel in Frankreich 
werden die Kämpfe erfolgreich fortgesetzt, ln Polen 
gewannen die gegen die Weichsel vorgehenden deutschen 
Kräfte Fühlung mit russischen Truppen. 
6. Oktober. Die fortgesetzten Lmfassungsversuche der 
Franzosen gegen unsern rechten Heeresflügel haben die 
Kampffront bis nördlich Arras ausgedehnt. Auch 
westlich Lille und westlich Lens trafen unsere Spitzen 
auf feindliche Kavallerie. In unserem Gegenangriff über 
die Linie Arras-Albert-Roye ist noch keine Entscheidung 
gefallen. Auf der Schlachtfront zwischen Oise und Maas, 
bei Verdun und in Elsass-Lothringen sind die Verhältnisse 
unverändert. Auch von Antwerpen ist heute nichts 
Besonderes zu melden. — Auf dem östlichen Kriegs 
schauplatz ist der russische Vormarsch gegen Ostpreussen 
im Gouvernement Suwalki zum Stehen gebracht. Bei 
Suwalki wird der Feind seit gestern erfolgreich an 
gegriffen. In Russisch-Polen vertrieben deutsche Truppen 
am 4. Oktober die russische Garde-Schützenbrigade aus 
einer befestigten Stellung zwischen Opatow und Ostrowiec 
und nahmen ihr etwa dreitausend Gefangene, mehrere 
Geschütze und Maschinengewehre ab. Am 5. Oktober 
wurden zweieinhalb russische Kavallerie-Divisionen und 
Teile der Hauptreserve von Iwangorod bei Radom an 
gegriffen und auf Iwangorod zurückgeworfen. — Die 
Operationen in Russisch-Polen und Galizien schreiten 
günstig vorwärts. Schulter an Schulter kämpfend, warfen 
deutsche und österreichisch-ungarische Truppen den 
Feind von Opatow und Klimontow gegen die Weichsel 
zurück. In den Karpathen wurden die Russen am 
Lzsoker Pass vollständig geschlagen. — Das plötzliche 
Vordringen der deutschen und österreichisch-ungarischen 
Streitkräfte in Russisch-Polen hat die Russen vollständig 
überrascht. Sie verschoben zwar starke Kräfte aus 
Galizien nach Norden, wurden jedoch bei ihrem Versuch 
die Weichsel in der Richtung Opatow zu überschreiten, 
von den Verbündeten über den Fluss zurückgeworfen. 
Die österreichischen Truppen eroberten den russischen 
Brückenkopf bei Sandomir. In Galizien wurden bei 
Tarnobrzeg eine russische Infanteriedivision von den 
österreichischen Truppen zurückgeworfen. —• Beim 
ersten Sturm auf die Infanteriewerke von Tsingtau ’ 
wurden die vereinigten Japaner und Engländer mit 
einem Verlust von 2500 Mann zurückgeschlagen. Die 
Wirkung der deutschen Minen, Geschütze und Maschinen 
gewehre war vernichtend. Der rechte Flügel der Ver 
bündeten wurde von dem österreichisch-ungarischen 
Kreuzer „Kaiserin Elisabeth“ und dem deutschen 
Kanonenboot „Jaguai“ wirksam beschossen. Die deutschen 
Verluste sollen gering sein. Die Japaner warten Ver 
stärkungen aus Japan ab. 
7. Oktober. Die Kämpfe auf dem rechten Heeresflügel 
in Frankreich haben noch zu keiner Entscheidung 
geführt. Vorstösse der Franzosen in den Argonnen 
und aus der Nordostfront von Verdun wurden zurück 
geworfen. Bei Antwerpen ist das Forts Broechem in 
unserem Besitz. Der Angriff hat den Nctheabschnitt 
überschritten und nähert sich dem inneren Fortsgürtel. 
Eine englische Brigade und die Belgier wurden zwischen 
äusserem und inneren Fortsgürtel auf Antwerpen zurück 
geworfen. Vier schwere Batterien, zweiundfünfzig 
Feldgeschütze, viele Maschinengewehre, auch englische, 
wurden auf freiem Felde genommen. - Der Angriff 
der Russen im Gouvernement Suwalki ist abgewiesen. 
Die Russen verloren 2700 Gefangene und neun 
Maschinengewehre. In Polen wurden in kleinen 
erfolgreichen Gefechten westlich Iwangorod 4800 Ge 
fangene gemacht. — Die österreichische Offensive 
erreichte unter kleineren Gefechten überall ihre Ziele. 
Laut Meldung eines in kühnem Fluge aus Przemysl 
zurückgekehrten Generalstabsoffiziers wird die Ver 
teidigung der Festung von der karapfbegeisterten 
Besatzung mit grösster Tätigkeit und Lmsicht geführt. 
Mehrere Ausfälle drängten die feindlichen Linien zurück 
und brachten zahlreiche Gefangene ein. Alle Angriffe 
der Russen brachen unter furchtbaren Verlusten im 
Feuer der Festungswerke zusammen. In den Karpathen 
steht westlich desWyskower Sattels kein Feind mehr. 
Bei Marmaros Sziget wurde der eingebrochne Gegner 
geschlagen; die Stadt gelangte in der vergangenen 
Nacht wieder in den Besitz der üesterreicher. 
8. Oktober. Vom westlichen Kriegsschauplatz sind Er 
eignisse von entscheidender Bedeutung nicht zu melden. 
Kleine Fortschritte sind bei St. Mihiel und im Argonnen- 
wald gemacht. Vor Antwerpen ist Fort Breendonck 
genommen. Der Angriff auf die innere Fortslinie und 
damit auch die Beschiessung der dahinterliegenden 
Stadtteile hat begonnen, nachdem der Kommandant 
der Festung die Erklärung abgegeben hatte, dass er 
die Verantwortung übernähme. — Die Luftschiffhalle 
in Düsseldorf wurde von einer durch einen feindlichen 
Flieger geworfenen Bombe getroffen. Das Dach der 
Halle wurde durchschlagen und die Hülle eines in 
der Halle liegenden Luftschiffes zerstört. -— Im Osten 
erreichte eine von Lomsha anmarschierende russische 
Kolonne Lyck. — Im weiteren Vordringen der 
österreich-ungarischen Truppen wurde der Feind an 
der Chaussee nach Przemysl bei Barycz (westlich 
Dynow) geworfen und auch Rzeszow wurde wieder 
gewonnen, wo Geschütze erbeutet wurden. Im Weichsel- 
Sanwinkel nahmen wir den flüchtenden Russen viele 
Gefangene und Fuhrwerke ab. Erneute heftige Angriffe 
auf Przemysl wurden glänzend abgeschlagen. Der 
Feind hatte viele Tausend Tote und Verwundete. — 
Die Säuberungsaktion in Bosnien macht weitere Fort 
schritte. Zu dem gegen die montenegrinischen Truppen 
erzielten Erfolg gesellt sich nun ein entscheidender 
Schlag gegen die über Visegrad kampflos eingedrungenen
        
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