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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

illustrierte Kriegs-Chronik des „Berliner Leben“ 
24. September. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz 
sind heute im allgemeinen keine wesentlichen Ereignisse 
eingetreten. Einzelne Teilkämpfe waren den deutschen 
Waffen günstig. Aus Belgien und vom östlichen Kriegs 
schauplatz ist nichts zu melden. — Aus Kalkutta wird 
amtlich gemeldet: Der deutsche Kreuzer „Emden“ 
feuerte, als er Madras passierte, einige Granaten ab. 
Das Bombardement währte eine Viertelstunde. Die 
englischen Forts erwiderten das Feuer. Zwei Petroleum 
reservoirs wurden in Brand geschossen. Die „Emden“ 
löschte ihre Lichter und verschwand in der Dunkelheit. 
25. September. Der Fortgang der Operationen hat auf 
unserem äussersten rechten Flügel zu neuen Kämpfen 
geführt, in denen eine Entscheidung bisher nicht gefallen 
ist. In der Mitte der Schlachtfront ist heute, abgesehen 
von einzelnen Vorstössen beiderParteien, nichts geschehen. 
Als erstes der Sperrforts südlich Verdun ist heute 
Camp des Romains bei St. Mihiel gefallen. Das 
bayerische Regiment von der Tann hat auf dem Fort 
die deutsche Fahne gehisst, und unsere Truppen haben 
dort die Maas überschritten. Im übrigen weder im 
Westen noch im Osten irgend welche Veränderungen. 
26. September. Der Feind hat unter Ausnutzung seiner 
Eisenbahnen einen weit ausholenden Vorstoss gegen die 
äusserste rechte Flanke des deutschen Heeres eingeleitet. 
Eine hierbei auf Bapaume vorgehende französische 
Division ist von schwächeren deutschen Kräften zurück 
geworfen worden, auch sonst ist der Vorstoss zum 
Stehen gebracht. In der Mitte der Schlachtfront kam 
unser Angriff an einzelnen Stellen vorwärts. Die an 
gegriffenen Sperrforts südlich Verdun haben ihr heuer 
eingestellt. Unsere Artillerie steht nunmehr im Kampfe 
mit Kräften, die der Feind auf dem westlichen Maas 
ufer in Stellung gebracht Auf den übrigen Kriegs 
schauplätzen ist die Lage unverändert. 
27. September. Die Lage auf den verschiedenen Kriegs 
schauplätzen blieb heute unverändert. 
28. September. Die Belagerungsartillerie hat gegen einen 
Teil der Forts von Antwerpen das Feuer eröffnet. Ein 
Vorstoss belgischer Kräfte gegen die Einschliessungslinie 
ist zurückgewiesen. — Gegen die Festung Ossowiez trat 
schwere Artillerie in Kampf. 
29. September. Auf dem rechten Heeresflügel in Frank 
reich fanden bisher noch unentschiedene Kämpfe statt. 
In der Front zwischen Oise und Maas herrschte im 
allgemeinen Ruhe. Die im Angriff gegen die Maasforts 
stehende Armee schlug erneute französische Vorstösse 
aus Verdun und Toul zurück. — Im Osten scheiterten 
russische Vorstösse, die über den Njemen gegen das 
Gouvernement Suwalki erfolgten. — Angesichts der von 
den verbündeten deutschen und österreichisch 
ungarischen Streitkräften eingeleiteten neuen Operationen 
sind beiderseits der Weichsel rückgängige Bewegungen 
des Feindes im Zuge. Starke russische Kavallerie 
wurde unsererseits bei Biecz zersprengt. Nördlich der 
Weichsel werden mehrere feindliche Kavallerie-Divisionen 
vor den verbündeten Armeen hergetrieben. 
30. September. Die englische Admiralität gibt bekannt, 
dass während der letzten Tage der Kreuzer „Emden“ 
im Indischen Ozean die Dampfer „Tumerico“, „Kinglud“ 
„Riberia“ und „Toyle“ weggenomen und in den Grund 
gebohrt und ein Kohlenschiff weggenommen hat. Die 
Bemannungen der Schiffe wurden auf dem Dampfer 
„Gyfedale“, der ebenfalls genommen, aber freigelassen 
wurde, nach Colombo gebracht, wo sie gestern früh 
eintrafen. — Nördlich und südlich Albert vorgehende 
überlegene feindliche Kräfte sind unter schweren Verlusten 
für sie zurückgeschlagen. Aus der Front der Schlacht 
linie ist nichts Neues zu melden. An den Argonnen 
geht unser Angriff stetig, wenn auch langsam, vorwärts. 
Vor den Sperrforts an der Maaslinie keine Veränderung. 
In Elsass-Lothringen stiess der Feind gestern in den 
mittleren Vogesen vor, seine Angriffe wurden kräftig zu 
rückgeworfen. Vor Antwerpen sind zwei der unter Feuer 
genommenen Forts zerstört — Vom östlichen Kriegs 
schauplatz ist noch nichts besonderes zu melden. — Die 
Höhen von Roye und Fresnoy, nordwestlich von Noyon, 
werden den Franzosen entrissen. — Vereinigte japanische 
und englische Streitkräfte gelangten am 27. September, 
nach unbedeutenden Scharmützeln mit vorgeschobenen 
deutschen Streitkräften, bis an den Litsunfluss. Hier 
wurde ihr rechter Flügel vom Innern der Bucht aus 
durch drei deutsche Schiffe beschossen, bis japanische 
Flieger eingriffen. Die Flieger wurden dabei 
beschädigt. Der Gesamtverlust des Gegners betrug 
150 Tote, die deutschen Verluste sind unbekannt. 
Während der Kämpfe hat ein deutsches Kanonenboot 
die deutschen Landtruppen in vorzüglicher Weise unter 
stützt. Das Kanonenboot wurde von der japanischen 
L gcuneoen 
zu sein. Am 28. September, während Tsingtau zu 
Lande ganz abgeschlossen wurde, beschossen die Japaner 
mit einer Linienschiffsdivision zwei deutsche Küsten 
batterien, die kräftig antworteten. Das Ergebnis ist 
unbekannt. Am folgenden Tage begann die feindliche 
Heeresmacht einen Angriff auf die vorgeschobenen 
deutschen Stellungen, vier englische Meilen vor der 
deutschen Hauptverteidigungslinie. Von deutscher Seite 
wurde unter Einsatz aller Kräfte geantwortet. 
1, Oktober. Südöstlich von St. Mihiel werden Angriffe 
von Toul her zurückgewiesen. — Die Franzosen hatten 
dabei schwere Verluste. Der Angriff auf Antwerpen 
schreitet erfolgreich fort. — Auf dem östlichen Kriegs 
schauplatz keine Veränderungen. 
2, Oktober. Vor dem westlichen Armeeflügel wurden 
erneute Umtassungsversuche abgewiesen. Südlich Roye 
sind die Franzosen aus ihren Stellungen geworfen. In 
der Mitte der Schlachtfront blieb die Lage unverändert. 
Die in den Argonnen vordringenden Truppen erkämpften 
im Vorschreiten nach Süden wesentliche Vorteile. Oest- 
lich der Maas unternahmen die Franzosen aus Toul 
energische nächtliche Vorstösse, die unter schweren 
Verlusten für sie zurückgeworfen wurden. Vor 
Antwerpen sind das F'ort Wavre-St. Catherine und die 
Redoute Dorpweldt mit Zwischenwerken gestern nach 
mittag 5 Uhr erstürmt. Das Fort Waelhem ist ein 
geschlossen. Der westlich hinausgeschobene wichtige 
Schulterpunkt Termonde befindet sich in unserm Besitz 
— Auf dem östlichen Kriegsschauplatz scheint der Vor 
marsch russischer Kräfte über den Njemen gegen das 
Gouvernement Suwalki bevorzustehen. — Die in Serbien 
befindlichen österreichischen Truppen stehen seit zwei 
Tagen im Angriffskampf. Bisher schreitet die Offensive 
gegen den überall in stark verschanzten, mit Draht 
hindernissen geschützten Stellungen postierten Gegner 
zwar langsam aber günstig fort Mit der Säuberung 
der von serbischen und montenegrinischen Truppen 
und Irregulären beunruhigten Gegenden Bosniens wurde 
energisch begonnen. 
3. Oktober. Auf dem französischen Kriegsschauplatz sind 
heute keine wesentlichen Aenderungen eingetreten. Im 
Angriff auf Antwerpen fielen auch die Forts; Lierre, 
Waelhem, Königshookt und die zwischenliegenden
        
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